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Vorpommern Hallo Oma, hier ist Dein Enkel . . .

Enkeltrick-Mafia ist in Vorpommern sehr aktiv. Sicher- heitsberater klären Senioren über die perfiden Methoden auf.

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Wenn der Enkeltrick klappt, verlieren Senioren oft alles.Axel Falkenberg, Sprecher der Polizeiinspektion Anklam

Vorpommern. „Hallo, Oma, hier ist Dein Enkel. Kannst Du mir 20000 Euro für den Kauf eines Autos geben? Ich brauche das Auto schnell, sonst verliere ich meinen Job.

OZ-Bild

Enkeltrick-Mafia ist in Vorpommern sehr aktiv. Sicher- heitsberater klären Senioren über die perfiden Methoden auf.

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Mein Kumpel kommt morgen Mittag vorbei und holt das Geld ab...“ So oder ähnlich wurden in Vorpommern schon viele Rentner angerufen. Die Enkeltrick-Mafia ist nach wie vor aktiv und versucht, vor allem ältere Menschen um ihr jahrelang gespartes Geld zu bringen. Auf diese perfide Art und Weise wollen die Kriminellen schnell reich werden.

Zwar verlaufen nach Aussage von Axel Falkenberg, Sprecher der Polizeiinspektion Anklam, 98 Prozent der Anrufe ins Leere. „Doch die wenigen Rentner, die wirklich darauf reinfallen, verlieren oft alles“, betont Stephan Lack, ehemaliger Kriminalbeamter und seit mehreren Jahren im Ehrenamt als Seniorensicherheitsberater der Polizei im Landkreis Vorpommern-Greifswald unterwegs. Immer wieder klärt er im Bereich zwischen Greifswald, Wolgast, Insel Usedom und Anklam ältere Menschen über die Funktionsweise des Enkeltricks auf. Sein Kollege Harald Brose hat im Bereich Pasewalk diese Aufgabe übernommen, im Landkreis Vorpommern-Rügen sind Ernst-Dieter von Allwörden und Norbert Laß unterwegs. Sie beraten in Veranstaltungen Senioren zu Enkeltrickbetrug und Taschendiebstahl. Sie sensibilisieren sie für Gefahrensituationen und stärken das Sicherheitsgefühl der älteren Generation.

Falsche Staatsanwälte drohen mit Haftbefehl

In der vergangenen Woche trafen sich die vier Ehrenamtler gemeinsam mit den Präventionsräten der Kreise Vorpommern-Greifswald und Vorpommern-Rügen sowie der Polizeiinspektion Anklam zum Erfahrungsaustausch in Sachen Prävention. 18 Veranstaltungen hat Stephan Lack bisher durchgeführt, elf Harald Brose. Ähnlich aktiv sind von Allwörden und Laß. Denn die Betrugsversuche werden nicht weniger. Waren es früher angebliche Enkel und Neffen, die Geld brauchten, rufen jetzt angebliche Polizisten, Staatsanwälte, Gerichtsvollzieher, Mitarbeiter der Rentenversicherung oder der Krankenversicherung an, fordern Geld und erwähnen auch immer flink das Wort Haftbefehl. „Das schürt bei den Senioren oft Angst. Es ist ganz wichtig, dass wir die Rentner immer wieder aufklären und dazu auch die Sozialverbände wie Volkssolidarität, Awo und Diakonie mit ins Boot holen. Dort treffen sich Senioren oft“, betont in diesem Zusammenhang Dirk Scheer, parteiloser Sozialdezernent des Landkreises Vorpommern-Greifswald. Er möchte deshalb eine Idee des Präventionsrates Vorpommern-Rügen aufgreifen: Dort spielen zum Thema Enkeltrick Senioren für Senioren Theater – mit großem Wiedererkennungs- und Merkeffekt.

Nach Aussage von Kathrin Kleedehn, Sprecherin des Polizeipräsidiums Neubrandenburg, sind seit 1. Januar bis heute in den beiden vorpommerschen Landkreisen 170 Betrugsversuche zur Anzeige gebracht worden. Im Oktober und November waren es bisher 50, davon im Bereich der PI Stralsund 22 und 28 im Bereich der PI Anklam. „Der jüngste Versuch ist gerade mal 24 Stunden her. Ein 80 und 85 Jahre altes Ehepaar in Nienhagen aus dem Landkreis Vorpommern-Rügen wurde von seinem angeblichen Neffen angerufen und um mehrere Tausend Euro ersucht. Das war der Klassiker des Enkeltricks. Die Eheleute reagierten richtig – sagten, sie hätten keinen Neffen und Geld gäbe es schon gar nicht. Nach Rücksprache mit ihrer Tochter gingen sie sofort zur Polizei und machten eine Anzeige“, schildert Kleedehn.

Nach ihren Worten hat sich das Ehepaar vollkommen richtig verhalten.

Banken-Mitarbeiter sollen sensibilisiert werden

Doch Stephan Lack und auch Ernst-Dieter von Allwörden wissen eben, dass Senioren, die tatsächlich auf den Enkeltrick reingefallen sind, oft den Weg zur Polizei scheuen. „Wir müssen weiter intensiv beraten, damit es vor allem zu den wirklich allein lebenden Menschen dringt. Sie sind oft nach zehn gescheiterten Versuchen der elfte, der dann klappt. Sie freuen sich so, dass jemand anruft oder sogar vorbeikommt, und glauben die aufgetischten Geschichten“, so Lack.

Polizeihauptkommissar Thorsten Dietrich und Polizeihauptmeister Dirk Joseph von der PI Anklam regen in diesem Zusammenhang an, über die Landkreise an die Aufsichtsgremien der Banken heranzutreten und die Mitarbeiter für das Thema zu sensibilisieren. „Manche Bankangestellte passen schon sehr gut auf, wenn ältere Leute plötzlich Tausende von Euro in bar abheben. Damit noch mehr genauer hinschauen, sollten wir überall in den Bankfilialen Plakate zum Enkeltrick aufhängen“, sagen sie.

Grundstruktur des betrügerischen Anrufs

Falscher Anrufer (Enkel, Neffe, Polizist, Staatsanwalt, Rechtsanwalt, Notar, Gerichtsvollzieher usw.) behauptet etwas (braucht sofort Geld, Gewinn, Schulden, Zwangsvollstreckung). Er erzeugt beim Angerufenen Unsicherheit und Angst ... gibt Handlungsanweisung (zur Bank gehen, Rechtsanwalt anrufen). Ziel ist immer die Übergabe von Bargeld an Fremde!

Was ist zu tun? Keine Namen erraten, keine Auskunft zu persönlichen Verhältnissen wie Vermögen geben. Niemand braucht heute sofort Bargeld – weder beim Haus- noch beim Autokauf!

Behörden rufen nie an, sondern schicken ein Schreiben.

Deshalb sofort auflegen und die Polizei informieren!

Cornelia Meerkatz

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