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Alltags-Fragmente als farbgewaltige Bildwelten

Anna Mannewitz, Malerin und Grafikerin Alltags-Fragmente als farbgewaltige Bildwelten

Die Rostocker Malerin Anna Mannewitz findet ihre Motive vor der Haustür. Auch Gegenstände des Alltags inspirieren sie zu ihrer Kunst.

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Arbeiten voller intensiver Farbigkeit: Anna Mannewitz mit einer Landschaftsmalerei in ihrem Atelier über den Dächern der Rostocker Innenstadt.

Ihre Motive findet Anna Mannewitz direkt vor ihrem Fenster in luftiger Höhe: Denn die Wohnung, in der sie gemeinsam mit ihrer Mutter, der Künstlerin Mechthild Mannewitz, lebt und arbeitet, liegt in der neunten Etage in der Rostocker Innenstadt. Mit der riesigen Fensterfront, die einen Rundumblick über die Stadt freigibt, mutet sie fast an wie ein Atelier in den Wolken.

Die Marienkirche zu ihren Füßen hat die 53-Jährige in der Abenddämmerung eingefangen, das Rostocker Wahrzeichen unter einem bedrohlich wirkenden Wolkenszenario auf Leinwand gebannt. Es ist die Taube, die vor dem Fenster sitzt und zuweilen in die Küche kommt, oder der Kopf der Mutter, die Mannewitz in Bronze als Skulptur verewigt hat.

„Meine Arbeiten entstehen im Prozess, mal ist es ein Stein, mal eine bestimmte Farbigkeit, oft sind es auch banale Dinge aus dem Alltag, die sich verselbstständigen“, sagt die Künstlerin.Wie beispielsweise ein alter Puppenkopf aus den 20er Jahren oder Models aus alten Modebüchern, die Mannewitz auf der Leinwand lebendig werden lässt und aus einzelnen Fragmenten farbgewaltige Figuren- und Bildwelten entstehen lässt.

Zu ihrem Ouvre, das vorwiegend Gegenständliches aber auch Abstraktes umfasst, gehören Stillleben ebenso wie die mit feinem Pinselstrich kraftvoll und dicht in Szene gesetzte Landschaft. Letztere – so hat es den Anschein, findet ihr Ende oftmals nicht auf der Leinwand, sondern ließe sich auch darüber hinaus weiter fortführen.

Auch Fotos dienen Mannewitz als Inspiration: Nach ihnen fertigt sie Porträts berühmter Persönlichkeiten, wie des Dramatikers Heiner Müller, oder greift politische Inhalte auf. Ihre Arbeit „Bernauer Straße“ zeigt, wie ostdeutsche Bewohner ihre Häuser in den Tagen des Mauerbaus verlassen, um in den Westen zu gelangen. Dabei geht es Mannewitz nicht um einen fotorealistischen Ansatz, sondern um ihren eigenen Weg der künstlerischen Verarbeitung, bei dem sie der Szene Elemente hinzufügt, die auf der Vorlage fehlen: „Ich habe meinen Vater hier eingebaut“, verrät Mannewitz. Im realen Leben, sagt sie nachdenklich, sei es ihr Großvater gewesen, der die DDR kurz vor dem Mauerbau verlassen habe.

Kunstinteressiert sei sie schon immer gewesen. „Ist ja klar, wenn man Eltern hat, die Künstler sind. Das färbt ab“, sagt sie und lacht. Ihren Vater, den Rostocker Maler und Restaurator Lothar Mannewitz, begleitet sie als Jugendliche oft bei Restaurierungen. „Er hat mir auch die Technik des Linolschnittes beigebracht“, erinnert sich Mannewitz. Bis heute arbeitet sie damit.

An dem Arbeitsstil ihrer Mutter hat sich Mannwitz nie bewusst orientiert. Sie geht künstlerisch ihren ganz eigenen Weg. Freundin und Beraterin ist Mechthild Mannewitz trotzdem. „Sie hat immer ein Gefühl dafür, welches Bild in eine Ausstellung passt“, sagt Anna Mannewitz und lacht.

Erst über Umwege findet die Rostockerin den Weg zur Kunst. Nach der Schule macht sie zunächst eine Lehre als Sekretärin. „Aber ich hatte das Gefühl, dass ich mich dabei nicht weiterentwickeln kann“, sagt sie. Von 1989 bis 1994 studiert sie Malerei an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, arbeitet danach als freischaffende Künstlerin in Berlin.

Vor zwei Jahren beginnt sie, skulptural zu arbeiten. „Ich hatte den Wunsch, mich auch in anderem Material auszudrücken“, sagt sie. „Ein Bild bleibt eine eindimensionale Fläche, eine Skulptur ist etwas Fassbares.“ Eine Idee für ein weiteres Projekt hat sie bereits: „Ich könnte mir gut vorstellen, eine lebensgroße Skulptur zu machen. Ein ungefähres Konzept dazu habe ich schon im Kopf.“

Zur Person

Anna Mannewitz wurde 1964 in Rostock geboren. Nach der Schule absolviert sie zunächst eine Ausbildung zur Sekretärin, bevor sie an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ein Studium aufnimmt.

1989 bis 1994 studiert sie Malerei bei Wolfgang Peuker – ein Vertreter der sachlichen Strömung der Leipziger Schule. 1994 erhält sie ihr Diplom und arbeitet danach als freischaffende Künstlerin in Berlin.

Heute arbeitet Anna Mannewitz wieder in Rostock, wo sie mit ihrer Mutter, der Künstlerin Mechthild Mannewitz, lebt. Ihr Vater, Lothar Mannewitz (1930-2004), war ebenfalls Maler und Restaurator.

Stefanie Büssing

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Lebendige Tradition: 40 Künstler stellen ihre Werke für die 25. Kunstbörse der OSTSEE-ZEITUNG zur Verfügung.

Teilnahmebedingungen

VERNISSAGE am Montag, 11. September, um 18 Uhr im Kreuzgang der Hochschule für Musik und Theater (HMT) in Rostock, Beim Katharinenstift 8.

VERSTEIGERUNG aller präsentierten Arbeiten in der HMT am Sonnabend, 7. Oktober, um 20 Uhr. Einlass ist ab 19 Uhr.

TICKETS für die Kunstbörse in allen Servicecentern der OSTSEE-ZEITUNG und über 0381/38 30 30 17. SCHRIFTLICHE GEBOTE bitte mit Adresse und Telefonnummer bis 5. Oktober an die OZKulturredaktion, Richard-Wagner- Straße 1a, 18055 Rostock.

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