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Storchenkinder tragen jetzt Ring am Fuß

Niendorf Storchenkinder tragen jetzt Ring am Fuß

An 16 Neststandorten waren Ehrenamtler unterwegs, um den Nachwuchs zu registrieren

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Vierlinge aufzuziehen, das ist schon ungewöhnlich.Hans-Heinrich Zöllick (93) Nestor der Storchenbetreuer in MV

Niendorf. Aufmerksam beobachtet der Storch auf dem Mast in Niendorf (Gemeinde Papendorf) das Treiben unter ihm. Ein Teleskoplader bewegt langsam einen Korb nach oben. Darin steht Storchenfreund Gunnar Gernhöfer aus Sildemow. Als er am Nest ankommt, fliegt der Altstorch davon.

OZ-Bild

An 16 Neststandorten waren Ehrenamtler unterwegs, um den Nachwuchs zu registrieren

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Die drei Jungen im Nest „stellen sich tot“. „Das ist ein Reflex, den sie auch bei Greifvögeln anwenden“, erklärt Stefan Kroll, Storchenbeauftragter im Altkreis Bad Doberan. In 16 Nestern zwischen Volkenshagen und Satow wurden gestern noch nicht flügge Weißstörche beringt. „Wir haben in diesem Jahr 38 Horstpaare“, sagt Kroll, „acht weniger als 2016.“ Aber es gebe in diesem Jahr deutlich mehr Jungvögel, im Schnitt drei pro Nest. „Das Wetter war günstig, viel Niederschlag, ausreichend Nahrung“, erklärt der Experte.

Zwischen 8 und 19 Uhr hat Hans Wolfgang Nehls (81) gestern den Jungstörchen in elf Nestern des Altkreises Bad Doberan, drei Horsten im Bereich Bützow sowie in Breesen (Altkreis Ribnitz-Damgarten) und Rostock-Biestow Ringe angelegt. „Sponsoren der Aktion sind nun schon im neunten Jahr die Kreisbauernverbände Bad Doberan und Bützow“, sagt Kroll.

In Niendorf hebt Gunnar Gernhöfer vorsichtig die flauschigen, etwa fünf Wochen alten Jungstörche aus dem Nest. Mit dem Korb geht es abwärts. „Seit zwei Jahren werden Metallringe verwendet, anstatt der bisher üblichen Elsa-Ringe aus Kunststoff“, erklärt Helmut Stienhans (74), der seit 1970 Störche beobachtet und seit sieben Jahren bei Beringungen assistiert. Das Anbringen der Metallringe sei etwas kniffliger, deshalb würden die Jungen auf den Boden geholt.

Geschickt legt Nehls den Ring um den linken Fuß und schließt ihn in Sekundenschnelle mit der Zange. Die Störche bleiben gelassen. Die Niendorfer sind seit gestern als AB 87, AB 88 und AB 89 registriert in der Beringungszentrale Hiddensee, einer gemeinsamen Einrichtung der ostdeutschen Bundesländer. Nach der kurzen Prozedur werden die Jungen wieder in ihr Nest gebracht, in das auch der Altstorch schnell heimkehrt.

„Gemacht hat der im Nest nix“, berichtet Gernhöfer, der sich 2016 für zwei Nisthilfen in Sildemow eingesetzt hat. Dort hat nach 40 Jahren Storchenabstinenz im Dorf auch ein Rotstrumpf die fertige Nisthilfe bezogen. Nun vermutet Gernhöfer, dass sich der Sildemower Storch in Niendorf ins gemachte Nest des Vorgängers gesetzt hat. „Es gibt eben auch einfach faule Störche“, reagiert Kroll.

Gleich fünfmal wurden gestern vier Junge im Nest entdeckt (Lieblingshof, Schwaan, Selow, Berendshagen, Groß Belitz). „Vierlinge sind schon ungewöhnlich“, sagt Hans-Heinrich Zöllick, der Nestor unter den Storchenbetreuern in Mecklenburg-Vorpommern. Der 93-Jährige ist zuständig für den Altkreis Ribnitz-Damgarten, wollte aber bei der gestrigen Aktion keinesfalls fehlen. Der Storchenvater hatte sich zwar kurz „verflogen“, landete im falschen Niendorf bei Schwaan, war aber schnell wieder on Tour. „Jetzt am Sonnabend beginnt die Beringung in meinem Bereich“, kündigt Zöllick an.

Einige Storcheneltern haben ihre Küken aus dem Nest geworfen, so in Bentwisch, Volkenshagen, und Hohen Schwarfs. In Breesen sind von sechs Jungstörchen vier abgeworfen worden. „Das passiert, wenn nicht genug Nahrung für alle im Umfeld zu finden ist“, erläutert Beauftragter Kroll. In diesem Alter hätte der Nachwuchs schon größeren Hunger. Regenwürmer, Schnecken oder Großinsekten reichten nicht mehr, nun stünden Mäuse, Frösche, Blindschleichen auf der Speisekarte.

Familienerweiterung gab es gestern auch. In Grammow wurde ein Küken als Gefährte für das dortige Einzelkind eingehorstet. Der kleine Rotfuß war mit zwei Wochen in Niekrenz aus dem Nest gefallen und wurde im Rostocker Zoo aufgepäppelt. Dort haben ihn Anke Hornburg und Tom Sandhof aus Bad Doberan abgeholt und in sein neues Zuhause gebracht. Eine Adoption habe bisher immer geklappt, berichten die Kenner. So habe der Jungstorch die Chance, natürlich aufzuwachsen. Die Beringung wird in 14 Tagen fortgesetzt.

Nächste Aktion am 24. Juni

38 Storchenpaare haben 2017 im Altkreis Bad Doberan

Nester bezogen, 2016 waren es 46. Ab Mitte Juni werden alljährlich die noch nicht flüggen Jungstörche beringt. Auftakt war gestern im Altkreis Bad Doberan. In 16 Nestern wurden insgesamt 46 Jungstörche beringt, eine zweite Aktion folgt in zwei Wochen.

Am 24. Juni startet die Beringung

im Altkreis Ribnitz-Damgarten, wo auch schon in vier Nestern Vierlinge gesichtet wurden.

Doris Kesselring

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