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04:32 01.02.2018
Bastian Stank (34) ist Pilot bei der Lufthansa. Quelle: Gregor Schläger/lufthansa/dpa-Tmn
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Frankfurt/Main

Es passiert selten auf einer Flugreise, aber wenn doch, kann es für Unbehagen sorgen: Es ist kurz vor der Landung, die Landschaft kommt langsam näher, gedanklich ist man schon bei der Taxifahrt ins Hotel oder nach Hause. Doch dann gibt der Pilot maximalen Schub.

Wenn das Flugzeug noch einmal durchstartet, heißt das in der Fachsprache des internationalen Flugverkehrs Go-around.

„Bei einem Go-around ist immer gleich, was im Flugzeug passiert“, erklärt Bastian Stank, 34, Pilot bei der Lufthansa. „Gashebel nach vorne, maximaler Schub, Steigflug einleiten, dann das Fahrwerk einfahren und mit zunehmender Geschwindigkeit die Landeklappen wieder einfahren.“ Danach komme es auf die richtige Navigation entsprechend des eingeübten Go-around-Verfahrens an.

Das Flugzeug muss zum Beispiel eine bestimmte Höhe erreichen und sich dann über bestimmte GPS-Koordination oder Funkfeuer wieder für den neuen Anflug einfädeln. Außerdem werden die Passagiere in der Kabine über die Lautsprecher informiert. Und der Pilot wartet auf eine neue Landefreigabe durch die Fluglotsen.

„Zu jedem Anflugverfahren, egal auf welchem Flughafen oder welcher Landebahn, gibt es ein veröffentlichtes Go-around-Verfahren“, erklärt Stank. Nach dem Briefing zur Landung gibt es ein weiteres Briefing zum entsprechend Go-Around-Verfahren. Es wird die Frage geklärt: Was genau passiert, wenn das Flugzeug durchstarten muss? Das hängt von mehreren Faktoren ab, etwa der Topografie des Geländes sowie Regeln für Lärmschutz und anderen Einschränkungen.

Die wichtigste Botschaft für Flugreisende lautet: Das Durchstarten ist keineswegs ein riskantes Manöver, sondern ein Standardprozedere, das im Simulator intensiv trainiert wird. Sicherheit hat für die Airline immer die höchste Priorität.

Ein Go-around kommt in der Praxis dennoch selten vor. „Ich fliege seit zehn Jahren und bin erst dreimal durchgestartet“, berichtet Stank. Für den Fluggast ist es ein außergewöhnliches Erlebnis. „Er ist schon auf die Landung vorbereitet, und dann reißen wir ihn gedanklich raus.“

Und wann ist ein Go-around nötig? „Wenn wir durchstarten, dann weil es sicherer ist, als eine Landung zu erzwingen oder externe Faktoren dies erforderlich machen“, sagt Stank. Zum Beispiel kann die Landebahn blockiert sein, etwa durch ein anderes Flugzeug. „In Tripolis hatte ich mal einen Wüstenfuchs auf der Bahn.“

„Ein Grund kann sein, dass wir das Gefühl haben, nicht stabilisiert zu sein“, sagt Stank. „Das muss nicht kurz vor dem Aufsetzen so sein, in der Regel schon früher, so in 300 Metern Höhe. Bereits dann müssen wir einen stabilen Endanflug haben.“ Die Sinkrate müsse angemessen sein und die Landegeschwindigkeit erreicht. Ein weiterer Grund für das Durchstarten: Der gesetzliche Mindestabstand zum vorderen Flugzeug wurde unterschritten, was der Fluglotse bemerkt.

„Am spektakulärsten sind schwierige Windverhältnisse oder Stürme“, sagt Stank. Hier gibt es vom Flugzeughersteller veröffentlichte Wind-Limits, die nicht überschritten werden dürfen.

Kommt es zum Durchstarten des Flugzeugs, müssen sich Reisende auf etwa 10 bis 15 Minuten Verspätung einstellen. „Das kalkulieren wir schon ein“, so Stank. „Wenn etwa schlechtes Wetter angekündigt ist, wird mehr Kerosin getankt.“

dpa/tmn

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