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Erziehung ist (auch) Männersache

Zinnowitz Erziehung ist (auch) Männersache

In der Zinnowitzer Kita Regenbogen arbeitet Stefan Spindler als Erzieher

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Erzieher Stefan Spindler in seinem Element: Umringt von Kindern arbeitet der 35-Jährige als Erzieher in Zinnowitz.

Quelle: Foto: Hannes Ewert

Zinnowitz. Spielen, puzzeln, gemeinsam essen und natürlich immer ein wachsames Auge haben – und das bei einer ungewohnt hohen Lautstärke: Stefan Spindler arbeitet in der Zinnowitzer Kindertagesstätte Regenbogen als Erzieher. Der 35-Jährige ist in seiner Branche fast noch ein Exot. Der Anteil männlicher pädagogischer Fachkräfte in Kindertagesstätten liegt im Bundesdurchschnitt gerade mal bei rund fünf Prozent, der Landkreis Vorpommern-Greifswald ist da keine Ausnahme. In seiner Kita ist Spindler neben 13 Frauen der einzige Mann und damit der Hahn im Korb.

„In meinem ersten Berufsleben habe ich als Schlosser auf der Wolgaster Peene-Werft gearbeitet. Die Arbeit machte mich nur einen Tag im Monat glücklich – am Zahltag“, sagt er. Ein schwerer Arbeitsunfall beendete seine dortige Laufbahn vorzeitig. „Ich war noch nicht mal 30 Jahre und hatte eigentlich noch nicht viel erreicht“, sagt er. Den Kopf in den Sand stecken, das kam für den gebürtigen Wolgaster nicht infrage. „Ich wollte unbedingt Erzieher werden“, sagte er.

Und diese Entscheidung war für ihn die beste Wahl. Zwei Jahre drückte er die Schulbank in Demmin und erlernte das Handwerk des Erziehers. „Immer wieder mit praktischen Elementen. Der Weg war hart und steinig, aber er hat sich ausgezahlt“, erklärt er. Seit März 2016 ist er in der Kita Regenbogen und seit einem Monat ist er der Leiter einer 18-köpfigen Kinderschar. „Man ist in diesem Beruf nicht nur am Zahltag glücklich, sondern täglich – schon morgens, wenn einen die Kinder begrüßen“, betont er. Die Freude der Lütten, ihre Dankbarkeit und der Spaß bei der Arbeit komplettieren seine Tätigkeit. „Kinder sind immer ehrlich – vor allem zu Erwachsenen. Das liebe ich. Das ist leider nicht überall so – Ehrlichkeit ist ganz wichtig“, erklärt er.

Der Tag in der Kita besteht aus vielen festen Ritualen. „Meist beginne ich die Arbeit um 7 Uhr, eine Stunde später gibt es für alle Frühstück. Danach räumen alle das Geschirr selbständig ab. Das ist ganz wichtig, dass sie solche Dinge für das Leben lernen“, sagt er. „Und wenn man den Fortschritt bei den Kindern sieht, ist man sehr stolz auf sich. Man kann sagen: ’Das habe ich ihnen beigebracht’“, erzählt er. Und regelmäßig gibt es für die Kids einen Morgenkreis. „Wir besprechen aktuelle Themen. Jetzt hatten wir gerade das XXL-Feuerwerk und einige berichten, wie es ihnen gefallen hat“, sagt er.

Und was ist sein körperlicher und geistiger Ausgleich im Umgang mit Kindern? „Ich arbeite in den Sommermonaten an einer Bar an der Zinnowitzer Promenade. So betreue ich praktisch tagsüber die Kleinen und abends die Großen. Beides ist pädagogisch sehr wertvoll“, sagt er und lacht. Doch nun steht erstmal der Eigenheimbau im benachbarten Zempin an. „Und wenn meine Partnerin und ich mal einen gemeinsamen Tag frei haben, genießen wir die Ruhe in der Natur. Dorthin ziehen wir uns gerne zurück“, erzählt er.

Auf die Frage, warum sich so wenig Männer für einen frauentypischen Beruf entscheiden, hat Stefan Spindler eine schnelle Antwort parat. „Ich denke, viele haben Angst vor der Arbeit. Die meisten glauben, dass das Berufsbild nur zu einer Frau passt“, sagt er. Für ihn ist es jedoch ein sehr dankbarer Job. „Die Entscheidung fiel nicht aus der Not heraus. Ich wollte schon immer was mit Kindern machen.“ Eigene Kinder stehen noch auf der „To-Do“-Liste.

Männer in den Kindertagesstätten

Der Anteil männlicher pädagogischer Fachkräfte in Kindertagesstätten liegt gerade einmal bei etwa fünf Prozent.

Im Landkreis Vorpommern-Greifswald beträgt der Wert zwischen vier und sechs Prozent. Spitzenwerte erzielen Städte wie Frankfurt/Main, Kassel, Hamburg, Kiel und Bremen. Unter vier Prozent beträgt der Anteil der männlichhen Erzieher in großen Teilen Bayerns, im Landkreis Ludwigslust-Parchim und im Süden Baden-Württembergs. Dort übernehmen deutlich mehr Frauen die Erziehung von Kindern.

Einer der Hauptgründe für den geringen Männeranteil in Kindertagesstätten liegt in einer traditionellen Geschlechterordnung begründet, die zu stereotypen Geschlechterbildern und einer entsprechenden Arbeitsteilung führt.

Laut des Statistischen Bundesamtes arbeiten in Deutschland rund 30 500 Männer mit Kindern. Vor fünf Jahren waren es noch 16700 Männer. Vor zehn Jahren waren es nur 11 100 Männer.

Die anteilig meisten Männer arbeiten in Hamburg. Dort sind etwa zehn Prozent des Personals männlich.

Hannes Ewert

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