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Die Vernachlässigte Ameise ist nicht zu stoppen

Kröpeliner-Tor-Vorstadt Die Vernachlässigte Ameise ist nicht zu stoppen

Zwei neue Kolonien entdeckt / Ausrottung des Einwanderers unmöglich

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Schädlingsbekämpfer Martin Gliewe (31) von der Firma Lilienthal verteilt regelmäßig ein Fressgel an den Unikliniken.

Quelle: Foto: Ove Arscholl

Kröpeliner-Tor-Vorstadt. In seinem Zimmer in der Uni-Orthopädie an der Doberaner Straße beobachtete ein Patient Tierchen, die seiner Meinung nach dort gar nicht hingehören: Ameisen. Die Insekten sind in den Zimmern sichtbares Zeichen eines Problems, das in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt nicht nur die Unimedizin seit geraumer Zeit beschäftigt. Die sogenannte „vernachlässigte Ameise“ wurde 2008 in Rostock entdeckt und breitet sich seitdem kontinuierlich aus. Auszurotten sei sie nicht mehr, sagen Experten. Jetzt wurden zwei neue Kolonien entdeckt.

OZ-Bild

Zwei neue Kolonien entdeckt / Ausrottung des Einwanderers unmöglich

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2008 entdeckt

Erst 1990 wurde die Lasius neglectus (die vernachlässigte Ameise) von der Wissenschaft als eigenständige Art beschrieben. Auf den ersten Blick sehen die braunen Tiere, die sich vermutlich von Vorderasien her ausbreiteten, wie Gartenameisen aus. Seit 2008 ist das nördlichste Vorkommen in Rostock bekannt. Eine Königin kann allein einen neuen Staat aufbauen.

Seit Jahren beschäftigt sich Kai Gloyna vom Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) mit dieser vermutlich aus Vorderasien eingeschleppten Ameisenart, mit ihrer Ausbreitung und möglichen Schäden, die sie anrichtet. Bisher gab es lediglich zwei Orte, an denen die Ameise nachgewiesen war: in der KTV mit Schwerpunkt Doberaner Straße und im Botanischen Garten. Jetzt wurden Kolonien im Schiffbauerring in Groß Klein und in Gewächshäusern der Uni in Gehlsdorf entdeckt. Kai Gloyna vermutet, dass die Tierchen mit Blumenkübeln, die dort zum Überwintern hingebracht wurden, aus der Doberaner Straße kamen.

In den Gebäuden der Unimedizin an der Doberaner Straße bemühen sich die Verantwortlichen schon lange, das Problem in den Griff zu bekommen. „Der Ameisenbestand an den drei Kliniken in der Doberaner Straße ist seit Jahren bekannt und der Umgang mit dieser Situation klar geregelt“, erklärt Dr. Philipp Warnke, stellvertretender Krankenhaushygieniker der Unimedizin. Die Ameise lebe in den sandigen Böden in und um die Kliniken herum, ein Ausrotten ist somit nicht möglich. „Man muss daher mit dieser Situation professionell umgehen.“ Dazu wurde vor Jahren ein Arbeitskreis einberufen, der aus dem Krankenhaushygieniker der Unimedizin Rostock, einer Hygienefachkraft, der UMR Logistik GmbH, der Pflegedienstleistung sowie einem professionellen Desinfektor besteht.

An definierten Stellen werden Fallen ausgelegt, die mehrfach wöchentlich kontrolliert und ausgezählt werden, um den tatsächlichen Befall festzustellen und entsprechende Maßnahmen zu treffen. Die Auswertungen der letzten Wochen zeigten nur vereinzeltes Auftreten von Ameisen, teilt die Unimedizin mit.

Sämtliche Auswertungen gehen auch an das Lagus. Es würde schon ein enormer Aufwand betrieben und auch Bekämpfungserfolge erzielt, erklärt Kai Gloyna. „Wir sind aber nicht ansatzweise in der Lage, die Areale ameisenfrei zu kriegen.“ Bei Weiterbildungen von Schädlingsbekämpfern werde im Landesamt immer wieder nach Möglichkeiten gesucht, die Bekämpfung zu verbessern: „Den Zauberstab haben wir nicht.“ Seit Jahren beobachtet Gloyna die Lasius neglectus, die vernachlässigte Ameise, und kommt für Rostock zu dem Ergebnis: „Wir werden sie nie wieder ausrotten können.“

Die Ameisen sind nicht nur lästig für die Menschen, sondern können auch Schäden an Straßen und Gebäuden verursachen. Die könnten aber auch durch heimische Arten entstehen. Was die „Vernachlässigte“

aber so gefährlich mache, sei ihr Ausbreitungspotenzial. Gloyna geht davon aus, dass sich die Kolonien pro Jahr im zweistelligen Meterbereich ausbreiten. Experten gehen davon aus, dass in Rostock bereits eine Fläche von mehr als zehn Hektar befallen ist. Zudem sei noch immer unklar, ob gesundheitliche Risiken für Menschen von der Ameisenart ausgehen. Das werde gerade an der Universität Rostock untersucht, berichtet Kai Gloyna.

Thomas Niebuhr

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