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Ferienziele: Wie politisch ist der Urlauber?
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Berlin Ferienziele: Wie politisch ist der Urlauber?

Flüchtlingskrise, Terror, ein zunehmend autokratischer Präsident Erdogan in der Türkei: Die Weltpolitik bewegt die Menschen, der Ton ist scharf geworden. Bleibt der Tourismus von all dem unberührt? Sind die Urlauber politischer geworden? Eine Analyse.

Berlin. Es war ein bemerkenswerter Satz: Der ägyptische Tourismusminister Yehia Rashed wurde in einem Interview mit dem Fachmagazin „fvw“ gefragt, ob Nachrichten von drakonischen Strafen gegen Journalisten nicht westliche Urlauber abschrecken würden.

Davon habe er nichts gehört, sagte der Minister und ergänzte: „Tourismus ist ein gesellschaftlicher Vorgang, kein politischer.“ Im Klartext: Politik hat mit Urlaub nichts zu tun - und das soll sie bitte schön auch nicht. Eine These, die seit Jahren wiederholt wird, auch wenn es um das Reiseverhalten der Deutschen geht. Aber stimmt sie noch?

Lange galt, dass vor allem Terroranschläge die Buchungen einbrechen lassen, und zwar zeitlich und regional begrenzt. Natürlich, die Sicherheit ist dem Urlauber wichtig - aber Politik? Da lächelt mancher Touristiker nur müde. Ein Land jedoch stellt derzeit die gängigen Annahmen der Reiseindustrie auf die Probe: die Türkei.

„Vor dem Putsch waren die Leute vor allem wegen Anschlägen besorgt. Das hat sich gewandelt“, sagt Reisebüroinhaber Ralf Hieke, der beim Deutschen Reiseverband (DRV) die mittelständischen Büros vertritt und die Sorgen der Urlauber kennt. „Im Moment sehen wir verstärkt, dass die Bedenken unserer Kunden sich immer häufiger auf die innenpolitische Situation in der Türkei beziehen.“ Viele sagen: Das möchte ich nicht unterstützen. „Solche Sätze hört man relativ häufig.“ Das gelte auch für die Klientel der reinen Sonne-und-Strand-Urlauber, die stets als unpolitisch gilt.

Der Rückgang der Gästezahlen in der Türkei habe „sicherlich auch politische Gründe“, erklärte kürzlich Ralph Schiller, Manager beim Münchner Reiseveranstalter FTI. „Was Erdogan teilweise von sich gegeben hat, hat dem einen oder anderen nicht gefallen.“ Im Segment der Kulturreisen ist das Bild noch eindeutiger: „Auch wegen der politischen Lage in der Türkei ist die Nachfrage für das Land derzeit praktisch zum Erliegen gekommen“, sagt Peter-Mario Kubsch, Geschäftsführer des Studienreiseanbieters Studiosus.

Ist der Urlauber also politischer geworden? „Die These stütze ich nicht“, sagt Prof. Martin Lohmann, Leiter des Instituts für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Reisemotivationen der Deutschen und schreibt die derzeitige Abneigung gegenüber der Türkei vor allem der medialen Wahrnehmung zu. „Die ist eher hysterisch als sensibel.“

Wenn es wirklich um Politik ginge, müssten sich die deutschen Urlauber auch über den Iran echauffieren, argumentiert Lohmann. Doch das Land läuft zum Beispiel bei Studiosus außerordentlich gut - was Geschäftsführer Kubsch wiederum auf die politische Öffnung zurückführt. Die Maßstäbe, die man an die Machthaber in Teheran anlegt, sind offenbar andere als an Erdogans Türkei.

„Die Lage in der Türkei ist speziell, weil der Konflikt ja auch hier in Deutschland zu spüren ist“, glaubt DRV-Vertreter Ralf Hieke. Zum Beispiel dass Erdogan in Köln nicht per Liveschalte sprechen durfte, sei ein Riesen-Politikum gewesen. „Bei Fernreisezielen wie Thailand spielen die politischen Verhältnisse für Urlauber kaum eine Rolle.“ Kurzum: Die Nachrichten aus der Türkei erhitzen die Gemüter. Was dort passiert, ist uns nah.

Dass Touristen anders auf Länder schauen als früher, davon ist man bei Studiosus aber überzeugt. Früher hieß es beim Urlaub vor allem: Sommer, Sonne, Strand. „Heute würde ich eher sagen: Sicherheit, Sympathie, Social Media“, sagt Kubsch. Spätestens seit dem Arabischen Frühling sei man auf allen Krisenherden der Welt live dabei, News gingen in Sekunden um die Welt. „Das hat es früher nicht gegeben. Das prägt in sehr starkem Maße den Eindruck von einem Land.“ Das gilt besonders für Ägypten. Das stolze Land am Nil erlebt eine anhaltende Buchungsflaute, gegen die auch Tourismusminister Rashed noch kein Rezept gefunden hat.

dpa

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