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„Ich hoffe stets auf Zufälliges und auf Fügungen“

Marcus Schramm, Mixed-Media-Künstler „Ich hoffe stets auf Zufälliges und auf Fügungen“

Marcus Schramm fühlt sich in vielen Sparten wohl. Deshalb bezeichnet sich der Greifswalder als Mixed-Media-Künstler. Die Freiheit der Idee ist sein Credo.

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Marcus Schramm steht im „Kubus“ auf dem Karl-Marx-Platz in Greifswald.

Quelle: Dietmar Lillienthal

Dieses Blau! Bevor Worte sich zu Gedanken verdichten, lösen die Foto-Kunstwerke von Marcus Schramm ein Schweben aus. Oben und unten – egal. Unsicheres Terrain, das anzieht, weil es tiefere Schichten berührt – oder keine. Erst dann folgen Versuche der Einordnung und Deutung sowie der „Beleuchtung“ der eigenen Irritation. Was ist da passiert?

Marcus Schramm wirkt angenehm paradox: leicht und tiefgründig, nonchalant und konkret, beredt und still. Der Mann ist gelernter Tischler. Er studierte Bildende Kunst, Philosophie, Kommunikationswissenschaften und Kunstpädagogik. Heute ist der 41-Jährige Künstler, Galerist, Pädagoge in Kunstprojekten und Mitstreiter eines Kunstvereins.

„Colors of the sky“ heißt seine bislang noch nicht abgeschlossene Fotoserie. „Ungegenständliche Licht- und Farbphänomene, Schleier, Übergänge und Schichten möchte ich abbilden“, erläutert er die Idee. Bilder schaffen, die Objektcharakter haben – eben auch durch glatte und glänzende Acrylbeschichtungen. Das Hochformat der Bilder ist beabsichtigt. „Die Vertikale betone ich, um Spannung zu erzeugen.“ Luftschichten bündeln gewissermaßen das Licht. „Ich wollte nichts Festes haben, was leicht zu identifizieren ist, sondern im Diffusen tasten.“ Tasten ist ein Wesenszug in der Kunst von Schramm. Sowohl was die Arbeitsweise als auch seine „Schubladen“ angeht. Fotografie, Malerei , Installation, Zeichnungen, Performance.

Es ist nicht sicher, wo das Ironische in der Kunst von Schramm ansetzt. Sicher ist, dass der magentafarbene „Blubb“ – ein scheinbar überdimensionierter, zähflüssiger Tropfen – zu einem Trio von Blubbs gehören, jeder etwas anders geformt und lackiert. „Ich wollte Skulpturen in Bewegung versetzen, zerfließen lassen und in unterschiedlichen Stadien zeigen“, sagt Schramm. Der Kunststoff wurde von ihm gespachtelt, geschliffen, gespachtelt, geschliffen. Shapen nennt er das. „Es ging um Form und Formfindung – ein visuell und haptisch spannender, aufwändiger Prozess.“ Das Spiel mit den Materialien reizt ihn. „Material ist ganz wichtig – ich bin da ,Materialist’, achte auf bestimmte Eigenheiten der verwendeten Gegenstände und Materialien.“ Schramm ist aber auch so etwas wie ein Marathon-Mann. Nicht nur, dass er die Distanz von gut 42 Kilometern irgendwann am Stück laufen möchte.Vielmehr interessieren ihn bei seiner künstlerischen Arbeit die Fragen: Wie schaffe ich das, wie komme ich zum Ziel, wo ist die Grenze für mich? Die Vorbereitung von Projekten, die Entwicklung von Ideen sind bei ihm ein langer und intensiver Weg, der bis zum „Zieleinlauf“ spannend und zum Teil unberechenbar ist. „Ich hoffe stets auf Zufälliges und auf Fügungen und versuche darauf zu reagieren.“

Auf dem Greifswalder Karl-Marx-Platz steht seit Kurzem ein Kubus – auch so eine Fügung. „Jahrelang hatte ich die Idee einer Raumskulptur im Kopf – dann ging es plötzlich sehr schnell und musste innerhalb von drei Monaten realisiert werden.“ Stahl in Rostoptik, Glas, Betonsockel, 2,40 mal 2,40 Meter Grundfläche, innen weiß. Unübersehbar und doch nicht da. Entworfen von Marcus Schramm. „Ein unabhängiger Raum für zeitgenössische Kunst.“ Als ein Passant kurz innehält und zu Schramm knorrig sagt, in dem Kubus solle doch mal die Büste von Karl Marx aufgestellt werden, lächelt der Künstler.

Der steht an seinem Kubus in dem kleinen Park mit den gepflegten Häusern.

„Meine Kunst verstehe ich als ein Angebot – etwas Rätselhaftes, Spielerisches oder auch Ironisches als Anregung zum Schauen und Denken“, sagt Schramm. Er liebt die freie Geste und den freien Gedanken. Als Künstler sei für ihn wichtig, mit der Arbeit ein inneres Bild, eine Idee umzusetzen.

Klaus Amberger

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Lebendige Tradition: 40 Künstler stellen ihre Werke für die 25. Kunstbörse der OSTSEE-ZEITUNG zur Verfügung.

Teilnahmebedingungen

VERNISSAGE am Montag, 11. September, um 18 Uhr im Kreuzgang der Hochschule für Musik und Theater (HMT) in Rostock, Beim Katharinenstift 8.

VERSTEIGERUNG aller präsentierten Arbeiten in der HMT am Sonnabend, 7. Oktober, um 20 Uhr. Einlass ist ab 19 Uhr.

TICKETS für die Kunstbörse in allen Servicecentern der OSTSEE-ZEITUNG und über 0381/38 30 30 17. SCHRIFTLICHE GEBOTE bitte mit Adresse und Telefonnummer bis 5. Oktober an die OZKulturredaktion, Richard-Wagner- Straße 1a, 18055 Rostock.

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