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Fäsekow weiht neue Ahorn-Allee ein

Fäsekow Fäsekow weiht neue Ahorn-Allee ein

Umweltminister und Bürgermeisterin griffen zum Spaten / Viel Kritik am Landkreis

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Gemeinsam mit Mädchen und Jungen der Kita „Zwergenland“ aus Fäsekow füllten gestern Landwirtschafts- und Umweltminister Till Backhaus (SPD) und Deyelsdorfs Bürgermeisterin Sandra Boy (Wählergemeinschaft) ein Pflanzloch für einen jungen Ahorn mit Erde.

Quelle: Fotos: Reinhard Amler

Fäsekow. 75 Spitz- und zehn Feldahörner zieren in Fäsekow jetzt einen Landweg. Schnurstracks in einer Reihe. Sie sind das Ergebnis eines Aufrufs von Landrat Ralf Drescher (CDU) zur Neuanlage von Alleen.

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Umweltminister und Bürgermeisterin griffen zum Spaten / Viel Kritik am Landkreis

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Eigentlich war die gestrige Einweihung der jungen Bäume ein schöner Termin, weshalb wohl auch Landwirtschafts- und Umweltminister Till Backhaus (SPD) eigens aus Schwerin angereist war. Doch bevor es bei Kaffee und leckerem Kuchen dann aber richtig nett wurde, musste sich der Gast zunächst einiges an Kritik anhören. Vieles ließ der Politprofi, der mit dem Spaten in der Hand ebenso wie Deyelsdorfs Bürgermeisterin Sandra Boy (Wählergemeinschaft)keine schlechte Figur machte, zwar an sich abprallen, doch es blieb ein Beigeschmack Und dafür sorgte Jörg Ludwig. Der Gemeindevertreter teilte nämlich ordentlich aus. Er hatte das Projekt bereits 2015 angeschoben.

Warum es April 2017 werden musste, um 85 Bäume zu pflanzen, sei für ihn völlig inakzeptabel, monierte Ludwig, der hauptberuflich als Revierförster tätig ist. Er kritisierte den viel zu langen Bearbeitungszeitraum und ebenso, dass die meisten der seinerzeit eingereichten Pläne als nicht förderfähig zurückgewiesen wurden. Warum habe niemand im Vorfeld die Förderregularien richtig erklärt, fragte er.

„Wir hatten insgesamt fünf Projekte eingereicht, so der Gemeindevertreter. Nach über zwei Jahren werde nun eines realisiert...

Bereits 2014 hatte Vorpommern-Rügens Landrat dazu aufgerufen, neue Alleen anzulegen. Hintergrund dafür war die Bereitschaft des Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt, die nötigen Gelder aus dem sogenannten Alleenfonds zur Verfügung zu stellen. Was seinerzeit aber nicht ausreichend übermittelt wurde, waren eben die Bedingungen, die an die Neuanlage solcher Alleen geknüpft waren, erklärte Ludwig. Und das waren eine ganze Menge, wie sich leider erst im Nachhinein herausstellte.

So durften beispielsweise nur Straßen ausgewiesen werden, an denen keine Leitungen liegen und auf denen im Winterdienst kein Streusalz verwendet wird. Natürlich war auch die Eigentumsfrage wichtig, denn möglichst sollte es sich auch um kommunale Flächen handeln.

Angelika Schöning, die Ordnungsamtsleiterin im Amt Recknitz–Trebeltal, bestätigte gestern, dass die Arbeit mühsam gewesen sei und es oft stockte. Denn der Landkreis habe sehr viele Zuarbeiten verlangt. Neben aktuellen Flurkarten sollten auch Luftkarten eingereicht werden.

Mit allein 26 Projekten hatte sich das Amt Recknitz-Trebeltal an dem Aufruf g beteiligt. Neben Fäsekow, waren auch Straßen in Tribsees, Eixen oder in Hugoldsdorf für eine Alleenbepflanzung vorgesehen.

