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Beleidigende Behörden-Mail: Leser fordern mehr Respekt

Rostock Beleidigende Behörden-Mail: Leser fordern mehr Respekt

Ministeriums-Mitarbeiter hatte Hilfesuchenden als „kranken Typen“ bezeichnet

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Rostock. Seit etwa 20 Jahren leitet Jens-Uwe Kasowski aus Wolgast die Selbsthilfegruppe „Angst und Depression“ – und ist selbst Betroffener. In einer E-Mail hatte er sich mit einer Bitte an Lorenz Caffier (CDU) gewandt. Er habe an Caffier in dessen Funktion als stellvertretender Ministerpräsident Mecklenburg-Vorpommerns geschrieben, sagt Kasowski. Seine Bitte: Ob nicht mithilfe des Landes und freier Träger eine finanzielle Unterstützung für die Arbeit der Selbsthilfegruppe organisiert werden könne.

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Vize-Regierungschef Lorenz Caffier (CDU). FOTO: C. KETTLER

Ein persönlicher Mitarbeiter Caffiers im Innenministerium schrieb dem Wolgaster, das Problem sei an das Sozialministerium weitergeleitet worden. Kasowskis Antwort: An das Sozialministerium hätte er selbst schreiben können. Er habe sich an Caffier als Vize-Regierungschef von MV – und nicht ans Innenministerium – gewandt. In einer weiteren E-Mail des Caffier-Mitarbeiters heißt es: „Am We fahre ich mal nach Wolgast und therapiere den kranken Typen auf meine Weise.“ Auf der Facebook-Seite der OSTSEE-ZEITUNG kritisieren viele Leser dieses Vorgehen.

„Witzig!“, meint Hein Hansen zur Reaktion aus dem Innenministerium, in der es heißt: „Das Vorkommnis sei zum Anlass genommen worden, um die Mitarbeiter des Innenministeriums für einen sorgsamen Umgang mit E-Mails zu sensibilisieren.“ Wäre es nicht sinnvoller, die Mitarbeiter für einen sorgsamen Umgang mit Menschen zu sensibilisieren? Piet Stüwe erklärt zur E-Mail: „Versehentlich oder nicht. Ehrenamtliche Bürger sind notwendig, ja nicht mehr wegzudenken in unserem Lande. Sie verdienen mehr Respekt. Die Mail war ein Versehen, die Denkweise aber nicht.“

Für Andreas Böckler ist dies kein Einzelfall: „Es ist doch gang und gäbe, dass so über Menschen mit Depressionen und Co. so geredet wird!“ Kathrin Minstedt

meint: „Ich möchte nicht wissen, wie hinter unserem Rücken in manchen Ämtern über Menschen, die anfragen oder sogar nachhaken und ihr Recht einfordern, gesprochen wird.“ Gerhard Werner Schlicke beklagt, dass die Werte „Respekt und Achtung, Integrität und Empathie heute durch Arroganz und politische Dummheit ersetzt werden“. Micha Wolf weiß jetzt, „wie in Ministerien über Bürger gesprochen und gedacht wird“.

An den Bürgerbeauftragten des Landes Matthias Crone in Schwerin wenden sich immer wieder Menschen mit Beschwerden über das persönliche Verhalten von Behördenmitarbeitern ihnen gegenüber. „Solch ein krasser Fall ist uns nicht bekannt“, erklärt eine Sprecherin. Dafür sei jedoch nicht der Bürgerbeauftragte zuständig. Eine Beschwerde wie in dem vorliegenden Fall müsse sich an den Dienstherrn des Mitarbeiters richten. Der Bürgerbeauftragte werde tätig, wenn Stellen, die der parlamentarischen Kontrolle des Landtages unterliegen, Angelegenheiten von Bürgern rechtswidrig erledigt haben.

Einige Facebook-Nutzer sehen Caffier dagegen nicht in der Pflicht, sich zu entschuldigen. Al Frankstone stellt dazu diese Fragen: „Hat der Minister die E-Mail geschrieben? Hat er dem Mitarbeiter nicht bereits den Kopf gewaschen? Hat der Mitarbeiter nicht bereits um Entschuldigung gebeten? Wofür soll Caffier um Entschuldigung bitten?“ Und Rudi Oltmanns

meint: „Wofür sollte sich der Innenminister denn entschuldigen?“

Anwalt der Bürger

1637 Bitten, Beschwerden und Anliegen haben die Bürger aus Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2016 (2015: 1619) beim Bürgerbeauftragten Matthias Crone eingereicht.

Im letzten Jahr war ein Rückgang der Ersuchen zum Arbeitslosengeld II zu verzeichnen. Im Gesamtjahresvergleich waren es 314 statt 348 Fälle im Jahr 2015. Dabei spiegelt sich vermutlich der Rückgang der Arbeitslosigkeit wider, heißt es vom Bürgerbeauftragten. Einen deutlichen Anstieg hat es 2016 hingegen in den Bereichen Schule (95, 2015: 68) und Umwelt (103, 2015: 66) gegeben.

Bernhard Schmidtbauer

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