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Bis zum Hals im eiskalten Wasser

Wer hat Interesse an der Eskalation im Lager Idomeni? Bis zum Hals im eiskalten Wasser

Wer denkt sich ein so zynisches Spiel aus? „Aktivisten“, von denen niemand weiß, wer wirklich dahintersteckt, haben die verzweifelten Flüchtlinge im griechischen ...

Wer denkt sich ein so zynisches Spiel aus? „Aktivisten“, von denen niemand weiß, wer wirklich dahintersteckt, haben die verzweifelten Flüchtlinge im griechischen Elendslager Idomeni in die Irre geführt. Sie haben die Not missbraucht, um ihrer eigenen Botschaft Gehör zu verschaffen.

 

OZ-Bild

Von Susanne Iden

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Da wird in dem Lager an der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien ein Flugblatt verteilt. Darin eingezeichnet sind angeblich sichere Fluchtwege in den Norden Europas: Schlupflöcher in der von Mazedonien abgeriegelten Grenze. Tausende Syrer, die seit Wochen in dem Lager festsitzen, machen sich auf den Weg. Viele riskieren ihr Leben. In einem Strom, den sie auf der „sicheren“ Route durchqueren müssen. Unter den Hieben der Schlagstöcke, mit denen mazedonische Grenzer sie zurücktreiben. Wer hat ein Interesse daran, so ein Drama zu provozieren, vor laufenden Kameras?

Es gibt viele Verdächtige. Wollte Mazedonien dem Rest der Welt demonstrieren, wie es Europa vor Horden illegaler Eindringlinge schützt? Gibt es in Griechenland Leute, die durch Bilder von einer Eskalation zeigen wollten, dass ihr Land sich im Stich gelassen fühlt?

In Verdacht geraten sind auch deutsche Helfer, die an der Seite der Flüchtlinge stehen. Ohne den Einsatz Hunderter europäischer Freiwilliger wäre die Lage in Idomeni viel schlimmer, als sie es ohnehin ist. Haben einige von ihnen nach einem Weg gesucht, das Elend von Idomeni wieder in die Weltpresse und die Fernsehnachrichten zu bringen? Dann hätten sie die Bezeichnung Helfer nicht mehr verdient.

Das Letzte, was Europa und die Flüchtlinge derzeit brauchen, sind riskante Zuspitzungen, die ohne Provokation gar nicht entstünden. Das gilt für Rechtspopulisten, die mit Worten zur Gewalt aufstacheln. Das gilt aber auch für die, die den Flüchtlingen falsche Hoffnungen machen und sie um beeindruckender Bilder willen in Gefahr bringen. Wer Flüchtlinge auf diese Weise zu Objekten macht, gerät moralisch in eine heillose Situation. Solche Manipulationen gehen aber auch politisch nach hinten los: Die Entstehungsgeschichte dieses Sturms auf die mazedonische Grenze wird quer durch Europa denen in die Hände spielen, die auf Abschottung setzen.

Dabei bleibt ein Faktor so oder so auf bedrückende Weise echt: die Verzweiflung der Betroffenen. Die Bilder von Flüchtlingen, die bis zum Hals im Wasser durch einen eisigen Fluss waten, müssten den Hartherzigsten barmen. Diese Menschen kommen nicht, weil die deutsche Kanzlerin sie eingeladen hätte. Sie kommen, weil sie nicht mehr wissen, wohin. Die 3000 Lager im Libanon sind mit zwei Millionen Menschen hoffnungslos überfüllt, auch Jordanien kann seine 1,5 Millionen Flüchtlinge nicht mehr versorgen. Dies ist die Wirklichkeit, die kein Propagandadreh in der einen oder anderen Richtung ausblenden kann.

OZ

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