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Der Stoff, aus dem die Zeichnungen sind

Juliane Laitzsch, Grafikerin Der Stoff, aus dem die Zeichnungen sind

Die Grafikerin Juliane Laitzsch aus Carlow zeichnet nicht nur, sie bedient sich auch ungewöhnlicher Themen und Techniken.

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Juliane Laitzsch in ihrem Atelier im mecklenburgischen Carlow.

Quelle: Thomas Häntzschel

Es ist eine sehr idyllische Gegend, die sich die Künstlerin ausgesucht hat. Von Berlin aus, wo die Künstlerin lange lebte, führte ihr Weg ins mecklenburgische Carlow. Das beschauliche Dorf liegt zwischen Grevesmühlen und Lübeck, abseits der Schnellstraßen. Dort beherbergt ein altes Backsteinhaus die Wohn- und Arbeitsräume der Künstlerin. Aus dem Arbeitszimmer von Juliane Laitzsch geht der Blick auf eine sanft geschwungene Landschaft. Hier findet sie Ruhe zum Arbeiten.

Diese Abgeschiedenheit ist es, die die Künstlerin für ihre akribisch ausgeführte Arbeiten benötigt. Die oft sehr kleinteilig gestalteten Zeichnungen verlangen manchmal einen „mäandernden Arbeitsprozess“, wie die Künstlerin das nennt. Das Zeichnen wird so auch eine meditative Angelegenheit. Das braucht eben seine Ruhe und seine Zeit.

Ein größeres zeichnerisches Forschungsprojekt hat es Juliane Laitzsch besonders angetan. Der Titel dieses Werkes: „Unendlichkeit in kleinen Fetzen“. Was die „Fetzen“ anbelangt: Es handelt sich um das Ornat des heiligen Valerius von Saragossa. Gefertigt wurden die vier Gewänder im 13. Jahrhundert. Doch Teile dieses Ornats wurden über die ganze Welt verstreut, als vor rund 100 Jahren mehr als 200 Fragmente von dem Gewand abgetrennt wurden. Teile davon sind Grundlage und auch Vorlage für die weitere Arbeit von Juliane Laitzsch, die die kleinen „Fetzen“ des heiligen Stoffes zum Gegenstand ihrer grafischen Arbeiten machte. So sind die „Fetzen“ in ihrer Farbigkeit und ihrer Struktur zu eigenständigen Kunstwerken geworden.

Ganz ähnlich verhält es sich mit den ägyptischen Stoffen, die im Magdeburger Kulturhistorischen Museum lagern. Diese Ausgrabungsstücke wurden 1889 von diesem Museum angekauft. Es sind 63 dieser spätantiken Stofffragmente aus dem Textilbestand des Magdeburger Museums, die die Vorlage für weitere Kunstwerke bilden. Fotos von Ausgrabungssituationen, die im Jahr 1913 aufgenommen wurden, hat Juliane Laitzsch mit einem Bleistiftraster überzogen und so in eine neue grafische Verarbeitung überführt. Die jeweiligen Vorlagen der antiken Stoffe geben die Struktur des späteren Kunstwerks vor, der Titel in diesem Fall: „Vor und zurück“ / „Back and Forth“.

Dieses sehr zeichenintensive Spiel dem grafischen Eindringen in die Wirklichkeit hat die Künstlerin auch in einem anderem Fall angewandt. Es ist eine simple Inventarisierungskarte, die der Historiker Heinz Arno Knorr (1909-1996) entwickelt hatte, die in der Wissenschaft inzwischen als Standard gilt. Juliane Laitzsch hat diese Karte grafisch in einem größeren Format nachgestaltet.Auf diese Weise ist ein bürokratisches Formular zu einem Kunstwerk erhoben worden – eine ungewöhnliche und originelle Idee. Juliane Laitzsch wurde 1964 in Nürnberg geboren und ist im Ruhrgebiet aufgewachsen. IhrLebenswegführte über die Stationen Bayern, Bremen und Berlin nun nach Mecklenburg-Vorpommern. Sie hat an der Universität der Künste in Berlin Bildhauerei mit Schwerpunkt Zeichnung studiert. Zahlreiche Ausstellungen haben Juliane Laitzsch längst im Kunstbetrieb bekannt gemacht. Weiterhin ist die Künstlerin bestens vernetzt, was auch an ihrer originellen künstlerischen Handschrift liegt. Heute, so sagt die Künstlerin, fühlt sie sich im Mecklenburgischen wohl. Das liegt auch an ihrem Wohnort. „Hier in Carlow gibt es noch eine funktionierende Dorfstruktur“, sagt Juliane Laitzsch, „mit Kirche, Kneipe undEdeka.“Auchfür ein neues und ausgleichendes Hobby ergab sich in Carlow eine Gelegenheit. „Mein Nachbar hat Pferde, ich kann hier reiten“, sagt Juliane Laitzsch. Ein guter Ausgleich zur akribischen Arbeit, die ihre Kunst verlangt.

Thorsten Czarkowski

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Lebendige Tradition: 40 Künstler stellen ihre Werke für die 25. Kunstbörse der OSTSEE-ZEITUNG zur Verfügung.

Teilnahmebedingungen

VERNISSAGE am Montag, 11. September, um 18 Uhr im Kreuzgang der Hochschule für Musik und Theater (HMT) in Rostock, Beim Katharinenstift 8.

VERSTEIGERUNG aller präsentierten Arbeiten in der HMT am Sonnabend, 7. Oktober, um 20 Uhr. Einlass ist ab 19 Uhr.

TICKETS für die Kunstbörse in allen Servicecentern der OSTSEE-ZEITUNG und über 0381/38 30 30 17. SCHRIFTLICHE GEBOTE bitte mit Adresse und Telefonnummer bis 5. Oktober an die OZKulturredaktion, Richard-Wagner- Straße 1a, 18055 Rostock.

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