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Tsunami-Folge: Tiere reisten auf Plastik-Flößen nach Amerika

7000 Kilometern auf hoher See Tsunami-Folge: Tiere reisten auf Plastik-Flößen nach Amerika

2011 ereignete sich vor der Küste Japans ein schweres Erdbeben, das einen Tsunami zur Folge hatte. Ins Meer gespülte Teile fanden sich noch Jahre später an Stränden der USA - samt darauf reisender Tierarten. Künftig dürfte das ein vielgenutzter Verbreitungsweg sein.

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Abfall an einem Strand in Thailand: Auf Flößen aus Plastikmüll gelangen viele Tierarten in fremde Kontinente.

Quelle: Christoph Sator

Williamstown. Der verheerende Tsunami in Japan schickte 2011 zahllose Lebewesen auf Plastikmüll-Flößen über den Pazifik Richtung Amerika. Noch viele Jahre danach fanden Forscher an den Küsten von Nordamerika und Hawaii immer wieder Trümmerteile mit ursprünglich in Japan beheimateten Tieren und Algen.

Sie kamen lebend in der Neuen Welt an und hatten sich teils sogar unterwegs vermehrt, schreiben die Forscher im Fachblatt „Science“. In Zukunft werden sich demnach vermutlich zunehmend Lebewesen auf diesem Weg verbreiten - weil in den Meeren immer mehr Plastikmüll treibt und weil angesichts des Klimawandels häufigere und stärkere Stürme erwartet werden.

Ein Seebeben vor der Küste Japans hatte im März 2011 einen Tsunami verursacht, der große Teile der Küste verwüstete. Millionen Objekte - von kleinen Plastikteilen bis zu ganzen Schiffen und Teilen von Hafenanlagen - wurden in den Pazifischen Ozean gespült.

Das Team um James Carlton vom Williams College begann 2012 damit, an der Pazifikküste Nordamerikas und den Küsten Hawaiis Bruchstücke und Wrackteile zu untersuchen, die von Japan aus angeschwemmt worden waren. Bis zur US-Küste hatten sie eine Reise von mindestens 7000 Kilometern auf offener See zurückgelegt.

Bis zum Jahr 2017 analysierten die Forscher insgesamt 634 Objekte und die darauf mitgereisten Tierarten. Sie fanden mindestens 289 Arten, die die Reise lebend überstanden hatten - und zwar noch bis zu sechs Jahre nach dem Tsunami. Darunter waren Fische, Muscheln, Schnecken, Würmer, Krebse und Algen. Nicht wenige der reisenden Populationen hatten sich unterwegs vermehrt.

Die Funde belegten, wie widerstandsfähig einige Arten seien, sagt John Chapman, einer der beteiligten Wissenschaftler von der Oregon State University. „Als wir das erste Mal Arten aus Japan sahen, waren wir geschockt. Wir hätten nie gedacht, dass sie so lange leben, unter diesen rauen Bedingungen.“

Ob einige Arten sich in der neuen Heimat bereits dauerhaft angesiedelt haben, ist derzeit noch unklar. „Es würde mich nicht wundern“, sagt Chapman. „Ehrlich gesagt würde es mich überraschen, wenn sie es nicht getan haben.“ Es könne allerdings Jahre oder Jahrzehnte dauern, eine Ansiedlung fremder Arten tatsächlich nachzuweisen.

Die Forscher rechnen damit, dass solche Seereisen auf Plastikteilen in Zukunft häufiger vorkommen. Bis zu zehn Millionen Tonnen Plastikmüll gelangten jährlich in die Weltmeere - und die Menge werde in den kommenden Jahren wohl noch steigen. Das schaffe eine ganz neue Art der Artenverbreitung. Holzbruchstücke aus Japan hingegen fanden die Forscher bei ihren Analysen nur bis zum Jahr 2014, danach ging der Anteil rapide zurück. Holz zersetze sich auf dem Ozean, werde von Schiffswürmern zerstört oder sinke zu Boden.

Der Transport von Organismen auf natürlichen Flößen wie Bäumen oder Seetang habe zur Kolonisierung von Inseln und dem Austausch von Arten zwischen Kontinenten beigetragen, schreibt Steven Chown von der Monash University in Melbourne in einem Kommentar zur Studie. In den vergangenen Jahren seien Plastik-Teile immer bedeutsamer geworden: Sie hätten eine längere Lebensdauer und könnten ihre Fracht deshalb weiter befördern.

dpa

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