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Barack Obama wollte Amerika einen – es ist gespaltener denn je.

Ein vergiftetes Land Barack Obama wollte Amerika einen – es ist gespaltener denn je.

Von Stefan Koch

Der Täter wollte Weiße töten, vor allem weiße Polizisten.“ Die Aussage des Polizeichefs von Dallas trifft Amerika ins Mark. Konflikte, die längst als überwunden galten, drohen erneut aufzubrechen und das gesamte Land zurückzuwerfen. Dass Barack Obama seine letzte Europareise als Präsident abbrechen muss, um an den Krisenort zu eilen, ist symptomatisch: Der Chef des Weißen Hauses ist seit bald acht Jahren im Amt, aber viele der Aufgaben, die er sich selbst gestellt hat, sind nicht erledigt. Zum Ende seiner Amtszeit sind die Vereinigten Staaten gespaltener denn je. Die Gräben zwischen Schwarz und Weiß, zwischen Arm und Reich, zwischen Demokraten und Republikanern sind immer noch tief, die Atmosphäre ist in weiten Teilen vergiftet.

Zu Recht spricht Obama von den Taten Einzelner, die nicht stellvertretend für alle Amerikaner stehen. Das zeigt sich ganz besonders am Beispiel Dallas: Fast 1000 Menschen demonstrierten dort friedlich gegen Polizeigewalt – ein Protest, der professionell von Polizisten begleitet und geschützt wurde. Gerade die texanische Metropole liefert das beste Beispiel, dass die Zusammenarbeit zwischen Sicherheitsapparat und Bevölkerung ungeachtet der Hautfarbe vertrauensvoll verlaufen kann. Sämtliche Umfragen bestätigen das hohe Ansehen der Uniformierten in der Millionenstadt. Und doch endete die Nacht mit dem Tod von fünf Beamten – weil ein Einzelner seinen Hass in Gewalt umsetzte.

Landesweit wird das Verhältnis zwischen Weißen und Schwarzen von der Mehrheit der Amerikaner – wieder – als angespannt empfunden. Dabei geht es nicht allein um die Stimmungslage. Vor allem die konkreten Fakten sind bedrückend: Die Wahrscheinlichkeit, als Afroamerikaner von der Polizei erschossen zu werden oder für Jahrzehnte hinter Gittern zu landen, ist statistisch deutlich höher als bei Weißen. Auch steht die Justiz im Verdacht, bei Drogendealern je nach Hautfarbe unterschiedlich zu urteilen. Ein Vorwurf, der selbst in höchsten Regierungskreisen erhoben wird.

Für Obama ist es eine bittere Erkenntnis: Als erster schwarzer Präsident wollte er sich ausdrücklich nicht vor allem mit Rassenkonflikten beschäftigen, er wollte als Staatsoberhaupt für die gesamte Bevölkerung wahrgenommen werden. Nun aber zeigt sich, dass Amerika weiterhin unter den tiefen Rissen leidet, die seit Jahrhunderten klaffen.

Die Chancen auf schnelle Antworten oder gar Lösungen stehen nicht gut – schon gar nicht in der aufgepeitschten Stimmung eines Wahljahrs. Das zeigt sich allein schon an der Debatte um den privaten Waffenbesitz: Nach dem Massaker in Orlando, dem im Juni 49 Menschen zum Opfer fielen, wollte sich der Kongress zumindest auf kleine Korrekturen verständigen. Aber das Repräsentantenhaus setzte das Thema noch nicht einmal auf die Tagesordnung. Solange aber Kriegswaffen frei verkäuflich bleiben, können irrlichternde Einzeltäter ein ganzes Land bedrohen. Panorama

OZ

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