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Spuren in der Welt hinterlassen

Plüschow Spuren in der Welt hinterlassen

Am Sonnabend ab 17 Uhr feiert Schloss das Mecklenburgische Künstlerhaus Plüschow die Vernissage der Ausstellung „Nur Kunst kann die Welt retten“.

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Die israelische Künstlerin Dafna Kaffeman (hier im Atelier auf Schloss Plüschow mit Sohn Indy) ist nach Deutschland gekommen, um unter anderem am Kunstprojekt „Nur Kunst kann die Welt retten“ des Plüschower Künstlerhauses teilzunehmen. Kaffeman thematisiert in ihren so zarten wie kraftvollen Werken - in denen hebräische Buchstaben, die aus Schlagzeilen israelischer Zeitungen stammen mit zarten Zeichnungen und Radierungen kombiniert werden - die sie selbst immer wieder erschreckende nicht endende Spirale der Gewalt in ihrer Heimat.

Quelle: Annett Meinke

Plüschow. Es wird farbenprächtig am kommenden Sonnabend auf Schloss Plüschow. Es wird aufwühlend, anrührend, ernsthaft, ironisch, vielschichtig – anlässlich der Vernissage zum Künstlerhaus-Projekt „Nur Kunst kann die Welt retten“, die um 17 Uhr beginnen wird.

DCX-Bild

Am Sonnabend ab 17 Uhr feiert Schloss das Mecklenburgische Künstlerhaus Plüschow die Vernissage der Ausstellung „Nur Kunst kann die Welt retten“.

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Acht Künstlerinnen und ein Künstler aus dem Iran, Israel, der Schweiz, Österreich, den USA, Deutschland haben sich dem Anspruch der Aussage gestellt. Sie haben ihn in ihre Sprache übersetzt – so wie die israelische Künstlerin Dafna Kaffeman (45) zum Beispiel.

Kaffeman ist mit dem jüngsten ihrer insgesamt drei Kinder – ihrem fünf Monate alten Sohn Indy – aus Jaffa in Israel nach Deutschland gekommen, um unter anderem an dem Plüschower Projekt mitzuarbeiten. Sie kombiniert Schlagzeilen in hebräischen Buchstaben – die für Jemanden, der die Zeichen nicht lesen kann, schon wie Kunst anmuten – zum Beispiel mit zarten Zeichnungen und Radierungen von Pflanzen, Gräsern, Blüten. Wer hebräisch versteht, kann den Gegensatz zwischen dem, was in Buchstaben erzählt wird und dem, was so zart hingemalt ist, direkt erfassen. Da kann es zum Beispiel um ein Ereignis aus dem Jahr 2014 gehen. Drei israelische Teenager werden von palästinensischen Terroristen entführt und getötet – woraufhin drei israelische Jugendliche einen Palästinenser kidnappen, ihn zusammenschlagen, mit Benzin übergießen und anzünden.

„Ich will, dass sich in meinem Land etwas verändert“, sagt Kaffeman, „all der Rassismus, die Korruption.“ Sie will, dass die Besetzungen palästinensischer Gebiete durch Israel aufhören, sie will, dass die Spirale der Gewalt im Nahen Osten unterbrochen wird – wenn notwendig einseitig. Eine nicht unumstrittene Position, angesichts der Bedrohung Israels von allen Seiten – nicht nur in ihrem Land.

Auch die US-Amerikanerin Heather Sheehan, die seit 1994 in Köln lebt, macht klare Ansagen mit ihrer Kunst. Sie wird auf dem Dachboden des Schlosses eine Performance gestalten, über die an diesem Punkt noch nichts verraten werden soll. Vielleicht nur soviel, Sheehan versetzt sich in „alte Zeiten, in ein anderes Leben“. Die Wirkung, die ihre Kunst entfaltet – es sind auch Fotografien von ihr zu sehen, die zum Teil sehr intime Einblicke gestatten – will Sheehan nicht festlegen. „Ich übe maximale Kontrolle aus bei der Herstellung meiner Kunst. Zum Beispiel fotografiere ich mich immer selbst.“ Doch dann, so Sheehan, lässt sie los. „Es reagiert ohnehin jeder Betrachter anders“, sagt sie. Und weiß nur eines – „es löst immer in den Menschen irgendetwas aus.“ 

Die Schweizerin Sandra Hauser hingegen will mehr oder weniger rätselhafte Spuren hinterlassen. So finden sich nach ihrem Aufenthalt in Plüschow unter anderem Autobahnbrückenpfeiler farbenreich verziert. Es wird rosa Autoreifen zum Beschweren der Ernte der Agrargesellschaft Plüschow geben. Und auch andere Spuren, die sich mit dem Wort „Nix“ beschäftigen – dem Nichts, das es nicht wirklich gibt – spielen in ihrer Kunst eine Rolle.

Rico. - eine einheimische Künstlerin aus Neubrandenburg – präsentiert im Rahmen der Ausstellung eine Installation, die sich mit Fragen, Worten, Bedeutungen, die verschwimmen, sich gegenseitig überfluten und doch präsent bleiben, beschäftigt.

Künstlerhausleiterin Miro Zahra ist begeistert von den Prozessen, die sich im Verlauf des Projektes ergeben haben. „Es ist wirklich eine intensive Atmosphäre des Austausches unter den Künstlern entstanden. Unsere Stipendiaten arbeiten ja oft doch für sich an ihren Projekten. Hier jedoch ist Verbindung entstanden.“

Info: Vernissage Ausstellung „Nur Kunst kann die Welt retten“ Schloss Plüschow, 30. September, 17 Uhr

Annett Meinke

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