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Malerin zwischen den Welten

Ellen Möckel, Malerin und Grafikerin Malerin zwischen den Welten

Die Rostockerin Ellen Möckel erforscht Grenzen und Möglichkeiten analoger und digitaler Welten.

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Ellen Möckel aus Rostock arbeitet in ihrem Atelier im Berliner Stadtteil Neukölln an analogen und digitalen Bildwelten, erforscht ihre Grenzen und Möglichkeiten.

Sie sitzt lässig, konzentriert auf dem Schreibtisch in ihrem Atelier im Berliner Stadtteil Neukölln. Ab und zu springt sie auf, kramt ein Bild hervor, erklärt mit ruhigem Blick und ausholenden Händen. Draußen vor dem Fenster macht sich Berliner Hinterhofidylle mit dicken Graffiti so breit, dass es fast schon kitschig ist. Ellen Möckel arbeitet anders: „Mich interessieren die bildnerischen Eingriffe, Notizen und Spuren in der Architektur.“ Die Malerin und Grafikerin aus Rostock schreitet neue Wege in der Kunst ab. Zur Zeit mischt sie analoge und digitale Welten der Kunst, schafft in den Schnittmengen neue Kosmen und Formsprachen.

Sie malt ein Bild, fotografiert es ab, bearbeitet das digitale Bild ihres Originals mit Fotoshop am Rechner und druckt diese Arbeit in Urformatsgröße aus. Sie kann das auch als Konzeptkunst.

Eine Schwimm-Plastikschlange, die sie mit „I will protect you in my arms“ bemalt hat, inszeniert sie in einem Lagerraum, den sie einem digitalen Raum vergleicht, fotografiert die Inszenierung und stellt sie online zur Schau. Das Bild ist ihre Kunst. In dieser Welt leben wir, bewegen uns, ohne es zu registrieren. Wir, in diesem Zeitgeist digital unendlicher Möglichkeiten, sind Switcher zwischen den Welten – den realen, was immer das ist, den virtuellen, was immer das sein mag. Wer von Rostock nach Berlin fährt, lässt die Landschaftsrealität neben sich liegen, taucht ins Straßensystem des Molochs ein und lässt sich je nach Zufall ausspucken – Prenzlberg oder Neukölln, Friedrichshain oder Kottbusser Tor. Villenviertel oder Drogenhandel.

Exakt so, nur schneller, funktionieren unsere virtuellen Realitäten. Während wir im Auto unterwegs sind, lassen wir uns von einer Plastikstimme den Weg weisen, sprechen mit Menschen, die hunderte Kilometer entfernt sind, lassen uns via Spotify mit Musik berieseln und lesen am Steuer heimlich SMS. Analog und digital bei 180 Sachen über die Autobahn und 50 Megabit durchs Netz.

Das sind die Welten, die Ellen Möckel künstlerisch umsetzt. In ihrer Arbeit geht es um konstruierte Gesten. Sie sagt: „Mich interessieren die Übergänge, das Verschwimmen von Grenzen und Möglichkeiten, zum Beispiel analog und digital.“ Auch im künstlerischen Prozess. Im analog gemalten Bild gleicht ein Strich nie einem zweiten. Es entstehen Unregelmäßigkeiten. Man kann ihn übermalen, aber nicht wegnehmen. In der digitalen Welt kann man ganze Farbpaletten herstellen und wieder löschen. In ihrer Kunst finden sich Symbole aus der digitalen Welt wie das Zeichen für Dropbox neben Spielzeug oder Dingen der maritimen Welt. Ellen Möckel: „Ich konstruiere diese Bilder. Ich blas sie auch auf und stelle da was Künstliches her.“ Da scheint immer eine ironische Komponente durch. Das sei kein Protest gegen die digitale Revolution, sondern eine Frage. „Das macht mich nicht unsicher, aber ich möchte mehr davon verstehen. Das Netz ist wie ein riesiges Spiel, indemmanRealitäten neu erfinden oder faken kann. Ich möchte in diesen Kommunikationsprozessen ergründen, welche Möglichkeiten es gibt und was das alles mit einem macht.“ Es gehe auch darum, ein Verantwortungsbewusstsein dafür zu entwickeln und damit umzugehen. Ellen Möckel ist aber keine Matrixkünstlerin, sie hat immer gezeichnet und war stets auf der Suche nach künstlerischen Ausdrucksformen. Zum Diplom trat sie mit Zeichnungen und Druckgrafik an. „Da habe ich bemerkt, dass die Materialität des Bleistifts für mich nur begrenzte Möglichkeiten aufwirft.Dann bin ich zu Pastell gegangen und es haben sich neue Möglichkeiten eröffnet.“ Derzeit arbeitet sie in London an ihrem Projekt„Anapple a day“. Da stellt sie sich London als Computer vor, fährt als Mouse hindurch und sucht eine Übersetzung dieses erlebenden Prozesses in der Malerei.

Zur Person

Ellen Möckel wurde 1984 in Rostock geboren. Sie studierte von 2006 bis 2013 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Derzeit lebt sie in Berlin. Seit ihrem Aufenthaltsstipendium 2011 in den graphischen Werkstätten von Niels Borch Jensen in Kopenhagen liegt einer ihrer Schwerpunkte auf der Druckgrafik. 2014 wurde sie mit dem Preis für Litographie im Rahmen der Grafikbiennale „100 sächsische Grafiken“ ausgezeichnet. 2015 absolvierte sie ein Stipendium für Litographie in München. Außerdem erhielt sie Stipendien der Hansestadt Rostock, des Kunstvereins Schloss Wiligrad und des DAAD in London, wo sie zur Zeit arbeitet.

Michael Meyer

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Das sind die Bilder der 25. Kunstbörse

Lebendige Tradition: 40 Künstler stellen ihre Werke für die 25. Kunstbörse der OSTSEE-ZEITUNG zur Verfügung.

Teilnahmebedingungen

VERNISSAGE am Montag, 11. September, um 18 Uhr im Kreuzgang der Hochschule für Musik und Theater (HMT) in Rostock, Beim Katharinenstift 8.

VERSTEIGERUNG aller präsentierten Arbeiten in der HMT am Sonnabend, 7. Oktober, um 20 Uhr. Einlass ist ab 19 Uhr.

TICKETS für die Kunstbörse in allen Servicecentern der OSTSEE-ZEITUNG und über 0381/38 30 30 17. SCHRIFTLICHE GEBOTE bitte mit Adresse und Telefonnummer bis 5. Oktober an die OZKulturredaktion, Richard-Wagner- Straße 1a, 18055 Rostock.

Hier findet die Auktion statt