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Angel-Aus auf dem Rügendamm: Das ist purer Aktionismus

Angel-Aus auf dem Rügendamm: Das ist purer Aktionismus

OZ-Leserbeirat Dr. Jürgen Hempel sieht hinter dem Verbot Behördenversagen

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Seit Ostern ist das Angeln auf dem Rügendamm verboten. Der Grund ist die Gefährdung des Auto- verkehrs.

Quelle: Foto: T. Schmidt

Seit Ostern ist das Angeln auf dem Rügendamm untersagt. Das Schweriner Verkehrsministerium begründete die überraschende Maßnahme mitten in der Heringssaison mit einer akuten Gefährdung des Autoverkehrs auf der etwa 80 Meter entfernten neuen Rügenbrücke. Dieser Schritt, diese Entscheidung schreckte sogar mich als Nichtangler auf. Die Heringssaison ist in vollem Gange, und der Rügendamm ist traditionsgemäß seit mehr als 55 Jahren wieder die längste Anglermeile in Deutschland. Was in der DDR in vier Jahrzehnten nicht durchgesetzt wurde, wird jetzt kurzerhand verboten.

Dr. Jürgen Hempel

ist OZ-Leserbeirat. Er schreibt regelmäßig zu

aktuellen Themen für die

OSTSEE-ZEITUNG.

Ursache dafür soll sein, dass mit der bereits erwähnten akuten Gefährdung des Autoverkehrs auf der neuen Rügenbrücke gerechnet wird. Mindestens ein Zwischenfall sei gegeben, bei dem ein Auto von einem Angelgewicht getroffen und schwer beschädigt wurde. Sicherheit geht vor – das ist voll zu unterstützen, aber diese Hals über Kopfentscheidung ist in meinen Augen purer Aktionismus. Bereits in der Vergangenheit wurde geäußert, dass es am Rügendamm in den zurückliegenden Jahren immer wieder zu gefährlichen Zwischenfällen gekommen sei.

Mitunter hatten allzu eifrige Heringsjäger ihre mit Bleigewichten beschwerten Montagen so weit geworfen, dass sich diese im Geländer der benachbarten neuen Rügenbrücke verfangen haben und vorbeifahrende Fahrzeuge durch diese Wurfgeschosse gefährdet wurden. Aus diesem Grund habe die Verwaltung zeitweise sogar erwogen, das erst 1990 genehmigte Angeln vom Rügendamm wieder zu verbieten.

Derartige Vorfälle seien im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen, sagte ein Polizeisprecher. Wenn nunmehr der Leiter des Straßenbauamtes Stralsund, Ralf Sendrowski, anmerkt, dass von seinen Mitarbeitern bei der Reinigung der neuen Rügenbrücke immer wieder Gewichte, Angelhaken und Schnüre gefunden werden, ist dieser Sachstand ein alter Hut. Und seit Jahren bekannt. Jetzt, da die Sache über drei Jahre bekannt ist, soll erst von Behörden geprüft werden, ob durch bauliche Veränderungen an der Brücke verhindert werden kann, dass Angler ihre Ruten zu weit auswerfen können. Daher stellt sich die Frage: Warum dauert eine solche behördliche Prüfung mehr als drei Jahre? Die Heringssaison ist in Kürze beendet, und ein zeitweises Verbot bis zur Anbringung der erwogenen baulichen Veränderung wäre zumindest dann nachvollziehbar.

OZ

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