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Opfer sexueller Gewalt werden nicht alleine gelassen

Stralsund Opfer sexueller Gewalt werden nicht alleine gelassen

Miss-Beratungsstelle hilft im gesamten Landkreis Vorpommern-Rügen in 106 Fällen den betroffenen Frauen, Kindern und Jugendlichen

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Wir versuchen, den Frauen unsere Möglichkeiten zur Information und Hilfe zu vermitteln. Sie müssen dann entscheiden, wie sie damit umgehen und was ihnen helfen könnte.Ina Pellehn, Miss-Beratungsstelle

Stralsund. Im vergangenen Jahr hat die Miss-Beratungsstelle für Betroffene von sexualisierter Gewalt in Stralsund 106 neue Fälle aus der Hansestadt und dem Landkreis Vorpommern-Rügen bearbeitet. In 63 Fällen davon waren Kinder und Jugendliche betroffen, in 43 Fällen wurde Erwachsenen geholfen.

„Dazu kommen noch einmal 27 Fälle aus den Vorjahren, die wir immer noch begleiten“, sagt Ina Pellehn von der Miss-Beratung. Sie verweist darauf, dass diese Fallzahlen ähnlich hoch sind wie 2015. „Sexualisierte Gewalt ist durchaus eine Spielart der häuslichen Gewalt“, erklärt die diplomierte Sozialpädagogin. Doch sie weiß auch um die vielen Tabus, mit denen das Thema belegt ist. „Das führt dazu, dass Betroffene oft erst als Erwachsene darüber reden können, was ihnen im Kindesalter geschehen ist.“ Von Opfern will sie dabei bewusst nicht reden.

Entsprechend sensibel gehen die drei Mitarbeiter der Beratungsstelle mit den Menschen um, die sich ihnen anvertrauen. „Unsere Aufgabe ist es, Hilfesuchende kostenlos und auf Wunsch auch anonym zu beraten“, sagt Ina Pellehn. „Unser Grundsatz ist dabei immer, bei unserer streng vertraulichen Beratung nichts zu unternehmen, was die Nutzer nicht wirklich möchten.“

Im Kern geht es darum, Betroffene aller Altersklassen in die Lage zu versetzen, eine Entscheidung zu treffen – etwa wenn eine Mutter den Verdacht hat, dass der Stiefvater sich an ihrer Tochter vergeht. „Hier versuchen wir, der Frau unsere verschiedenen Möglichkeiten zur Information und Hilfe zu vermitteln. Sie muss dann entscheiden, wie sie damit umgeht und was ihr davon helfen könnte“, erklärt die Sozialarbeiterin.

Und da verfügt die Beratungsstelle inzwischen über ein breites Portfolio an möglichen Hilfen für die der Gesetzgeber inzwischen auch neue Grundlagen geschaffen hat. So verweist Ina Pellehn unter anderem auf das am 1. Januar dieses Jahres in Kraft getretene Gesetz über die psychosoziale Prozessbegleitung im Strafverfahren, eine besondere Form der nicht-rechtlichen Begleitung im Strafverfahren für besonders schutzbedürftige Verletzte vor, während und nach der Hauptverhandlung. „Damit haben unter anderem auch minderjährige Opfer schwerer Sexual- und Gewaltstraftaten einen Anspruch auf Unterstützung durch einen psychosozialen Prozessbegleiter auf Staatskosten“, so Pellehn. Sie selbst und eine Kollegin aus der Miss-Beratungsstelle sind zertifizierte Prozessbegleiterinnen. Beide bieten diese Unterstützung auch an.

Darüber hinaus berät das Miss-Team auch zu Hilfeleistungen aus dem Fonds „Sexueller Missbrauch“. Betroffene – gerade aus dem familiären Bereich – können Hilfeleistungen bis zu 10000 Euro beantragen. Berechtigt dazu sind auch Betroffene, die vor 2013 als Kinder oder Jugendliche sexuell missbraucht wurden, zu einer Zeit, als sie noch minderjährig waren.

Neben den Möglichkeiten finanzieller Unterstützung bietet die Beratungsstelle aber auch so praktische Unterstützung wie traumasensibles Yoga für betroffene Frauen an. „Das ist ein sehr sanfter Übungsweg, der einen bewussten Umgang mit dem Körper ermöglicht“, erläutert Ina Pellehn. Die Beratungsstelle hat für Frühjahr und Sommer 2017 drei Workshops dazu vorbereitet.

Für seine Arbeit ist das dreiköpfige Team der Miss-Beratungsstelle bis zu 12000 Kilometer im Jahr im Landkreis unterwegs. In Stralsund sowie in Bergen auf Rügen gibt es jeweils eine Beratungsstelle. „Durch unsere langfristig angelegte Arbeit sehen wir auch, dass wir in vielen Fällen helfen konnten“, sagt Ina Pellehn. Ihr persönlich vermittelt diese Arbeit ein gutes Gefühl: „Dies vor allem, weil ich den Betroffenen etwas an die Hand geben kann.“

Miss-Beratungsstellen in Stralsund und Bergen

Seit 2014 gibt es die Miss-Beratungsstelle für Betroffene von sexualisierter Gewalt in Stralsund. Zuvor gab es sie nur auf Rügen.

2016 wurde das Team in 106 Fällen tätig. 63-mal waren Kinder und Jugendliche – 52 Mädchen, elf Jungen – betroffen. Unterstützung für Erwachsene wurde 43-mal geleistet, darunter für 34 Frauen und neun Männer.

Kontakt: Stralsund,

☎ 03831/6679363;

Bergen, ☎ 03838/ 254545; E-Mail: kontakt@miss-beratungsstelle.de;

Info: www.miss-beratungsstelle.de

Jörg Mattern

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