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Weibliche Figuren und heilige Geometrie

Steffen Ahrens, Bildhauer Weibliche Figuren und heilige Geometrie

Der aus Rostock stammende Bildhauer Steffen Ahrens ist der menschlichen Figur treu geblieben. Auf seinem Bildhauerhof bei Halle gießt er viele Bronzearbeiten selbst.

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Gießen und Formen unterm großen Freidach: der Bildhauer Steffen Ahrens auf seinem historischen Bauernhof in Rumpin bei Halle.

Was ich gestalte, das bin ich selbst. Und wenn ich einen aggressiven Menschen machen würde, der um sich schlägt, dann wäre das ich“, sagt der Bildhauer Steffen Ahrens. So einen hat er aber noch nicht gemacht, musste er noch nicht.

Naja, ganz vordergründig stimmt sein Satz nicht. „Zu 90 Prozent“, sagt der Künstler über seine Menschendarstellung, „ist es die weibliche Figur, weil sie mich formal mehr inspiriert als der Mann.“

Die weibliche Figur, wie er sie beim großen Franzosen Aristide Maillol findet, sei von der Grundidee klassisch. So sind es alte Themen, wie die Sitzende, die Lesende, die Liegende, die Stehende oder die Schreitende, die Ahrens ausarbeitet, mit neuen Nuancen. „Das Schreiten immer auch als geistige Bewegung zu verstehen“, sagt er, „auch als Veränderung, als Suche.“ Sein Grundanliegen sei dabei, „Räume zu schaffen, die der Mensch braucht: schöne Räume“.

Steffen Ahrens wirkt wie einer, der mit sich im reinen ist. Sitzt in der großen Küche eines historischen Bauerngehöfts, die Mauern 70 beziehungsweise außen 90 Zentimeter dick. Bauernhof? Eher eine feste Burg, riesige Hof- und Gartenflächen, Stall und Scheune. Deutet auf einst reiche Bauern hin, und auf hohe Fruchtbarkeit der Böden der Gegend zwischen Halle und Magdeburg. An entfernteren Stellen des Grundstücks zeigen sich Spuren von Verfall oder großem Arbeitsbedarf, an anderen blüht Neues. Und die Wohnräumen zeigen, dass Künstler und Baumeister artverwandt sind: Rustikale Eleganz beim Verputzen der Wände, große technische Rafinesse beim selbst konstruierten und gebauten Ofen für Küche und Bad. Mittendrin in alldem eine zufriedene Familie.

Seit 2002 lebt Steffen Ahrens hier auf dem Bildhauerhof Rumpin mit seiner Frau und vier Kindern. Der Hof bietet dem Bildhauer tolle Bedingungen: Hier kann er selber gießen, draußen unterm großen Freidach. Dass er das überhaupt kann, liegt daran, dass er’s von der Pike auf lernen konnte. Damals, als sich der Sohn eines Architekten aus seiner Geburtststadt Rostock aufmachte, um Künstler zu werden. „Schon relativ früh, achte Klasse, dachte ich, du wirst mal Maler.“ Zeichenunterricht hatte er damals besonders gern, später ging das darüber hinaus, er zog in die Rostocker Altstadt, zeichnete die alten Häuser, wollte festhalten, was nach DDR-Stadtplanung abgerissen werden sollte. Oder ging zum Aktzeichnen mit dem Maler Jürgen Weber in die Kunsthalle. Vor dem Bildhauerstudium an der Burg Giebichenstein in Halle absolvierte Ahrens in Magdeburg eine Lehre als Steinmetz und lernte dort nebenbei eine kleine Bronzegießerei kennen, ein ganzes Jahr lang. Starke Basis: „Von den Studenten, die ich an der Burgerlebte, warich der einzige, der den Bronzeguss richtig gelernt hatte. Und ich bin der einzige von uns, der sein kleinplastisches Werk immer noch selber gießt.“ Der menschlichen Figur blieb der Bildhauer immer treu, trotz aller Umbrüche im Kunstbetrieb. Doch der Horizont hat sich erweitert:ZuVorbildern wie Maillol oder Rodin trat als große Erfahrung, nun durch Reise nach Duisburg erlebbar, Lehmbruck. Seit einigen Jahren vertieft Ahrens einen anderen, für ihn neuen, aber uralten Gedanken: die Heilige Geometrie. „Das klingt wie esoterische Mode, ist damit aber nicht gemeint“, betont er. Eher mit dem historischen Wissen der Baumeister, die ihre Sakralbauten, besonders an Fenstern sichtbar, aus Grundmustern entwickelten, darunter aus sich inbestimmtem Rhythmus schneidenden Kreisen. „Ichbegann nun, die Welt anders zu sehen, und erkannte, wie fest alles in unserer abendländischen Kultur eingebunden ist.“ Sogar in allen Kulturen der Welt: „Das Zeichen für Yin und Yang ist in unseren Kathedralen so präsent, obgleich wir es im asiatischen Raum ansiedeln.“

Zur Person

Steffen Ahrens kam 1962 in Rostock zur Welt. Nach Elektrikerlehre und Grundwehrdienst bei der NVA lernte er 1985-87 in Magdeburg Steinmetz, mit erstem Kontakt zum Bronzeguss. 1985-1993 war er Student und Meisterschüler bei Bildhauer Prof. Bernd Göbel an der Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein Halle. 1996 gewann Ahrens den Förderpreis der Deutschen Telekom. 1996-97 war er Leiter der Bronzegießerei der Burg Giebichenstein, 1997-2002 Assistent bei Göbel. Seit 2002 Ausbau eines historischen Bauernhofs in Rumpin (bei Halle), lebt dort mit Familie als Bildhauer und Bronzegießer.

Info: bildhauerhof-rumpin.de

Dietrich Pätzold

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Lebendige Tradition: 40 Künstler stellen ihre Werke für die 25. Kunstbörse der OSTSEE-ZEITUNG zur Verfügung.

Teilnahmebedingungen

VERNISSAGE am Montag, 11. September, um 18 Uhr im Kreuzgang der Hochschule für Musik und Theater (HMT) in Rostock, Beim Katharinenstift 8.

VERSTEIGERUNG aller präsentierten Arbeiten in der HMT am Sonnabend, 7. Oktober, um 20 Uhr. Einlass ist ab 19 Uhr.

TICKETS für die Kunstbörse in allen Servicecentern der OSTSEE-ZEITUNG und über 0381/38 30 30 17. SCHRIFTLICHE GEBOTE bitte mit Adresse und Telefonnummer bis 5. Oktober an die OZKulturredaktion, Richard-Wagner- Straße 1a, 18055 Rostock.

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