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Spiel mit Wirklichkeit und Fantasie

Eugen Kunkel, Maler Spiel mit Wirklichkeit und Fantasie

Fotos dienen dem Maler Eugen Kunkel (40) als Ausgangspunkt für seine Bilder, doch die gehen weit über den Fotorealismus hinaus.

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Schafft mit seinen Bildern eine eigene Interpretation der Wirklichkeit: Maler Eugen Kunkel in seinem Atelier im Kunstverein Polly Faber in Greifswald.

Wenn sich Fotorealismus und Fantasie verbinden, kann daraus etwas Hochinteressantes entstehen: Das beweisen die Bilder des Greifswalder Malers Eugen Kunkel. Fotos nutzt er als Hilfsmittel, um damit seine eigene Bildrealität zu erschaffen.

Kunkels Bilder haben etwas Mystisches: Oft sind es von dichtem Nebel verhangene Landschaften, herbstlich kahle Wälder oder karge Schnee-Szenerien, die der 40-Jährige auf Leinwand bannt. „Eine gewisse Melancholie schleicht sich immer in meine Bilder ein, die habe ich aus meiner Heimat mitgenommen“, verrät Kunkel, der in Nowaja Ljalja in der russischen Taiga aufwuchs und im Alter von 15 Jahren mit seiner Mutter nach Deutschland kam.

Was aussieht, wie eine naturgetreue malerische Abbildung eines Wald-Szenarios, ist das Ergebnis eines kreativen und kompositorischen Prozesses. „Die Fotos dienen lediglich als Ausgangspunkt. Am Computer bringe ich dann die Bildelemente in die richtige Anordnung“, sagt Kunkel. Steht eine Figur am falschen Platz, rückt Kunkel sie in die richtige Position. „Manchmal sind es nur wenige Millimeter, die die Stimmung des ganzen Bildes verändern“, erklärt er.

Mit von Photoshop bearbeitet der Künstler seine Fotos ähnlich einer Collage: „Ich setze beispielsweise Figuren oder Gegenstände aus anderen Bildern hinein“, sagt Kunkel. Eine eigenwillige Atmosphäre erzeugt er, indem er mit Farben und Licht experimentiert, die Perspektive entzerrt oder Bilder überschärft, so dass eine surreale oder hyperrealistische Wirkung entsteht. „Oft entstehen vor dem Übertragen auf Leinwand mehrere Ausdrucke und Varianten von demselben Motiv in unterschiedlicher Farbigkeit“, sagt Kunkel. Beim Entstehungsprozess kommen für den Künstler viele Faktoren zusammen:

„Meine Erinnerung, innere Bilder, die Realität und die Fotografie“, erklärt Kunkel. Am Ende habe die Abbildung mit der Realität nicht mehr viel zu tun. „Letztlich ist es ein Spiel von Wirklichkeit und Fantasie.“

Was die Arbeitsweise angeht, lassen sich laut Kunkel Parallelen zum gebürtigen Greifswalder Maler Caspar David Friedrich (1774-1840) ziehen. Seit 2007 arbeitet Kunkel als freischaffender Künstler ebenfalls in der Hansestadt am Ryck. Gemalt hat er schon als Kind: „Es hat sich früh gezeigt, dass ein gewisses Talent dabei ist“, sagt er. Eine Kunstschule habe er nie besucht. „Das war in Russland streng reglementiert.“ 1991 kommt er nach Deutschland, macht seinen Realschulabschluss und eine Ausbildung zum Maler und Lackierer in Leipzig. „Das hat mich frustriert, deshalb habe ich mit 20 wieder angefangen zu malen“, erinnert er sich. Er experimentiert mit Ölfarbe und kopiert alte Meister. Weil er an der Kunstschule abgelehnt wird, studiert er übergangsweise Design in Dessau, bevor er ein Kunststudium an der Fachhochschule in Hannover aufnimmt und anfängt, sich mit Fotorealismus zu beschäftigen. Banale Alltagsgegenstände wie Autos oder eine Pommes-Bude werden zu seinen Motiven, die er nach und nach verändert. „Anfangs waren das nur vorsichtige Eingriffe“, sagt er. 2004 kauft er eine Digitalkamera und fängt an, urbane Straßenszenen zu verarbeiten, verzerrte Perspektiven oder schrille Farben in seinen Bildern weiter zu überspitzen.

Nach Greifswald verschlägt es den Maler, weil seine Frau dort ein Studium beginnt. „Dort war ich abgeschnitten vom Urbanen und habe angefangen, in der Landschaft nach Motiven zu suchen, die mich an meine Heimat erinnern – karg und minimalistisch“, sagt Kunkel, der inzwischen komplett auf Landschaftsmalerei umgestiegen ist. Dabei liegt der Blick oft im Detail: „Es sind gerade die unscheinbaren Dinge, die andere vielleicht übersehen, aus denen meine Bilder entstehen.“

Zur Person

Eugen Kunkel wurde 1976 in Nowaja Ljalja (Russland) geboren und kam 1991 nach Deutschland. Er studierte vier Semester Design an der Hochschule Anhalt in Dessau und absolvierte von 2002 bis 2007 ein Kunststudium an der Fachhochschule Hannover. Seit 2007 arbeitet er als freischaffender Künstler.

Werke des Künstlers waren unter anderem in Leipzig (Charter Projektgalerie, Galerie Villa Bösenberg), in Greifswald (Neue Greifengalerie, Kunstverein Polly Faber), in Bad Doberan (Galerie Radike/Kittelmann) und in Hannover (Kulturverein Scena) zu sehen. Er ist verheiratet, hat zwei Söhne und lebt in Greifswald.

Stefanie Büssing

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