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Kalkulierte Verwirrungen und wichtige Fehler

Stefan Kratz, Fotokünstler Kalkulierte Verwirrungen und wichtige Fehler

Der Wismarer Stefan Kratz nutzt das Verfahren des Blaudrucks, um konkrete und zugleich abstrakte Bilder zu schaffen.

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Nach mehereren Stunden Belichtung in der Sonne: Stefan Kratz mit großformatigen Cyantypien im Atelier der Fakultät für Gestaltung in Wismar.

Quelle: Thomas Häntzschel

Zwei Liegestühle im gleißenden Gegenlicht, Muster von Reflexen auf der Wasseroberfläche, eine betonierte Strandpromenade – die Zutaten des Bildes „Sonnende“ sind eher simpel und könnten auch für ein hochglänzendes Werbefoto taugen. In der Umsetzung von Stefan Kratz erfährt das Sujet jedoch eine irritierende Verwandlung. Trotz des kaltblauen Farbtones der Cyanotypie scheint man die brütende Hitze des Sonnentages zu spüren. Die Nüchternheit der Komposition konkurriert mit den Unschärfen, die sich durch das Bild ziehen und dem Motiv eine romantische Anmutung geben, die sich aber doch nicht gänzlich behaupten kann.

Solcherart Verwirrungen sind typisch für die Fotografien von Stefan Kratz, die den Betrachter immer ein wenig im Unklaren lassen. „Mich interessieren konkrete, abstrakte Situationen, aber keine Bilder im Sinne von: Ich fotografiere jetzt eine Blume und die ist dann schön.“, beschreibt er selbst seine Motivsuche.

Die Wirkung der Bilder von Stefan Kratz wird durch die verwendete Drucktechnik der Cyanotypie deutlich unterstützt. Die Cyanotypie ist eines der ältesten fotografischen Druckverfahren. Der englische Naturwissenschaftler und Astronom Sir John Herschel entwickelte es 1841, also kurz nach der „offiziellen“ Erfindung der Fotografie durch Louis Daguerre im Jahre 1839. Während die meisten fotografischen Techniken auf lichtempfindlichen Silbersalzen basieren, wird bei der Cyanotypie eine Eisenverbindung verwendet, die bei Lichteinwirkung einen stabilen blauen Farbstoff bildet. Die immer wieder frisch gemixte lichtempfindliche Verbindung wird auf das Trägerpapier aufgetragen und dieses wird durch ein Negativ hindurch mit ultraviolettem Licht belichtet.

Stefan Kratz nutzt – und das macht den besonderen Charme seiner Bilder aus – bei der Belichtung ausschließlich natürliches Sonnenlicht. Beschichtetes Papier und gleichgroßes Negativ werden übereinander auf einer Rasenfläche ausgelegt. Da sich dieser Prozess über mehrere Stunden hinzieht, schleichen sich immer wieder kleine Fehler ein. Papier wird ein wenig vom Wind bewegt, Wassertropfen fallen auf das Bild oder Details brechen aus. Für den Fotografen sind diese scheinbaren Unzulänglichkeiten Teil des Prozesses. „Das ist immer ganz wichtig, das Fehler passieren.“

Eine erste Begegnung mit dem Medium Fotografie hatte Stefan Kratz, der 1990 in Wurzen geboren ist, als er als Teenager mit dem Fotohandy seine Freunde porträtierte. Bereits da entwickelte sich ein Interesse an Bildaufbau und -komposition, das sich während der Ausbildung zum gestaltungstechnischen Assistenten an der Gutenbergschule in Leipzig und seit 2010 im Studium in Wismar verfestigte. Dort merkte Stefan Kratz schnell, dass sich sein Interesse vom Kommunikationsdesign weg und mehr in die Richtung der freien Kunst verlagerte. Professor Knut Maron wurde mit seiner konstruktiven Kritik zu einem wichtigen Impulsgeber seiner Entwicklung. Ab hier kam dann auch der „analoge Faktor“ ins Spiel. Aus einem allgemeinen Interesse an alten Techniken fand er zur Cyanotypie, die auch wegender vergleichbar ungiftigen Chemikalien, langer Haltbarkeit der Bilder und erschwinglichen Materials attraktiv ist. Aus dem Experimentieren mit Materialien und Negativen entstand eine erste Bildserie, in der Stefan Kratz den unendlichen Diaschatz aus dem Nachlass seiner Urgroßmutter gescannt und zu Cyanotypien verarbeitet hat. In den Projekten „Hommage an die Wirklichkeit“ und der auf Madeira entstandenen Serie „Trophäen einer Insel“ hat sich diese Arbeitsweise verfestigt. Nach ersten Ausstellungsbeteiligungen im Rahmender HochschulewurdedieWismarer Galeristin Kristine Hamann auf die ungewöhnlichen Bilder aufmerksam, bot ihm eine Ausstellung an und hat ihn seit 2014 als Nachwuchskünstler im Portfolio der Galerie. So gelangten seine Bilder auch auf die Kunstmessen nach Hamburg und an den Bodensee. Im Sommer zeigte die Tokioter Galerie Kitai seine Arbeiten in Japan. Stefan Kratz begreift Fotografieauch als Lebensart. Viele seiner Bildmotive findet er auf Reisen, wie zuletzt bei einer dreimonatigen Reise mit Freunden durch Mexiko.

Thomas Häntzschel

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Lebendige Tradition: 40 Künstler stellen ihre Werke für die 25. Kunstbörse der OSTSEE-ZEITUNG zur Verfügung.

Teilnahmebedingungen

VERNISSAGE am Montag, 11. September, um 18 Uhr im Kreuzgang der Hochschule für Musik und Theater (HMT) in Rostock, Beim Katharinenstift 8.

VERSTEIGERUNG aller präsentierten Arbeiten in der HMT am Sonnabend, 7. Oktober, um 20 Uhr. Einlass ist ab 19 Uhr.

TICKETS für die Kunstbörse in allen Servicecentern der OSTSEE-ZEITUNG und über 0381/38 30 30 17. SCHRIFTLICHE GEBOTE bitte mit Adresse und Telefonnummer bis 5. Oktober an die OZKulturredaktion, Richard-Wagner- Straße 1a, 18055 Rostock.

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