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Rostocker Rentner helfen Studenten

Stadtmitte Rostocker Rentner helfen Studenten

Seniorenakademie ermöglicht lebenslange Freundschaften

Stadtmitte. Als Alina Ryazanova aus Russland zum Studium nach Rostock kam, konnte sie noch nicht Rad fahren. Also holten Margit und Winfried Sommer ein altes Fahrrad aus dem Schuppen, reparierten es und brachten Alina das Radeln bei. Kennengelernt haben sie sich durchs Partnership-Projekt der Seniorenakademie. Dort können Senioren eine Patenschaft für ausländische Studenten übernehmen, um ihnen das Einleben in Deutschland zu erleichtern.

 

OZ-Bild

Alina (l.) mit ihrer Patin Margit Sommer und Enkelin Hannah Reiter – hier beim Erdbeerpflücken im Frühsommer.

Quelle: Foto: Privat

Paten gesucht

142 Studenten aus 32 Ländern, darunter Frankreich, China, Nepal und Syrien, haben bisher an dem Partnerschafts-Projekt teilgenommen. 52 Senioren haben seit dem Start des Programms im Wintersemester 2013/14 eine

Patenschaft übernommen.

Information und Anmeldung:

☎ 0381/4982650 oder im Internet unter www.rsa.uni-rostock.de/

partnership/

Initiatorin des Projektes war und ist Dr. Rosina Neumann, Leiterin der Seniorenakademie und Verwalterin des Wohnheims im Justus-von-Liebig-Weg. Dort wohnen fast ausschließlich ausländische Studenten. „Ihre Situation hat mir Sorgen bereitet: An den Feiertagen sitzen viele einsam in ihren Zimmern und warten darauf, dass die Feiertage zu Ende sind, damit sie wieder in die Bibliothek oder in den Unterricht gehen können.“ Oft verschlechterten sich auch die Studienleistungen, manche brachen sogar ihren Aufenthalt ab.

Über den Ideenwettbewerb Studium Optimum reichte Neumann daraufhin den Antrag für dieses Projekt ein und bekam eine finanzielle Förderung für zwei Jahre. Seit dem Ende dieser Förderung übernimmt die Seniorenakademie die Kosten. Die Paten helfen den jungen Leuten unter anderem beim Deutschlernen, kochen für sie typisch deutsche Gerichte oder zeigen ihnen die Region.

Da es beim Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen auch Schwierigkeiten geben kann, bekommen die Paten eine Schulung. „Sie werden darauf vorbereitet, was für Probleme die Studierenden haben, wenn sie nach Deutschland kommen“, erzählt Michaela Wolf, die neue Leiterin des Partnerschafts-Projektes. Auch das Ansprechen sensibler Themen, wie zum Beispiel Probleme in der Patenschaft, stehen auf der Agenda. Da die Studenten oft unvorbereitet nach Deutschland kommen, sei dies sehr wichtig. „Es wird nur geguckt, was sie für Studienleistungen haben“, bedauert Wolf.

Familie Brungs betreut bereits seit einigen Jahren regelmäßig ausländische Studenten. „Das ist genau das, was wir uns für unser Rentnerdasein vorgestellt haben“, verrät Angelika Brungs begeistert.

Neben den Begegnungen mit den Studenten haben sie auch enge Freundschaften mit anderen Rostocker Senioren geschlossen, „und deswegen würden wir nicht darauf verzichten wollen“. Zurzeit sind die beiden Rentner Paten für zwei indische Studenten, mit denen sie regelmäßig Karten spielen und Kuchen backen. „Oft laden unsere Paten auch ihre Freunde zum Spielen zu uns ein, dann ist hier immer viel los“, erzählt Manfred Brungs lachend. Mit ihren früheren Patenkindern aus Kolumbien, China und Jemen stehen Brungs auch heute noch in Kontakt. Für das Paar ist es ein „winziger Beitrag zur Völkerverständigung“.

Zu Beginn jedes Semesters gibt es einen Kennenlern-Abend, bei dem die Senioren ein deutsches Buffet vorbereiten und alle die Möglichkeit haben, ins Gespräch zu kommen. „Und dann lassen wir Luft und Raum, damit sie sich gegenseitig finden“, sagt Wolf. „Im Grunde genommen hängt der Erfolg der Patenschaft von der Chemie zwischen den Teilnehmern ab“, ergänzt Neumann. In den vergangenen Jahren hätten sich so viele schöne Begegnungen ergeben.

So zum Beispiel die Patenschaft von Margit und Winfried Sommer für Alina. Vor zwei Jahren nahm die russische Studentin an dem Projekt teil, als sie für ein Semester in die Hansestadt kam. Dort lernte sie das Ehepaar aus Huckstorf kennen, das sich als besonders kreativ herausstellen sollte. „Wir fragten uns: Wie erlernt man am besten die Umgangssprache? Also legten wir Alina beim Backen das Rezept vor und ließen sie Fragen stellen“, erinnert sich Margit Sommer lächelnd. Auch die Bedienungs-Anleitung für das Fahrradschloss musste Alina selbst lesen. Für die Studentin war dies sehr hilfreich:

„So lernte ich schnell viele neue Wörter und auch bei der Aussprache halfen mir meine Paten.“

Jetzt, zwei Jahre später, ist Alina erneut für ein Semester in Rostock und spricht inzwischen fließend Deutsch. Mit ihren Paten trifft sie sich immer noch regelmäßig. „Ich habe durch sie nicht nur den deutschen Alltag kennengelernt, sondern mich auch als Teil ihrer Familie gefühlt“, erzählt die 23-jährige Journalismus-Studentin.

Julia Fischer

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