Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 1 ° Regenschauer

Navigation:
Streit um Spielplätze: Investoren sollen in Fonds einzahlen

Stadtmitte Streit um Spielplätze: Investoren sollen in Fonds einzahlen

Bauherren schaffen zu wenig Spielflächen für Kleinkinder, bemängeln Politiker

Voriger Artikel
Kita-Knirpse auf dem Weg zum Erfinder
Nächster Artikel
Student, Bauherr und bald Ingenieur

Ida (8, v. l.), Jule (8) und Emma (7) spielen gern auf dem Spielplatz am Gerberbruch.

Quelle: Fotos: Ove Arscholl, Lea-Marie Kenzler (4)

Stadtmitte. Hat Rostock zu wenig Spielplätze? Ja, sagen Stadtvertreter. Grund: Beim Neubau des Wohn- und Geschäftshauses „Hanse Karree“ am Glatten Aal müsste die Randalswood-Gruppe des irischen Investors Patrick McGrath eine rund 670 Quadratmeter große Spielfläche für Kleinkinder vorhalten. Das sieht die Landesbauordnung so vor. Das städtische Bauamt will davon jedoch eine Ausnahme machen: Demnach bräuchte der Investor nur 350 Quadratmeter Spielfläche für Kinder im Alter von null bis sechs Jahren schaffen. Das sei auch bei anderen Projekten schon so gewesen – was im Bauausschuss auf Kritik stößt. „Wenn wir immer in diesem Maße nach unten abweichen, haben wir in der Stadt 25 Prozent zu wenig Spielplätze für Kinder“, sagt Helge Bothur (Linke).

 

OZ-Bild

„„Spielplätze sind gerade in einer Großstadt sehr wichtig. Dass Rostock zu wenig Spielplätze hätte, würde ich nicht sagen.“Felix Fechner (27) Südstadt

OZ-Bild

„„Am Gerberbruch ist ein toller Spielplatz. Nur für unser kleinstes Kind fehlen Möglichkeiten wie eine Kleinkind- schaukel.“Charlotte Kiesow (32) Gartenstadt

OZ-Bild

„„Rostock hat eher zu wenig Spielplätze. Scherben und Zigaretten sind ein Problem, da viele Jugendliche diese Orte aufsuchen.“Sandra Hofmeister (38) Kassebohm

OZ-Bild

„„Die Besitzer haben ihre Tiere meistens unter Kontrolle, aber oft gibt es zu viele Hunde auf den Spielplätzen des Stadtgebietes.“Benjamin Rother (27) Kröpeliner-Tor-Vorstadt

Mehr als 200 Spielplätze gibt es in der Hansestadt

236 Spielplätze an 168 Standorten gibt es in Rostock. Das geht aus dem aktuellen Spielplatz- Konzept der Hansestadt hervor. Dieses ist im Sommer 2016 vorgelegt worden. Ergebnis: 3,8 Millionen Euro muss Rostock investieren, um notwendige neue Spielplätze zu bauen und die bestehenden Angebote zu pflegen.

Auch seine Parteikollegin Regine Lück kritisiert: „Wir haben in der Innenstadt viel zu wenig Spielplätze.“ Rostock stelle sich als kinderfreundliche Stadt dar, tue dafür aber nichts, so Lück.

Bausenator Holger Matthäus (Grüne) hält dagegen: „Mich ärgert diese Diskussion.“ Er betont, dass es sich nur um eine Einzelfallentscheidung handele. Und diese sei sinnvoll: „Was bringt es, wenn der Spielplatz auf dem Dach oder in einem Hinterhof ohne Licht gebaut wird?“, fragt der Senator. In der Innenstadt, wo nur noch Lücken geschlossen werden könnten, sei es beim Neubau schwierig, Spielplätze zu schaffen. „Wir wollen nun stattdessen von den Investoren Geld einfordern und dieses in öffentliche Spielflächen investieren“, sagt Matthäus. Ein solcher Fonds müsse jedoch erst beim Land durchgesetzt werden. „Es ist schwierig, aber wir sind dabei, es zu lösen“, sagt Matthäus. Helge Bothur überzeugt das nicht. Ein privater Vorteil werde in einen gesellschaftlichen Nachteil umgewandelt, so der Stadtvertreter. Einigen Mitgliedern im Bauausschuss ist das zu polemisch. Schließlich handele es sich bei den von Investoren zubauenden Spielplätzen um private Flächen. „Bei öffentlichen Spielplätzen können alle Kinder rauf. Das ist fürs Gemeinwohl besser“, sagt Dirk Herrmann (SPD).

Hintergrund: Die Stadt muss Spielplätze für sieben bis 19-Jährige schaffen, für Kleinkinder sind hingegen die Bauherren zuständig. Doch gerade für die Jüngsten fehle es an Angeboten, sagt eine Anwohnerin im Petriviertel. Auch Charlotte Kiesow (32) aus der Gartenstadt bedauert, dass für ihr kleinstes Kind Möglichkeiten fehlten, zum Beispiel eine Kleinkindschaukel. Ansonsten sei der Spielplatz am Gerberbruch aber toll.

Aus dem aktuellen Spielplatzkonzept der Stadt geht hervor, dass in den Stadtteilen Evershagen, Schmarl und Toitenwinkel Spielflächen für sieben- bis 13-Jährige fehlen. In Stadtmitte, KTV und Evershagen seien die 14- bis 19-Jährigen unterversorgt, heißt es. Kleinkinder sind hier nicht erfasst.

Bausenator Matthäus betont, dass alle Spielplätze der Stadt auch von Kleinkinder besucht werden könnten – in Begleitung ihrer Eltern. Zudem sei in der Innenstadt ein neuer Spielplatz in den Wallanlagen geplant, so der Senator.

Lea-Marie Kenzler und André Wornowski

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Greifswald
Ein kleiner See hat sich auf dem Areal an der Hafenstraße gebildet. 2021 soll die Bebauung beginnen.

Die Berliner Firma UTB hat ein Jahr Zeit, das komplette Areal am Ryck zu entwickeln / 20 Prozent der Wohnungen dürfen maximal 7,50 Euro kalt pro Quadratmeter kosten

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Familie Senioren und Kinder