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Ein Dorf trotzt dem Trend

Dettmannsdorf Ein Dorf trotzt dem Trend

Land statt Stadt: In den „Meckelbörger“ in Dettmannsdorf zieht neues Leben ein.

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„Das wird richtig gut“, sagt Bürgermeister Stefan Schmidt. Spätestens im September soll der „Meckelbörger“ saniert sein.

Quelle: Robert Niemeyer

Dettmannsdorf. Muffiger Teppich, vergilbte Lampenschirme, dunkelbraune Essecken, wenig Licht – wirklich einladend ist das ehemalige Restaurant des „Mecklebörger“ in Dettmannsdorf-Kölzow nicht. Zwei Räume weiter versprüht ein etwas über 400 Quadratmeter großer Saal den zweifelhaften Charme ehemaliger LPG-Kulturhäuser. Viel Platz, schlichte Deckenbeleuchtung und ein große Bühne mit braunem Vorhang. Ja, braun war einst eine Trendfarbe. Doch seit mehreren Wochen wird an dieser exponierten Stelle des 1000-Seelendorfes alles daran gesetzt, diesem fast schon vergessenem Ort neues Leben einzuhauchen. Bauarbeiter wuseln durch die schmalen Gänge, manche Wand ist herausgerissen, manche bereits neu verputzt, neue Heizkörper warten an die Wand gelehnt auf ihre Montage. Und mitten drin schüttelt Bürgermeister Stefan Schmidt jedem die Hand. „Ruf mich einfach an, wenn du was brauchst“, sagte er hier. „Das kriegen wir schon hin“, sagt er dort. Duzen für ein Wir-Projekt. „Das wird richtig gut. Für unser Dorf ist es ein Segen.“Und ein bisschen Mut gehöre schließlich dazu.

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Land statt Stadt: In den „Meckelbörger“ in Dettmannsdorf zieht neues Leben ein.

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Infrastruktur fürs Wachstum

In Zeiten, in denen Ballungsräume wachsen und auf dem kleinen Dorf auf dem Land mehr Katzen als Menschen auf den Gehwegen unterwegs sind, schicken sich die Dettmannsdorfer an, gegen den Trend zu schwimmen. „Wir haben eine intakte Infrastruktur, unserer Einwohnerzahl wächst“, sagt Stefan Schmidt. Es gibt betreutes Wohnen, einen Arzt, einen Zahnarzt, Schule, Kita – und bald ein neues Dorfzentrum. „Im Sommer, spätestens im September wollen wir fertig sein.“

Während die Bauarbeiter wuseln, nimmt der erste Mieter bereits seinen Betrieb auf. René Pieper startet mit seinem Catering-Service in Dettmannsdorf-Kölzow neu durch – zieht mit seinem Unternehmen aus der Großstadt Rostock aufs Dorf. „Wir brauchten eine größere Küche. Die ist erstens in Rostock schwer zu finden und dann, zweitens, nicht zu bezahlen“, sagt der 42-Jährige. Aber rechnet sich das? „Wir leben vom Catering, und finanzieren die Mehrbelastung mit dem Restaurant und mit dem Saal“, sagt Pieper. Fünf neue Arbeitsstellen wolle er schaffen. Die gute Lage an der B104 inklusive Parkplatz vor der Tür sorge für Laufkundschaft, das rege Dorfleben für Stammkundschaft, ist er sich sicher. Der Saal beispielsweise werde laut Schmidt für eine Vielzahl an Veranstaltungen benötigt, etwa für Faschingsfeiern, Versammlungen, Tanzveranstaltungen, Theateraufführungen oder dann bald auch Hochzeitsfeiern.

Sanierung ohne Fördermittel

„Wir wollten das Gebäude unbedingt für die Allgemeinheit erhalten“, sagt Stefan Schmidt. Recht günstig erwarb die Gemeinde den „Meckelbörger“ vom Erben des verstorbenen Vorbesitzers. Recht schnell waren die Pläne fertig. Und auf Geld aus irgendwelchen Fördertöpfen wollte man dann nicht noch warten. Vor ein paar Wochen beschloss die Gemeindevertretung, einen Kredit aufzunehmen. 825<TH>000 Euro holt sich die Gemeinde auf Pump, die Gesamtkosten für die Gesamtsanierung. Amortisieren soll sich das Ganze in etwa 15 Jahren. Dann sind die Sanierungskosten wieder drin und die Gemeinde verdient durch die Mieteinnahmen laufend Geld. Allerdings sind die Mietverträge vorerst für zwölf Jahre geschlossen worden. Aber Mut gehört ja bekanntlich dazu.

Zu diesen Mietern gehört Mandy Wilsnack. Die 35-Jährige betreibt eine physiotherapeutische Praxis, derzeit noch in alten Räumen des Ensembles, bald dann in einem anderen Teil in neuen Räumen. „Hier auf dem Land hat man viel mehr Bezug zu den Menschen, in einer Großstadt ist das viel schnelllebiger“, sagt Wilsnack, die ebenfalls schon in Rostock tätig war. Außerdem: „Gerade ältere Patienten können nicht mehr Auto fahren und mit dem Bus ist es zu weit.“ Seit fünf Jahren arbeiten sie und ihre Mitarbeiterin in Dettmannsdorf, seit einem Jahr im „Meckelbörger“. Patienten kommen aus dem Dorf, aber verstärkt auch von weiter weg. Der Bedarf ist so groß, das Wilsnack demnächst eine weitere Mitarbeiterin einstellen möchte. Ende April zieht sie in die neuen Räume. Auch ein Kosmetikstudio und eine Friseurin, die ebenfalls aus Rostock nach Dettmannsdorf-Kölzow zieht, finden in dem Ensemble Platz.

Alle packen an

Und der ehemalige Gasthof wird am Ende nicht nur ein Zentrum für die Gemeinde, sondern auch von der Gemeinde. Die Umstände ergaben nämlich, dass zwei Baufirmen aus der Region die besten Angebote abgegeben hatten. „Ich finde es gut, dass das Gebäude erhalten wird. Das ist nicht nur ein Auftrag, da steckt auch Herz für die Region drin“, sagt Stefan Rosenow. Seine RoBu Bau GmbH sitzt in Tessin, der 41-Jährige selbst wohnt ein Dorf weiter in Stubbendorf, sein Sohn geht in Dettmannsdorf zur Schule. Und so packen alle mit an, an der neuen Dorfmitte von Dettmannsdorf.

Robert Niemeyer

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