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Die Lady mit den pinken Strohballen

Daniela Friederike Lüers, Malerin Die Lady mit den pinken Strohballen

Die Malerin Daniela Friederike Lüers aus Varchentin spielt mit der Landschaft, den Epochen und Stilen.

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Daniela Friederike Lüers in ihrem Atelier in Varchentin zwischen ihren Pferden, Hirschen und
klassischen Madonnenmotiven.

Quelle: Thomas Häntzschel

Eine Holzbank steht auf einer idyllischen Anhöhe hinter der Mühle, die Daniela Friederike Lüers zwischen Waren an der Müritz und Malchin bewohnt. Von hier aus hat man einen herrlichen Blick auf den Varchentiner See und das Schloss mit Lenépark. Sitzt man hier mit der Malerin, die aus dem Rheinland stammt, in Mainz studiert hat, sich die Provinz der Mecklenburgischen Seenplatte als Heimat gewählt hat und sich selbst als Europäerin sieht, ist man gedanklich und im Gespräch schnell bei der großen Landschaftsmalerei der Romantik von Caspar David Friedrich bis hin zu den Freilichtmalern der Künstlerkolonien.

OSTSEE-ZEITUNG

Daniela Friederike Lüers ist kreativ in der Landschaft zu Hause und ruht künstlerisch sehr in sich. Das sieht man der unaufgeregten Bildsprache an, das spürt man im entspannten Diskurs über ihre Kunst und ihr Leben. Beides hängt eng zusammen. Da hat jemand den aufgeregten Kunstbetrieb mit all seinen urbanen Hektikattitüden weit hinter sich gelassen. „Meine Malere ist essentiell mit Mecklenburg verbunden“, sagt sie. Sie interessiere es, klassische Sujets aufzugreifen und in zeitgenössische Kontexte mit Pop-Art-Elementen zu setzen. Ob das nun Hirsche, Pferde, Frauenfiguren oder Landschaften sind. So entstanden ihre pinken Strohballen, mit denen sie sich zu Beginn ihrer Zeit in Varchentin einen Namen machte. 2005 war das, als der Buchillustrator, Maler und Grafiker Werner Schinko (1929-2016) auf sie aufmerksam wurde und ihre erste Ausstellung in Waren an der Müritz organisierte. „Damals sagten die Leute über mich: Ach, das ist die Frau mit den pinken Strohballen.“

Diese für den Spätsommer so typischen Merkmale der agrarisch geprägten Landschaft einfach abzubilden, ist Kitsch. Sie in ein Verhältnis zu setzen Moderne. „Begonnen hat das mit einem eindeutig impressionistischen Blick mit farblich bereits leichter Hinwendung zum Expressionismus. Das sind ja alles Elemente, mit denen wir verkitscht permanent in Beziehung stehen. Meine Positionen sollen Zeichen setzen, aufrütteln“, sagt sie.

In ihrer Dresdner Zeit hat sie noch sehr mit ungegenständlichen Farbflächenexperimenten hantiert. „Da habe ich mich ausgetobt, aber irgendwann ist das auch mal vorbei. Dann bin ich hier über die Landschaft wieder zum Gegenständlichen zurückgekommen.“ Und dieser Weg hat eine Geschichte. Ein Bauer kam mit seinem Traktor an ihrer Mühle vorbei, hupte am Fenster, wo sie im Halbdunkel vor sich hinwerkelte und rief: „Wat machst du denn hier im Dunkeln. Du musst raus bei dem schönen Wetter, Mädchen.“ Da hat sie ihre Staffelei gepackt und ist losgestiefelt. „Da habe ich mich einfach mal getraut, mich aufs Feld zu stellen und loszulegen. Die Strohballen auf den Feldern haben mich stets fasziniert. Die sehen aus wie liegengebliebene Spielsachen eines Riesen, haben etwas Geometrisches, geben der Landschaft aber auch etwas Rundes.“ Die Landschaften und Ansichten von Daniela Friederike Lüers sind wie in die Zeit und Landschaft gesetzte Zitate. Maleine Aphrodite, Entenpaare neben knalligen Abstraktionen des Pop-Art, eine Würdigung an Werner Schinko, die mit den Elementen der Grafik und fliegenden Kranichen spielt, Madonnen, Adonis- oder Apollfigurationen, Gottheiten und irdische Wesen, sphärische Schönheit und mecklenburgische Erdung. In ihren Bildern scheinen sich pralle Lebenslust, verhuschte Zartheit und verspielte Erotik aus sich selbst zu beleben. Mal Pop-Art, mal Fotorealismus, mal im Pastellton der Impressionisten, mal im expressionistischen Ansatz oder in einem verhaltenen Duktus. In all dieser Vielfalt sagt sie ruhig in die Stille der Betrachtung hinein: „Ich sehe mich als Malerin, aber auch als Handwerkerin und kann ohne Probleme konkret auf Wünsche der Kunden eingehen.“

Zur Person

Daniela Friederike Lüers wurde in Ludwigshafen am Rhein geboren. Sie wuchs in Heidelberg auf, lernte Augenoptikerin und studierte von 1998 bis 1993 an der Johannes Gutenberg Universität in Mainz Bildende Kunst. Nach dem Studium lebte sie in Italien, Frankreich und der Schweiz.

2002 zog sie von Dresden aus an die Müritz, eröffnete 2005 ihr Atelier in Ludorf und 2006 in Beckenkrug. 2011 nahm sie an einem deutsch-polnischen Austauschprojekt teil. 2016 stellte sie in der Agora Gallery in New York aus und wurde mit dem Kunstpreis in Barcelona und 2017 mit dem „Premio Internazionale Arte“ in Mailand ausgezeichnet.

Michael Meyer

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Das sind die Bilder der 25. Kunstbörse

Lebendige Tradition: 40 Künstler stellen ihre Werke für die 25. Kunstbörse der OSTSEE-ZEITUNG zur Verfügung.

Teilnahmebedingungen

VERNISSAGE am Montag, 11. September, um 18 Uhr im Kreuzgang der Hochschule für Musik und Theater (HMT) in Rostock, Beim Katharinenstift 8.

VERSTEIGERUNG aller präsentierten Arbeiten in der HMT am Sonnabend, 7. Oktober, um 20 Uhr. Einlass ist ab 19 Uhr.

TICKETS für die Kunstbörse in allen Servicecentern der OSTSEE-ZEITUNG und über 0381/38 30 30 17. SCHRIFTLICHE GEBOTE bitte mit Adresse und Telefonnummer bis 5. Oktober an die OZKulturredaktion, Richard-Wagner- Straße 1a, 18055 Rostock.

Hier findet die Auktion statt