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Aufstand am Kiefernweg

Biestow/Gartenstadt Aufstand am Kiefernweg

An der Satower Straße sollen Einfamilienhäuser entstehen – im Einklang mit den Kleingärtnern. Doch die fühlen sich von der Stadt und ihrem Dachverband betrogen.

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Die Kleingärtner Klaus-Peter Müller (v. l.), Christiane Müller, Eva-Maria Jordan, Renate Siebert, René Papenhagen, Angelika Streubel, Hans-Joachim Lange und Manfred Jordan kämpfen für den Erhalt ihrer Parzellen.

Quelle: Fotos: Ove Arscholl

Biestow/Gartenstadt. Wohnraum in Rostock ist knapp – und teuer. Das will das Rathaus ändern und setzt alles daran, schnellstmöglich neues Bauland zu schaffen. Mehr als 30 Standorte für neue Wohngebiete werden derzeit in der Stadtverwaltung untersucht. In den ersten neuen Vierteln sollen bereits im kommenden Jahr die Bagger rollen – zum Beispiel in der neuen Siedlung am Kiefernweg. Doch um das Baugebiet, das die Wiro erschließen will und das Teil des neuen Stadtteils Groß Biestow sein soll, gibt es überraschend Ärger. Denn die Kleingärtner in der Anlage „Satower Straße“ wollen die Planungen nicht akzeptieren, lehnen sich nun gegen die Stadt und auch ihren eigenen Dachverband auf.

OZ-Bild

An der Satower Straße sollen Einfamilienhäuser entstehen – im Einklang mit den Kleingärtnern. Doch die fühlen sich von der Stadt und ihrem Dachverband betrogen.

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„Bis gestern hatten wir einen tragbaren Kompromiss am Kiefernweg.“Christian Seifert

Vorsitzender Verband der Gartenfreunde

Einfamilienhäuser für Groß Biestow

Insgesamt rund 250 neue Wohneinheiten sollen nach Angaben von Carsten Klehn, dem Sprecher der stadteigenen Wohnungsgesellschaft Wiro, in dem Baugebiet entstehen. „Wir planen derzeit mit rund 200 Grundstücken für Einfamilienhäusern und 50 Flächen für Reihenhäuser.“ Denn vor allem Einfamilienhäuser seien derzeit in der Hansestadt besonders gefragt. Weil es in Rostock jahrelang keine Flächen gab, seien in den vergangenen Jahren viele Häuslebauer ins Umland ausgewichen – nach Bad Doberan oder Rövershagen zum Beispiel.

Sehr zum Ärger der Stadt. Am Kiefernweg soll nun „ein sehr grünes Baugebiet“ entstehen, verspricht die Wiro. Und auch Matthias Horn, Referent für Stadtentwicklung im Büro von Oberbürgermeister Roland Methling (UFR), sagt: „Ursprünglich waren dort viel mehr Grundstücke vorgesehen, aber wir haben uns für eine großzügige Planung entschieden.“ Soll heißen: Statt das Maximum an Bauland rauszuholen, plant die Wiro nun mit großzügigen Grünflächen. Im Bereich des alten, verfallenen Gutshofes beispielsweise sollen die alten Bäume erhalten bleiben, ein Spielplatz soll auf der Fläche der alten Ruinen entstehen. Und: „Wir halten auch eine Fläche für eine neue Kita vor“, sagt Wiro-Sprecher Klehn. Zu konkreten Grundstücksgrößen und -preisen äußert er sich aber noch nicht.

Verein sagt „Nein“ und überrascht damit die Stadt

Denn noch gibt es Streit um den Kiefernweg – seit gestern jedenfalls: Am Dienstag erhielten die Stadtverwaltung und auch der Verband der Gartenfreunde Post vom Vorstand des Vereins „Satower Straße“. Über dessen bisheriges Gelände soll die Erschließungsstraße für das neue Baugebiet gehen. Das „Nein“ zum Kiefernweg kommt dennoch überraschend: „Denn schließlich haben wir die Straße dort geplant, wo die Kleingärtner es gefordert haben. Wir hatten drei andere Trassenführungen im Blick, die für uns günstiger geworden wären – finanziell und auch aus Naturschutz-Sicht. Aber wir sind auf die Wünsche der Kleingärtner eingegangen“, sagt Stadtentwickler Horn. Er sei ratlos: „Wir haben mit dem betroffenen Verein zusammengesessen, alle Forderungen erfüllt. So sieht für uns Bürgerbeteiligung aus. Aber nun soll ein halbes Jahr Arbeit umsonst sein.“ Auch Christian Seifert, Chef des Dachverbandes der Gartenfreunde, ist sprachlos: „Die Stadt ist uns sehr entgegengekommen.

Wir hatten einen guten Kompromiss. Die Straßenführung, wie sie jetzt geplant ist, hat der Verein vorgeschlagen.“

Vereinschef: Verband und Stadt haben uns übergangen

Der Verein „Satower Straße“ probt dennoch den Aufstand: „So wie es jetzt geplant ist, haben wir uns das sicher nicht gewünscht!“, sagt Vereinschef René Papenhagen. Denn der Verein sei davon ausgegangen, dass nur ein paar Meter verloren gehen, vier Parzellen. „Das hätten wir akzeptiert.“ Nun soll die Straße aber 50 Meter „fressen“ – und 30 Gärten. „Wir fühlen uns betrogen!“, sagt Papenhagen. Auch auf den Dachverband und Seifert ist er nicht gut zu sprechen: „Der Verband sagt, wir seien die schlechteste Anlage der Stadt, will uns die Gemeinnützigkeit absprechen. Dann wäre der Weg frei, hier alles in Bauland umzuwandeln. Wir haben das Gefühl, unser Verein soll geopfert werden, damit der Verband anderenorts Ruhe mit der Stadt hat.“ Für heute ist beim Gartenverband ein Krisengespräch dazu angesetzt.

Andreas Meyer

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