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„Ein Bild ist der Versuch, Getrenntes zu verbinden“

Maria Raeuber, Grafikerin „Ein Bild ist der Versuch, Getrenntes zu verbinden“

Die Künstlerin Maria Raeuber (35) bevorzugt in ihrer Arbeit ein sinnlich-handwerkliches Herangehen. So entstehen fragile Grafiken.

Es ist nicht das große Atelier: Maria Raeubers hat ihren Schaffensort in Rostock-Dierkow, in ihrer kleinen Wohnung. In der Stille entstehen die Arbeiten.

 

OZ-Bild

Die Künstlerin ganz bei sich und ganz bei der Arbeit: Maria Raeubers Werke entstehen mit der linken Hand.

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Auch am Anfang ihrer Lebensgeschichte stand ein Plattenbau. Sozusagen am Anfang des Werdegangs der noch jungen Künstlerin, die 1981 in Rostock geboren wurde. Als sie 14 Jahre alt war, zog die Familie aufs Land, nach Laage. „Raus aus der Stadt, das fand ich als Jugendliche nicht so cool“, sagt die Künstlerin heute. Doch der ersten Umstellung folgten Entdeckungen: „Ich lernte das freie Rumströpern in der Natur wirklich zu schätzen“, sagt die Künstlerin heute. Es erwachte auch die Liebe zur Kunst. „In dem Alter entdeckte ich auch die Zeichnerei und mein Talent“, blickt die Künstlerin zurück.

Daraus wurde ein klares Bild für das weitere Leben: „Mit 18 war mir klar, dass das mein Beruf werden soll“, resümiert Maria Raeuber.

Die Berufsbiografie hielt für sie nicht nur die geraden Wege bereit. Zunächst belegte sie an der Rostocker Kunstschule Frieda 23 einen Aktzeichenkurs beim Künstler Jürgen Weber. Das nächste Ziel: Ein Studium an der Hochschule in Wismar. „Ich bewarb mich dort für Kommunikationsdesign und wurde angenommen“, sagt Raeuber. Die Künstlerin bevorzugte in ihrer Arbeit ein sinnlich-handwerkliches Herangehen. Und das sorgte allmählich für Konfliktstoff, denn das Studium hatte auch andere Schwerpunkte. „Die Arbeit am Rechner deprimierte mich“, sagt die Künstlerin über diesen Teil. Auch der kundenorientierte Kreativprozess lag ihr gar nicht, aber sie ging diesen Weg zu Ende. „Bis zum Abschluss des Studiums war meine Neigung zum freien künstlerischen Arbeiten ganz deutlich ans Licht gekommen“, sagt sie über diesen Punkt.

Wichtig war für diese Erkenntnis auch ein freies Grafikprojekt: Es entstand eine Reihe von Radierungen, Porträts, die die Künstlerin nach Skizzen anfertigte. „Am Ende dieses Projekts formulierte sich erstmals klar der Gedanke, nach dem Studium in Wismar ein Zusatzstudium der freien Kunst an einer anderen Hochschule aufzunehmen.“

Der Weg führte nach Halle. Nach dem Diplom in Wismar folgte ein Studium in der Richtung Freie Kunst, an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein, in der Grafikklasse von Professor Thomas Rug. 2011 kam Maria Raeuber nach Rostock zurück.

Die Prägung der noch jungen Künstlerin wurde stark durch eine besondere Begegnung beeinflusst – mit dem Künstlerehepaar Inge und Jo Jastram. Das passierte, als sie Anfang 20 war. Zusammen mit Freundin Thea war sie ein paar Tage bei den Jastrams zu Gast. „In Inges Radierwerkstatt habe ich meine ersten richtigen Radierungen in Aluplatten gekratzt“, erinnert sich Maria Raeuber. Und: „Ich bin bis heute sehr dankbar für diese großartigen Erfahrungen am Beginn meines Weges“, sagt die Künstlerin. Das brachte für sie eine besondere Entwicklung: „Inge Jastram riet mir, anstelle der rechten virtuos arbeitenden Hand mal mit der linken zu zeichnen, weil es meiner rechten Hand zu leicht fiel und so das Zeichnen Gefahr läuft, mechanisch zu werden.“ Das hatte langfristige Folgen: „Das gefiel mir so gut, dass ich dabei blieb und ich seither nur noch mit links zeichne. Da arbeitet ein ganz anderes Nervenfeld als sonst.“

„Das Wort ist der geistige Ursprung aller Getrenntheit und ein Bild zu machen, ist der Versuch, Getrenntes wieder zusammenzufügen“, sagt Maria Raeuber. Die fragil wirkenden, oft kleinformatigen Werke spiegeln diese Innenwelt. „Ein Blatt ist ein Raum“, postuliert die Künstlerin. „Alles, was ich in den leeren Raum setze, tritt miteinander in Beziehung. Es entsteht den Einzelteilen ein Etwas, das da aus dem Nichts heraus erscheint.“ Und: „Eine taktil-sinnliche Verbindung aufzunehmen zu den gewählten Materialien und ein feinstoffliches Eintauchen in den schöpferischen Vorgang ist ganz wichtig für mich, weil ich dann körperlich spüren kann, wann eine Arbeit fertig ist und einen Klang hat, einen unhörbar leisen.“

Zur Person

Maria Raeuber wurde 1981 in Rostock geboren. Von 2000 bis 2006 absolvierte sie an der Hochschule Wismar den Studiengang Kommunikationsdesign und Medien. Es folgte von 2006 bis 2008 ein Aufbaustudium an der Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design in Halle. 2009 startete die Künstlerin dort in die Freiberuflichkeit, 2011 kehrte sie nach Rostock zurück. 2012 wurde Maria Raeuber Mitglied im Künstlerbund MV.

Die Künstlerin war seit 1999 an zahlreichen Ausstellungen beteiligt, zuletzt 2016 „Zeitgenössische Positionen Bildender Kunst aus MV“ in der Galerie Wolkenbank Rostock.

Thorsten Czarkowski

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