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Nicht sperrig, aber künstlerisch klar unterwegs

Ingmar Bruhn, Maler Nicht sperrig, aber künstlerisch klar unterwegs

Ingmar Bruhn (47) aus Dambeck malt großformatig seriell in Abweichungen. Humorige Motive im dunklen Grund.

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Ingmar Bruhn (47) vor einem seiner Marx-Bilder in seinem Atelier in einer alten Scheune in Dambeck.

I ngmar Bruhn (49) ist nicht der Typ, der große Worte über seine Kunst verliert. Seine Arbeiten laufen durchweg o. T. – also ohne Titel. Weil er meint, dem Betrachter mit einem Titel schon viel zu viel mitzugeben auf dem Weg des Entdeckens, Erschließens, Eroberns und Betrachten eines Bildes.

Es gibt eine sehr schöne Anekdote aus seiner Anfangszeit als Künstler. Als ein erster potenzieller Sammler ihn entdeckte und ihm ein Bild mit einem seiner Adler abkaufte, dachte Ingmar Bruhn:

„Super, erstes Bild verkauft.“ Er erinnert sich: „Ich hab’ mich gefreut und meine Eltern angerufen. Aber war nix. Nach einer Woche hat er das Bild in die Galerie zurückgebracht, weil er den Adler darauf erkannt hat.“ Soviel zum Thema figürlich und abstrakt.

Heute kann Bruhn über diese Geschichte lachen. Er verkauft Bilder und stellt in ganz Norddeutschland, Berlin, New York, San Francisco oder Seoul aus. Bruhn stammt aus Wismar, wo er 1967 geboren wurde. Nach dem Studium in Berlin ging er im Jahr 2000 für ein weiteres Studium der Bildenden Kunst ans Hunter College in New York City an. Ein Großstadtmensch also. Denkste!

Im Jahr 2015 zog es den Maler aus der Metropole wieder gänzlich zurück aufs Land. Heimische Wurzeln in Dambeck nahe Bobitz. Der Liebe wegen. Des Arbeitsumfelds und der Natur wegen.

Dort bearbeitet er seine großformatigen Leinwände in einer großformatigen Scheune. Der Mann braucht Platz – auf der Leinwand, bei der Arbeit, im Denken und Sehen. Ein Pragmatiker mit Weitblick. Das Atelier habe keine Heizung. Klar, im Winter nicht immer ein Spaß. „Aber dadurch wird man zum Arbeiten gezwungen“, sagt er. Bruhn ist verbindlich, freundlich, offen. Aber Plauderei über Kunst? Seine Sache nicht. Er ist nicht sperrig, aber ganz klar künstlerisch auf seinem Weg unterwegs. Er muss sich sicher sein, dass Bilder wie „Marx“ nicht unbedingt einfach zu verkaufen sind. Trotzdem malt er sie.

Er ist zwar farblich sehr dunkel, aber keineswegs düster. In den seriellen Arbeiten ist jede Menge Humor, wenn man sich den röhrenden Hirsch einmal in Ruhe ansieht. Oder die Adler. Oder den Karl Marx, der die Plastik von Lew Kerbel in Chemnitz zum Vorbild hat – immerhin die zweitgrößte Porträtplastik der Welt. Wenn das kein Humor ist!? Trocken, gewiss und nicht zu bunt. Aber sehr fein.

Zum Beispiel auch das Bild – natürlich o.T. – aus dem Jahr 2015, auf dem mehrfach das Wort „Super“ zu lesen ist. Eine hübsche Veralberung unserer ach so supertollen Werbe,- PR- und Managerhetorikgesellschaft, in der man aber auch wirklich alles „chaka“ und „super“ finden kann, wenn man es nur richtig verkauft und verpackt kriegt.

Bei Ingmar Bruhn gehen Haltung in den Arbeiten und Haltung im Menschsein miteinander einher. Das ist weit weg vom reinen Dekorativsein. Der röhrende Hirsch als Symbol für Volkskunst nimmt den Kunstbetrieb selbst hopp – zumal er in Serie gefertigt ist. Aber eben nicht kopiert. Denn nicht ein Hirsch entspricht exakt dem anderen. Bei den Adlern, dem Marx oder den Super-Motiven ähnlich. In Größe, Farbgebung, Struktur, Malgrund unterscheiden sie sich mehr oder weniger stark. Alles Unikate. Ingmar Bruhn sagt: „Ich übermale oft. Aber innerhalb der Motive, wenn es mir nicht gefällt, dann wird weiter übermalt. Aber man findet nicht einen Karl Marx unter einem Adler.“ Wobei es durchaus Witz hätte, den alten Marx mal über oder unter einem Bundesadler des alten Hundertmarkscheins zu vermuten. Über seinen Antrieb, seine Arbeit sagt Ingmar Bruhn: „Es beginnt oft mit einer Idee, die mich begeistert. Dann male und zeichne ich drauflos, bis sie die richtige Form annimmt und es nicht mehr zu verbessern ist. Das kann über Jahre gehen.“

Zur Person

Ingmar Bruhn wurde 1967 in Wismar geboren. Er studierte von 1995 bis 2001 an der Hochschule der Künste (HdK) in Berlin. Im Jahr 2000 folgte ein Stipendium der Bildenden Kunst am Hunter College in New York City und ein Stipendium an der Universität der Künste (UdK) in Berlin. Ingmar Bruhn war Meisterschüler von Marwan, dem aus Damaskus (Syrien) stammenden Professor Marwan Kassab-Bachi, der seit 1977 an der UdK lehrt.

2004 und 2013 erhielt Bruhn jeweils ein Arbeits- und Workshopstipendium des Landes MV. 2010 war Bruhn für den Kunstpreis der Mecklenburgischen Versicherungsgruppe nominiert.

Michael Meyer

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