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Dieser Mann macht Medizin aus Stinkmorcheln

Ribnitz-Damgarten Dieser Mann macht Medizin aus Stinkmorcheln

Der Ribnitz-Damgartener Hans-Heinrich Kunde berät seit 39 Jahren Pilzsammler

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Hans-Heinrich Kunde gibt hilfreiche Tipps. Im Rahmen der Nationalparktage Zingst erklärt er, von welchen Pilzen man lieber ablässt.

Quelle: Foto: Volker Stephan

Ribnitz-Damgarten. Er ist eine echte Legende unter den Pilzfreunden der Region: Hans-Heinrich Kunde aus Ribnitz-Damgarten. Seit Jahrzehnten gibt der 73-Jährige sein umfangreiches Fachwissen an Hobbysammler weiter. Besonders jetzt, in der beginnenden Herbstzeit, ist sein Rat gefragt. Er weiß genau, ob ein Pilz genießbar oder ungenießbar ist – und ob vielleicht der giftige Doppelgänger eines leckeren Speisepilzes im Sammelkorb gelandet ist.

Hans-Heinrich Kunde nimmt sein Ehrenamt sehr ernst, das er sich vor 39 Jahren selbst ausgesucht hat. Täglich von 17 bis 19 Uhr steht er Ratsuchenden in der Ribnitzer Predigerstraße 1 zur Seite.

Hier begutachtet er die Funde der Hobbysammler. Ruhetage gibt es bei ihm nicht, auch nicht an Wochenenden. „Die Leute sammeln hauptsächlich während ihrer Freizeit Pilze. Und die haben sie doch in der Regel am Wochenende. Also benötigen sie auch genau dann meinen Rat – da kann ich nicht einfach abwesend sein“, sagt er.

Aber nicht nur in seinem heimischen Pilzlabor kann man ihn antreffen. Auch auf Veranstaltungen ist er mit seinem liebevoll hergerichteten Informationsstand anzutreffen, wie erst am Wochenende bei den Nationalparktagen in Zingst. Dann stellt er nicht etwa Nachbildungen der regional vorkommenden Pilzarten aus, sondern nur Originale, die man dann auch mit Geruchs- und Geschmackssinn prüfen kann. Für die Nationalparktage hatte der Pilzspezialist an den beiden Vortagen 130 Sorten in den heimischen Wäldern, Parks und Gärten gesammelt.

Seit Jahrzehnten kennt er die besten Standorte der einzelnen Sorten. „Trotzdem war es eine ganz schöne Rennerei, in der kurzen Zeit alle Stellen aufzusuchen und die passenden Pilze zu finden“, sagt er. Nachdem er seine zahlreichen Schaustücke auf den Tischen platziert hatte, ordnete er jedem Pilz das vorbereitete Namens- und Informationskärtchen zu. Was er erreichen möchte: Unwissende vor Schaden bewahren und Wiss- und Lernbegierige auf ihrem Weg zu Pilzkennern voranbringen.

Regelmäßig bei solchen Veranstaltungen stöbern die Menschen interessiert am Stand von Hans-Heinrich Kunde, stellen Fragen und sind oft überrascht, was der Pilzkenner zu erzählen hat. Dass einige unheimlich oder skurril aussehende Exemplare etwa einen kulinarischen Wert haben, ist weitgehend unbekannt. So stellt Hans-Heinrich Kunde beispielsweise gern ein Einweckglas mit darin schwimmenden eiförmigen Pilzen aus. „Das sind Hexeneier, ein Entwicklungsstadium der Stinkmorchel. Ich verwende sie, um daraus Medizin zu machen.“ Gebratene Hexeneier haben zwar einen eher neutralen Geschmack, gelten aber in der Naturheilkunde und traditionellen Chinesischen Medizin unter anderem als Mittel zur Linderung von Rheuma- und Gichtbeschwerden – und auch als Aphrodisiakum. Doch so groß

sein Engagement ist und so spannend die Pilze auch sind: Hans-Heinrich Kunde macht sich Sorgen um die Zukunft seines Metiers. Bei der jüngeren Generation sei das Interesse daran gering. Neben der Freizeit, die geopfert werden müsse, würden wohl auch der lange Weg von wenigstens drei Jahren zum geprüften Sachverständigen sowie das umfangreiche zu erlernende Wissen abschrecken.

Lernen kann man dabei auch, wann die Pilze am besten sprießen. In diesem Jahr haben sie es jedenfalls schwer. „Viel zu trocken, die Gräben sind leer“, sagt Hans-Heinrich Kunde. Es habe zwar im Sommer häufig, aber insgesamt zu wenig geregnet. „Leider ist es kein gutes Pilzjahr“, stellt Hans-Heinrich Kunde traurig fest.

In seinen Beratungsstunden möchte er nicht nur Gefahren für die Ratsuchenden ausschließen, sondern ihnen jedes Mal auch einen Teil seines wertvollen Wissens weitergeben. Er freut sich, wenn Pilzsammler ihn mit den Jahren immer seltener aufsuchen, weil sie sich mittlerweile selbst gut auskennen. Es gibt aber auch diejenigen, die Experten wie ihn immer brauchen werden: „Ich berate seit fast 20 Jahren einen Sammler, der sich heute genauso wenig auskennt wie beim ersten Mal“, sagt er.

Volker Stephan

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