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„Madonna“ sehnt sich nach einer Familie

Dorf Mecklenburg „Madonna“ sehnt sich nach einer Familie

Schäferhündin lebt seit vier Jahren im Tierheim / Früherer Besitzer war gewalttätig

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Zwei, die sich verstehen: Jürgen Hunold geht mit „Madonna“ gern spazieren.

Quelle: Foto: Carolin Riemer

Dorf Mecklenburg. Die Augen sind nicht nur bei Menschen der Spiegel der Seele. Denn wer „Madonnas“ traurigen Blick sieht, ahnt, dass die Schäferhündin viele Schicksalsschläge verkraften musste. Seit vier Jahren lebt die zehn Jahre alte Hündin im Tierheim Dorf Mecklenburg und sucht ein neues Zuhause. Eine lange Zeit für ein kurzes Hundeleben.

Das Ordnungsamt nahm dem früheren Besitzer „Madonna“ weg. Der Mann war gewalttätig, trank zu viel Alkohol. Und er hetzte die Schäferhündin immer wieder auf andere Hunde. Er gelobte Besserung. Doch dann kam der nächste Rausch und das Hetzen ging weiter. Zu ihrem früheren Besitzer darf „Madonna“ nie wieder, das legte das Amt fest. Glück für die hübsche Hündin, denn im Tierheim fand sie zum ersten Mal in ihrem Leben Menschen, die es wirklich gut mit ihr meinen.

„Wir haben viel trainiert, sie hat eine Hundeschule besucht und ist mittlerweile viel ruhiger geworden“, sagt die ehrenamtliche Tierheimleiterin Doreen Kuhn (47). Trotzdem sollten die neuen Besitzer Erfahrung mit großen Hunden haben, denn ihre Abneigung gegenüber anderen Vierbeinern legte „Madonna“ aufgrund ihrer Erfahrungen nicht ab. Zu Menschen sei sie hingegen immer sehr lieb gewesen, berichtet Doreen Kuhn.

Als sich dann ein Interessent um sie bemühte und ihr ein neues Heim schenkte, schien Madonnas Leben endlich schön zu werden. Doch das Schicksal meinte es nicht gut mit ihr. Sie erkrankte an Krebs.

Daraufhin brachte der neue Besitzer „Madonna“ zurück ins Tierheim und nahm an ihrer Stelle einen gesunden Hund mit zu sich nach Hause. Die Hündin blieb wieder einmal allein im Zwinger des Tierheims zurück.

Nach erfolgreichen Operationen ist sie nun wieder vollkommen gesund, fit und muss keine Medikamente mehr nehmen. „Aber sie hat Sehnsucht nach einer Familie, nach Menschen, die mit ihr Ball spielen und schwimmen gehen“, weiß die Tierheimleiterin. Das mag „Madonna“ nämlich sehr gern: Ball spielen. Für die Ehrenamtlerin ist es ein Herzenswunsch, dass die Hündin eine Pflegestelle in einer Familie findet. Tierarztkosten würden dann nach Absprache vom Tierschutzverein bezahlt werden. Dafür bleibt „Madonna“ zwar auf dem Papier im Besitz des Vereins, aber sie lebt wie ein eigener Hund in der neuen Familie.

Dreimal in der Woche bekommt die Schäferhündin Besuch von Jürgen Hunold. Der 74-Jährige geht dann bis zu drei Stunden mit ihr spazieren. Ganz zu sich nach Hause nehmen kann der Senior sie nicht. „Das traue ich mir in meinem Alter nicht mehr zu“, sagt er. Er hat eine sehr gute Beziehung zu „Madonna“ aufgebaut. „Sie ist kein Schmusehund, sondern eher etwas reserviert. Am wohlsten fühlt sie sich beim Spielen, und Hektik mag sie gar nicht“, beschreibt er. Jürgen Hunold kann sie verstehen: „Nachdem, was sie alles erlebt hat, diesem ganzen Hin und Her, da ist es normal, dass sie eine Zeit lang braucht, um wieder Vertrauen zu einem Menschen aufzubauen. Das Leben hat es ja nicht wirklich gut mit ihr gemeint.“ Am besten wäre ein neues Heim mit erfahrenen, ruhigen Menschen, die keine anderen Tiere besitzen. „Madonna“ ist stubenrein. Doreen Kuhn hofft, dass es Menschen gibt, die „Madonna“ im Haus leben lassen würden. „Dann wird sie auch den sehnsüchtigen Blick ablegen. Ich habe selten einen Hund kennengelernt, der so dankbar ist wie unsere traurige Madonna.“

Wer „Madonna“ kennenlernen möchte, sollte das Tierheim kontaktieren: ☎ 0 38 41/ 79 01 79.

Carolin Riemer

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