Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 1 ° bedeckt

Navigation:
Bilder als Gleichnisse des Lebens

Dietrich Becker, Maler und Grafiker Bilder als Gleichnisse des Lebens

Der in Bastorf bei Kühlungsborn lebende Maler Dietrich Becker (75) wirft mit seinen komplexen Bildwelten einen Blick hinter die Dinge.

Voriger Artikel
OZ-Kunstbörse: Heute fällt der Hammer
Nächster Artikel
OZ-Kunstbörse: 52 Arbeiten kommen unter den Hammer

Ort der Kreativität: Dietrich Becker in seinem Wohn- und Atelierhaus in Bastorf bei Kühlungsborn.

Seine künstlerische Ader hat Dietrich Becker schon mit zwölf Jahren entdeckt: „Mein Vater hat mir einen Kasten mit Pastellkreiden gekauft, und ich habe angefangen, damit Dinge nachzumalen“, erinnert sich der 75-Jährige. Seitdem ist viel Zeit vergangen. Becker hat nicht nur das Malen zu seinem Beruf gemacht, sondern auch ein umfassendes Werk geschaffen. Vor allem aber hat er sich über all die Jahre seine Begeisterung für das Malen erhalten.

Es ist die unmittelbare Umgebung, die Dietrich Becker inspiriert. „Die Menschen in meiner Nähe, das Haus, der Garten oder vertraute Landschaften“, sagt der Maler, der seit 1992 in Bastorf bei Kühlungsborn in einer alten Büdnerei lebt, die er liebevoll ausgebaut hat. „Manchmal schaue ich einfach aus dem Fenster und zeichne oder male das, was ich sehe.“ Familie, Enkelkinder, den Garten, aber auch die Umgebung seiner Kindheit, die Menschen aus seinem Dorf sowie Eindrücke, die Becker auf Reisen sammelte, hat er eingefangen und in Ölbildern, Zeichnungen, Gouachen, Aquarellen, Pastellen oder Mischtechnik verarbeitet. Die Motive für seine jüngsten Werke brachte der Künstler von einer Norwegenreise mit: Mit flinken Strichen hat er Häuser und raue Landschaften skizziert, aus denen im Atelier Variationen entstehen. „Ein Tagebuch in Bildern“, nennt es Becker, der oft über Jahre an einem Thema arbeitet.

Es ist eine realistische Sichtweise, die er in seine komprimierten Bildwelten überträgt. Seine Werke gehen jedoch weit über die reine Abbildung hinaus. „Für mich geht es darum, die Dinge in eine Bildordnung zu bringen, sie zu vereinfachen und zu Bildzeichen zu reduzieren, so dass sie etwas über unsere Welt aussagen“, sagt Becker.

Seine Bilder, für den Künstler sind sie als Gleichnisse zum Leben zu verstehen, denen immer auch etwas Symbolhaftes anhaftet. Der knorrige Baum vor seinem Atelierfenster, für Becker wird er zum Symbol für Leben und Wachstum. Die Vier Jahreszeiten, vom Aufblühen der ersten Blumen im Frühling bis zum Absterben im Winter stehen stellvertretend für Leben und Tod. „Es ging mir nie um Ideologie sondern immer um den Menschen und die Natur. Das ist bis heute so geblieben“, sagt Becker. Neben dem Pinsel ist sein wichtigstes Werkzeug seine Auffassungsgabe: „Scharf beobachten heißt für mich, hinter die Dinge zu schauen“, sagt Becker. „Jede Haltung und Geste meiner Figuren ist immer auch eine Aussage über den Menschen an sich.“

Rund 3000 Ölbilder gehören zu seinem Werk. „Die Zeichnungen habe ich noch nicht gezählt, aber es sind sehr viele“, sagt Becker. Er verwahrt sie in acht Zeichenschränken, die alle prall gefüllt sind.

Zum Malen angeregt habe ihn sein Vater, der selbst gelegentlich zeichnete und Becker auch die Augen für die Schönheit der Natur öffnete. Ihm zuliebe machte der damals 19-Jährige zunächst ein Landwirtschaftsstudium an der Universität Rostock und besuchte einen Mal- und Zeichenzirkel. Später suchte er in Rostock ansässige Maler und Bildhauer bei ihrer Arbeit im Atelier auf und entwickelte sich autodidaktisch weiter – unter anderem beeinflusst vom Im- und Expressionismus und der klassischen Moderne. Geprägt wurde Becker auch vom Usedomer Maler Otto-Niemeyer-Holstein (1896-1984) der Beckers erste Zeichnungen beurteilte, und ihn stets ermutigte, weiterzuarbeiten sowie von der Rostocker Malerin Kate Diehn-Bitt (1900-1978). „Das waren für mich zwei der wichtigsten Lehrer“, erinnert sich Becker. Ans Aufhören denkt der 75-Jährige noch lange nicht: „Es macht mir Spaß zu arbeiten und zu erkennen, dass alles in Bewegung ist. Das ist auch heute noch mein Antrieb.“

Zur Person

Dietrich Becker wurde 1940 in Cammin in Pommern geboren und flüchtete nach dem Zweiten Weltkrieg mit seinen Eltern nach Seckeritz im Kreis Wolgast. Dort legte er 1959 das Abitur ab. Er absolvierte ein Landwirtschaftsstudium an der Universität Rostock und besuchte dort den Mal- und Zeichenzirkel.

1969 wurde er in den Verband Bildender Künstler der DDR aufgenommen. Seit 1966 ist Becker als freischaffender Maler und Grafiker tätig, zuerst in einem Fischerhaus im Kreis Wolgast, danach in Kühlungsborn. Seit 1992 lebt und arbeitet er in seinem Wohn- und Atelierhaus in Bastorf bei Kühlungsborn.

Stefanie Büssing

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Rostock
Sie gehört wie die bunten Blätter zum Herbst – die OZ-Kunstbörse. Julia Brandt (27) studiert Kunst und Englisch auf Grundschul-Lehramt in Rostock und freut sich schon auf die Veranstaltung in der HMT.

Zum 24. Mal lädt die Ostsee-Zeitung zur Kunstbörse in Rostock ein - Termin ist der 19. November.

mehr
Mehr aus Kunstbörse
A B C D E F G H I J K L M
N O P Q R S T U V W X Y Z

Hier können Sie sich die Beilage zur Kunstbörse  herunterladen. mehr

OZ-Kunstbörse: 52 Arbeiten kommen unter den Hammer

Diese 52 Werke kommen bei der OZ-Kunstbörse unter den Hammer.

Teilnahmebedingungen

Die Versteigerung aller präsentierten Arbeiten in der HMT (Beim Katharinenstift 8) ist am 19. November ab 20 Uhr (Einlass 19 Uhr).

Tickets gibt es in allen Servicecentern der Ostsee-Zeitung und telefonisch unter 0381/38 30 30 17.

Schriftliche Gebote (bitte mit Adresse und Telefonnummer) bis zum 17. November an die OZ-Kulturredaktion, Richard-Wagner-Straße 1a, 18055 Rostock.

Hier findet die Auktion statt