Der Aussage, dass die Arbeit im Landkreis einfach zu schleppend lief, widersprach gestern keiner. Auch nicht Minister Backhaus, der allerdings bemüht war, Landrat Drescher in Schutz zu nehmen, weil er längere Zeit krank gewesen sei. Schade war, dass niemand vom Landkreis anwesend war, um sofort Stellung zu beziehen. Denn die Deyelsdorfer Gemeindevertreter hatten sich bereits im Herbst 2016 mit einem offenen Brief nach Stralsund gewandt, in dem sie sich ihren Frust sozusagen von der Seele geschrieben hatten.

Ob und wie es nun mit den Pflanzaktionen im Amt und im Kreis weitergeht, ist völlig offen. Nach Aussage von Corinna Cwielag, der Landesgeschäftsführerin des BUND, die gestern ebenfalls aus Schwerin nach Fäsekow gekommen war, besteht offenbar nur noch für eine Straße in Hugoldsdorf bei Tribsees Hoffnung, hier auch eine Allee anzulegen. Viele andere Projekte, ob nun im benachbarten Tribsees oder in Eixen, würden wohl vom Tisch sein, meinte sie.

Gemeindevertreter Jörg Ludwig ließ aber auch Umweltminister Backhaus nicht ungeschoren, wenngleich der betonte, dass die Antragsbearbeitung in seinem Haus schnell erledigt worden sei. Es reiche eben nicht nur, neue Alleen anzupflanzen, erklärte Ludwig, viel mehr müssten vorhandene auch gepflegt werden. Diese Forderung vertritt auch Cwielag vom BUND, der bereits gestern Handbücher für die Pflege von Bäumen verteilte. Backhaus entgegnete, dass in den letzten Jahren 14 Millionen Euro aus dem Alleenfonds abgerufen wurden. Davon auch Geld für Pflege. Aktuell seien in dem Fördertopf aber noch zwei Millionen Euro vorhanden. Und der Fonds speise sich weiter, berichtete Backhaus. Denn wegen nicht erfolgter Nachpflanzungen an vielen Bundes- und Landesstraßen seien nicht geringe Strafen an die zuständigen Ämter verhängt worden.

Sandra Boy, seit September neue Bürgermeisterin in Deyelsdorf, nutzte die Gelegenheit ebenfalls, den Regierungsvertreter darauf hinzuweisen, dass er sich für eine bessere finanzielle Ausstattung der Kommunen einsetzen möge. Wie vielerorts habe auch Deyelsdorf große Probleme, seine Pflichtaufgaben zu erfüllen. Dringend brauche das 500 Einwohner zählende Dorf zum Beispiel einen Traktor, damit der Gemeindearbeiter in der Lage ist, die vielen gemeindlichen Anlagen zu pflegen.

Was die 75 Spitz- und zehn Feldahörner betrifft, kann er allerdings auf die jüngsten Fäsekower bauen. Die Mädchen und Jungen der Kita „Zwergenland“ besangen die neue Allee gestern nicht nur, sie erklärten sich auch bereit, zwei der Bäume in persönliche Pflege zu nehmen.

In MV gibt es aktuell fast 5000 Kilometer Alleen

85 Bäume wurden gestern in Fäsekow gepflanzt.22 000 Euro hat das Umweltministerium für diese Aktion bezahlt. Das ist wenig, weil eigentlich über 1000 Bäume gepflanzt werden sollten.

Der Alleenfonds des Landes, aus dem die Mittel stammen, weist aktuell zwei Millionen Euro auf. Diverse Strafzahlungen würden ihn weiter speisen, berichtete Minister Backhaus.

Mecklenburg-Vorpommern hat die Pflege seine Alleen sogar in die Landesverfassung geschrieben. Backhaus verwies darauf, dass die zwischen 1840 und 1860 angelegten Baumreihen ein Markenzeichen des Landes seien.

4374 Kilometer Alleen gab es 1990 in MV. Bis 2016 kamen noch weitere 570 Kilometer dazu.

58 Prozent davon befinden sich an Kreis- und Gemeindestraßen sowie ländlichen Wegen, weshalb Gemeinden und private Eigentümer eine hohe Verantwortung tragen.

Reinhard Amler

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