Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 3 ° stark bewölkt

Navigation:
„Das Bild fängt an, wo die Sprache aufhört“

Johanna Nikulski-Dirks, Malerin „Das Bild fängt an, wo die Sprache aufhört“

Bei der Greifswalder Malerin Johanna Nikulski-Dirks (48) befruchten sich Literatur und Kunst gegenseitig, wie sich in ihren Arbeiten zeigt.

Voriger Artikel
OZ-Kunstbörse: Heute fällt der Hammer
Nächster Artikel
OZ-Kunstbörse: 52 Arbeiten kommen unter den Hammer

Experimentiert mit Farbe, Form und Bildgrenzen: Die Malerin Johanna Nikulski-Dirks in ihren Wohn- und Arbeitsräumen in Greifswald.

Das Bild fängt an, wo die Sprache aufhört“, sagt Johanna Nikulski-Dirks. Treffender ließe sich auch ihr eigener Werdegang nicht auf den Punkt bringen – denn über die Literatur kam die Greifswalderin letztlich zur Malerei.

Dass die 48-Jährige irgendwann nicht nur mit Texten und Lyrik sondern auch mit Farbe und Form experimentiert, hätte sie selbst nicht erwartet: Mit 18 absolviert sie zunächst eine Ausbildung zur Zahntechnikerin. „Es war auch eine gestaltende Tätigkeit, nur eben mit medizinischem Hintergrund“, sagt sie rückblickend. Knapp 20 Jahre arbeitet sie in diesem Beruf, bevor sie 2009 umsattelt und an der Universität Greifswald Kunst, Germanistik und Malerei sowie Literaturwissenschaften im Nebenfach studiert. „Ich habe schon immer gelesen und mich mit Kunst und Literatur beschäftig. Letztlich bin ich einfach meinen Neigungen gefolgt“, sagt Nikulski-Dirks. „Dazu gehörte natürlich schon eine Portion Mut“, meint sie mit einem Lächeln.

Schon vor dem Studium habe sie Texte geschrieben und in Literaturzeitschriften veröffentlicht. „Während des Studiums hat sich das Künstlerische dann einfach stärker weiterentwickelt“, erinnert sich die Malerin. Trotzdem befruchte sich beides gegenseitig. „Meine Texte haben sich mit der Zeit immer mehr reduziert, da war es nur logisch, zum Bild zu kommen“, sagt sie. Aber: Die Lyrik, das Spiel mit der Sprache findet sich in fast allen ihren Bildern wieder, im Experimentieren mit Farbe, Form und Bildgrenzen. Das theoretische Fundament ihres Literaturstudiums nutzt Nikulski-Dirks, indem sie beispielsweise den Zeitbegriff des Philosophen Aristoteles malerisch auslotet, im Zusammenspiel von Farbe und Form das „Danach“, das „Davor“ und das „Jetzt“ visualisiert. Mit ihren oft in Blau gehaltenen Werken folgt sie einer Ästhetik des Dunklen, die immer wieder durch Kontraste gebrochen wird. „Blau war schon immer meine Lieblingsfarbe und die Vorstellung von Zeitlichkeit ist für mich untrennbar mit ihr verbunden“, sagt die Künstlerin, die den Zeitbegriff in diversen Arbeiten wieder aufgreift.

Die Bilder von Nikulski-Dirks sind oft eine Symbiose aus Ratio und innerer Stimme: „Malen ist viel Denkarbeit, die Bildkomposition und der Eigenwert der Farbe spielen eine große Rolle“, erklärt sie.

„Über Gestus und Farbe fließen natürlich auch meine Empfindungen in die Bilder ein. Letztlich ist es aber viel Kopfarbeit, ein Bild weiterzuentwickeln.“ Als Erzählerin im Bild sieht sich Nikulski-Dirks dennoch nicht. Ihre Werke lassen einen großen Deutungsspielraum zu und erfordern ein bedingungsloses Einlassen auf Fläche, Farbe und Form. Und doch finden sich unter ihren Werken auch figürliche, wie ihre „Brautserie“, inspiriert von einer Hochzeitsgesellschaft, der Nikulski-Dirks in einer Tiefgarage begegnete.

Neben Philosophie oder zeitgenössischer Literatur sind es reale Begegnungen oder Erlebnisse, die Nikulski-Dirks inspirieren. „Es kann die Intensität der Farben sein, wenn man über Land fährt, die Lust darauf macht, weiterzuarbeiten“, verrät sie. Auch an Porträts hat sich die umtriebige Künstlerin bereits abgearbeitet. Ebenso vielfältig ist auch ihre Technik: Acryl, Tusche oder Ölkreide auf Papier, Leinwand oder Malplatten. „Das Malen ist immer ein langer Prozess, mit Schichtungen und Übermalungen. Das gilt selbst für das Übertragen von kleineren auf größere Formate“, sagt sie.

Letzteres – neben Video und Fotografie ein weiteres Feld der Künstlerin.

„Letztlich ist es die Bewältigung des allgegenwärtigen Chaos, die mich täglich fasziniert, im Leben wie in der Kunst“, sagt Nikulski-Dirks. Dabei geholfen habe ihr auch ihre handwerkliche Ausbildung.

„Dadurch habe ich gelernt, mich und das Arbeiten besser zu strukturieren und das wirkt sich nun auch auf meine Kunst aus.“

Zur Person

Johanna Nikulski-Dirks wurde 1968 in Ribnitz-Damgarten geboren und wuchs in Dresden auf. Sie absolvierte 1986 eine Ausbildung zur Zahntechnikerin, ab 2009 studierte sie an der Uni Greifswald Kunst, Germanistik und Malerei. Sie ist Mitglied im Künstlerbund MV und in der Künstlergruppe Art-cube e.V.

Die Arbeiten der Künstlerin wurden u. a. in Greifswald in der Galerie STP und der Neuen Greifengalerie, in Schwerin im Schleswig-Holstein-Haus, in Rostock in der Galerie Amberg, in der Kirche in Woosten sowie beim Foto-Festival in Zingst gezeigt. Sie ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt in Greifswald.

Stefanie Büssing

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Rainer Dörner, Maler, Grafiker und Bildhauer

Rainer Dörner (79) ist als Grafiker, Maler und Bildhauer aktiv. In seinen umfangreichen Werk verbinden sich Leidenschaft und Lebenslust.

mehr
Mehr aus Kunstbörse
A B C D E F G H I J K L M
N O P Q R S T U V W X Y Z

Hier können Sie sich die Beilage zur Kunstbörse  herunterladen. mehr

OZ-Kunstbörse: 52 Arbeiten kommen unter den Hammer

Diese 52 Werke kommen bei der OZ-Kunstbörse unter den Hammer.

Teilnahmebedingungen

Die Versteigerung aller präsentierten Arbeiten in der HMT (Beim Katharinenstift 8) ist am 19. November ab 20 Uhr (Einlass 19 Uhr).

Tickets gibt es in allen Servicecentern der Ostsee-Zeitung und telefonisch unter 0381/38 30 30 17.

Schriftliche Gebote (bitte mit Adresse und Telefonnummer) bis zum 17. November an die OZ-Kulturredaktion, Richard-Wagner-Straße 1a, 18055 Rostock.

Hier findet die Auktion statt