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Sammlerin, Verwerterin, Collagistin, Malerin

Petra Steeger, Malerin und Grafikerin Sammlerin, Verwerterin, Collagistin, Malerin

Petra Steeger (64) aus Rostock ist ein Multitalent. Sie sprengt gern Genregrenzen und Motivenge. Und sie versucht, auf humorige Art zu verstören.

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Petra Steeger (64) vor ihrer Stickereiarbeit „Herzklappe“ (2016) in ihrem Atelier in der Rostocker Kunstschule.

M alerei, Siebdrucke, Radierungen, Stickereiarbeiten, Fußmatten, Teppiche. Landschaften, Nonnen aus einem Schwesternorden, Organe, tote Tiere, Rettungsschwimmer, Zellstrukturen oder Ansichten von Warnemünde, Rostock oder dem Ostseestrand.

Zum Schlemminer Moorsee bei Bützow, von den Einheimischen „Schwarzer See“ genannt, ist sie jahrelang immer wieder hingefahren, um ein seltenes Motiv einzufangen. Die Moorfrösche, die nur in der Laichzeit blau werden. Also nur die Männchen. Mitte bis Ende März laichen die Frösche. 2014 war es endlich soweit, dass Petra Steeger die blauen Frösche gefunden hatte und sie im Bild festhalten konnte. Dieses seltene Naturschauspiel, sagt sie, gebe es nur im Schlemminer Moorsee und in Moorseen bei Parchim oder nahe Wilhelmshöhe. Und in ihren Bildern.

Man kann Petra Steeger nicht vorwerfen, dass sie festgelegt oder eingeengt ist – weder in der Motivik noch in den Formen, die sie findet. Sie ist eine in der freien Wildbahn künstlerisch Suchende.

Eine Sammlerin, Verwerterin, Collagistin, Malerin. „Von allem, was ich so finde“, sagt sie. Das können Tierkadaver auf der Straße sein – ob von Ratte, Hase oder Frosch ist da egal. Oder auch menschliche Organe, die sie aus einem Lehrbuch zeichnet.

Zu ihrer Motivik sagt sie: „Ich glaube, das hat was mit meiner Geschichte zu tun. Ich komme ja aus einer Künstlerfamilie. Mein Vater war auch Künstler.“ Petra Steeger stammt aus Krefeld am Niederrhein. Daher sei sie mit der Fettecke von Joseph Beuys, den sie persönlich kennenlernen durfte, ebenso vertraut wie mit gekreuzigten Hasen und toten Tieren in der Kunst der Fluxusbewegung. Sie sagt: „Dazu kam, dass mein Vater Devotionalien gesammelt hat. Vor meinem Kinderzimmer standen Vitrinen mit ausgestopften Tieren. So war ich schon als Kind mit toten Tieren vertraut.“

Seit 1990 ist sie nun in Mecklenburg-Vorpommern. Und seitdem sammelt sie tote Tiere von den Straßen. Sie hat sogar eine Sammlung davon angelegt. „Das ist tatsächlich ein pathologisches Interesse.

Meine künstlerischen Ambitionen kommen aus der Kindheit“, sagt sie. Aber der Beruf – sie hat nach der Wende ein Bildungsinstitut in Rostock aufgebaut – habe das nicht zugelassen.

Erst später hat sie Unterricht genommen. Petra Steeger ist Meisterschülerin der Berliner Objektkünstlerin Sati Zech und hat bei Professor Rolf Thiele an der Hochschule der Künste in Bremen studiert.

Sie interessiert sich für Strukturen und Verbindungen. Das können Gewebeverbindungen wie bei Organen ebenso wie Verfaulprozesse an Tierkadavern sein. Ekel oder Abwenden kennt sie da nicht: „Ich finde, dass tote Tiere eine Schönheit haben. Auch innere Organe, wenn man die unter ästhetischen Gesichtspunkten betrachtet, haben eine Schönheit.“

Aber mit Augenzwinkern. Bierernst sollte man die 64-Jährige nicht nehmen, wenn sie über Kunst spricht. Da ist ein Lächeln, etwas Verschmitztes im Gesicht und eine spöttisch hochgezogene Augenbraue.

„Es muss Humor dabei sein. Das ist mir wichtig ist“, sagt sie. Das zeigt sich auch in ihren menschlichen, sehr figurativen Serien. Die Nonnen im Schwesternorden, die Rettungsschwimmer von Warnemünde oder die Skizzen von den dicken Frauen am Strand. Nichts ist vor dem spöttisch-ironischen Blick der Rostockerin sicher.

„Ich finde und bearbeite“, sagt sie. Zum Beispiel ein altes Lohnsteuerheft eines Bäckers aus dem Jahr 1940. Inmitten der Skizzen von Rettungsschwimmer, Fröschen, toten Dorschen oder nackten, dicken Frauen finden sich eingeklebte Schmetterlinge und andere Fundsachen, und im Hintergrund kann man lesen, was die Bäckergesellen 1940 verdient haben. Das dient ihr als Skizzenbuch – und Ideenfundus.

Zur Person

Petra Steeger wurde 1952 in Krefeld am Niederrhein (Nordrhein-Westfalen) geboren. Sie wuchs in Kleve am Niederrhein auf. Als Jugendliche begann sie Tierpräparate zu sammeln.

1990 wechselte sie mit ihrem Mann nach Warnemünde, um ein Bildungsinstitut aufzubauen. Seit 2000 nahm sie Kunstunterricht. Von 2005 bis 2009 war sie Vorstandsvorsitzende im Künstlerhaus Ahrenshoop. 2009 Vorstudium Bildende Kunst an der Rostocker Kunstschule. Ab 2013 Unterricht bei Sati Zech in Berlin und Professor Thiele in Bremen. Sie ist Mitglied der Künstlergruppe „essentials“

und Dozentin an der Kunstschule Rostock.

Michael Meyer

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