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Kauziges aus Kirch-Baggendorf

Elmenhorst Kauziges aus Kirch-Baggendorf

Familie Uecker päppelt einen Mini-Waldkauz auf

Elmenhorst. Hunger! Gib schon her! Ungeduldig pickt der grau-braune Flauschball in Christiane Ueckers Daumen. Es dauert ihm einfach zu lange, bis sie ihm das Stück Hähnchenfleisch endlich vor den winzigen gebogenen, aber doch schon recht spitzen und scharfen Schnabel hält.

„Dieser kleine Waldkauz wurde mir heute morgen gebracht“, erzählt die 59-Jährige, während sie ihm Bröckchen für Bröckchen reicht. Der kleine Kerl scheint es zu genießen – endlich hat er es wieder warm und sein Hunger wird auch gestillt.

Gefunden wurde der kleine Waldkauz in Bassin, wo er aus seinem Nest gefallen war und hilflos auf dem Scheunenboden hockte. Da weder der Vogelpark Marlow noch der Stralsunder Zoo den Findling aufnehmen konnten, bekam Christiane Uecker den Hilferuf. Die tierliebe Frau, die sonst vor allem Igel aufpäppelt, sagte natürlich nicht nein. „Auch wenn ich mich erst einmal informieren musste, was ich mit dem kleinen Kerl machen muss. Über die Pflege und Aufzucht von Waldkäuzen weiß ich nämlich nicht wirklich viel“, gibt sie zu.

Hilfe fand sie bei der Wildtierexpertin Heidi French aus Rostock, die ihr per Telefon Kurzanweisungen gab. Hähnchenfleisch sollte sie dem Käuzchen geben. „Da bin ich erst mal in den Netto nach Tribsees gefahren und hab frische Hähnchenbrust gekauft“, erzählt Christiane Uecker. In der Zwischenzeit nahm sich ihr Mann Bernd des kleinen Eulenvogels an. Der Tierarzt untersuchte die Flaumkugel.

„Er ist in Ordnung, hat kräftige Beinchen, ist kerngesund“, so sein fachmännisches Urteil. Nur kalt sei ihm gewesen, aber eine Kuscheleinheit in einem warmen Zimmer später und war er schon wieder recht mobil.

Jetzt heißt es für Christiane Uecker, den kleinen Kerl alle zwei Stunden mit Fleischbröckchen zu füttern. Die 59-Jährige ist jedenfalls ganz vernarrt in ihr neues Findelkind. Kein Wunder bei diesen Knopfaugen, dem unglaublich flauschigen Federkleid und den leisen gurrenden und erstaunlich melodiösen Gurrtönen, die der kleine Kauz hören lässt, wenn sie ihn in die Hand nimmt und ihm liebevoll über die grau-braunen Federn streicht.

Als Behausung hat sie dem kleinen Kerl einen ausgepolsterten Katzenkorb aus Weide hergerichtet, in dem er sich wie in seiner Nisthöhle fühlen kann. Damit er lernt, wie man auf Ästen sitzt ohne herunter zu fallen, hat ihm Christiane Uecker noch einige Wurzeln hingestellt. Doch bei aller Begeisterung für den grau-braunen Flaumball hofft sie, dass es für ihn entweder in der Rostocker Wildtierstation oder bei einem Falkner einen Platz gibt. Denn in zwei Wochen wollen Ueckers in den wohlverdienten Urlaub fahren. „Ich würde ihn danach auch wieder zu mir holen, aber für die Zeit brauche ich definitiv jemanden, der sich um ihn kümmert“, so Christiane Uecker.

Und vielleicht bleibt er ja auch nicht der einzige Gast: In Bassin wurden nämlich zwei Jungvögel beobachtet, einer aber wurde noch nicht gefunden. „Es kann also durchaus sein, dass sein Geschwisterchen auch noch zu uns in Pflege kommt“, sagt Christiane Uecker.

Claudia Noatnick

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