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Verlorene Landschaften, vergessene Orte

Sibylle Prange, Malerin Verlorene Landschaften, vergessene Orte

Sibylle Prange (47) wohnt und arbeitet in Berlin, stammt aus Brandenburg, lebte in Thüringen und ist zu einem Viertel Mecklenburgerin. Und an der Ostsee findet sie auch einen Teil ihrer Motive.

Sie liebt den Norden, das Meer, Boddenlandschaften. Aber pure Ostseeidylle sucht man bei Sibylle Prange vergebens. Sie liebt die Wüsten. Aber Maghreb-Exotik bieten ihre Bilder nie. Ihr Blick gilt dem Abseitigen. Ihre Motive sucht sie nicht, die finden sie. Von der Figur hat sie sich entfernt. Aber reine Landschaft ist es auch nicht. Ob das nun maritim oder in syrischen, jordanischen, marokkanischen, Wüsten spielt – es sind landschaftliche Atmosphären.

 

OZ-Bild

Die Malerin Sibylle Prange in ihrem Berliner Atelier hoch über dem Prenzlberg mit Blick auf Alex und Dom.

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Verlorene Landschaften, vergessene Orte. Die Bilder von Sibylle Prange spielen abseits der gemachten Orte. Die Strandpromenade eines geleckten Ostseebades lässt sie ebenso kalt wie das Alpenmotiv im Schnee. Es packen sie andere Dinge. „Das passiert mir nicht in den Schweizer Bergen beim Skiurlaub, es braucht die Weite und das Metaphysische“, sagt die 47-jährige Malerin aus Berlin.

Manchmal arbeitet sie auf Reisen durch Russland, in Ahrenshoop oder Bethlehem, im syrischen Palmyra, Paris oder London ganze Zeichenhefte voll. Malerische Tagebücher mit Notizen, Skizzen, Zetteln, Erinnerungen, Stimmungen, Gerüchen, Flohmarktschätzen. „Da zeichne, schreib’ und kleb’ ich rein“, meint sie. Das Bild kommt später. „Ich bin relativ langsam bei der Umsetzung“, sagt sie. Das findet, wenn sie ihre nächste Motivreihe gefunden hat, in ihrem Berliner Atelier, hoch über dem Prenzlberg mit Blick auf Alex und Dom seinen Weg auf die Leinwand. Das Kleine, Unwichtige, Beiläufige, was kaputt gegangen ist, was zerstört wurde und sich verzweifelt an eine Landschaft klammert. Aber das ist weder trist noch traurig. Es ist ein kühl romantischer und sehr gegenwärtiger Blick.

Das Magazin Geo schrieb mal über ihre Malerei: „Holocaustig“. Da fühlt sich Sibylle Prange massiv missverstanden. „Früher habe ich schwere Figuren gemalt, schwarz und tief. Ich habe halt keine Angst vor Schwarz und Tiefe“, sagt sie. Das sei weder düster noch dunkel. „Bei mir gibt es nie dieses eine Motiv, sondern immer eher die Atmosphäre.“ Ein Bild wie „Hohes Wasser“ in Ahrenshoop zeige ja nicht den Hafen Ahrenshoop selbst, sondern dieses hohe Wasser damals dort. Diese Hochwasseratmospähre.

Ihre Ausstellungen heißen „Randgebiete“ oder „Zwischenland“. Am 28. Oktober eröffnet sie in der Galerie „Huber & Treff“ in Jena die Schau „Km 53“. Randständige Bilder wie am Wegesrand, die man im Vorbeifahren aus dem Auto, dem Zug oder dem Bus sieht. Straßenmotive, vergessene Container, zivilisatorische Reste inmitten einer verlassenen Natur. Der Berliner Kunstwissenschaftler Christoph Tannert schrieb mal über sie, ihre Bilder, suchten das Weite, „dort, wo die Verlorenheit das Melancholische berührt“. Das Motiv holt einen, zoomt sich ran.

Sie sagt über ihre Arbeit: „Die Figur ist für mich kein Thema mehr, aber eine Birke oder ein Stuhl – das ist auch immer eine Figur.“ Sie denkt und streift gern durch diese Boddenlandschaft zwischen Ahrenshoop und Wustrow, „wo die Natur noch stärker ist, als der Mensch und was er macht“, sagt sie. Da könne man „wieder gucken lernen“.

Die Nähe zum Wasser hat sie geerbt. Sibylle Prange ist zwar in Eberswalde geboren und hat ihre Kindheit in Brandenburg, ihre Jugend im thüringischen Jena verbracht, sie war zum Studium in Holland und in den wilden Nachwendezeiten in Berlin-Friedrichshain, dort, wo es pulste. Und in Berlin lebt sie jetzt. Aber zu einem Viertel ist sie auch Mecklenburgerin. Ihre Großeltern lebten in Warnemünde und als Kind war sie oft an der Ostsee – Warnemünde, Wustrow, Ahrenshoop.

Und der Norden lässt sie nicht los. Seit 1998 stellt sie auch im Norden aus, 2004 war sie für ein Stipendium im Künstlerhaus Lukas Ahrenshoop und seit 2012 unterrichtet sie für die Designhochschule Leipzig, die mal in Schwerin gegründet wurde, am Standort Schwerin. Ein Viertel Mecklenburgerin eben.

Zur Person

Sibylle Prange wurde 1969 in Eberswalde geboren. Sie verbrachte ihre Kindheit in Thüringen, Brandenburg und Warnemünde. Nach einer Ausbildung zur Handweberin und einem Gasthörerstudium (Germanistik) an der Universität Jena, studierte sie von 1990 bis 1995 an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee Freie Kunst und Malerei. 1994 war sie per DAAD-Stipendium in Edinburgh, 1995 mit dem Erasmus-Programm in ’s-Hertogenbosch (Niederlande). Es folgten Studienreisen nach London, Paris, Venedig, New York, Syrien, Jordanien, Türkei, Marokko. Die Meisterschülerin von Professor Wolfgang Peuker war 2006 Stipendiatin im Künstlerhaus Lukas. Sie unterrichtet an der Universität der Künste Berlin und der Designakademie Schwerin.

Michael Meyer

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