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Bundespräsident Joachim Gauck hinterlässt viele Botschaften

Das politischste Staatsoberhaupt Bundespräsident Joachim Gauck hinterlässt viele Botschaften

Von Dieter Wonka

Politiker aus der ersten Frontlinie sollten gehen, ehe nur noch sie selbst sich für unverzichtbar halten. Angela Merkel beschäftigt sich mit dieser Herausforderung. Horst Seehofer hat den richtigen Zeitpunkt offenkundig bereits verpasst. So wie vor ihm Helmut Kohl, vielleicht auch wie Johannes Rau. Bei Joachim Gauck darf davon ausgegangen werden, dass er es nicht so weit kommen lassen möchte. Ob es im Knie zwickt, ist dabei weniger von Belang.

 

OZ-Bild

Gauck hat in den letzten vier Jahren viel Wichtiges gesagt, manche provoziert und einigen die rote Karte gezeigt. Das Amt hat all das ertragen. Heute stalken ihn die wichtigsten Parteivorsitzenden.

Er müsse bleiben, weil sie andernfalls ratlos und ohne überzeugenden Personalvorschlag dastünden. Daran ist nicht Gauck schuld, sondern es fehlt an Mut, Fantasie und am Willen der Parteistrategen, sich zu einer riskanten Entscheidung vor der nächsten Bundestagswahl durchzuringen. Das ist schade. Aber Joachim Gauck sollte sich daran nicht stören.

Deutschland steht nicht am Rande des Absturzes in Weimarer Verhältnisse, die AfD ist nicht „das Volk“, und ehrlich gesagt hat der amtierende Bundespräsident viele Spuren und Botschaften schon hinterlassen. Das meiste ist gesagt. Und das Alter für einen Wechsel hat Gauck auch. Es wird Zeit für Neues.

Der Politik-Quereinsteiger hat sich in seiner Amtszeit unschätzbare Verdienste erworben. Nach missglückten Experimenten mit Horst Köhler und Christian Wulff hat er es geschafft, den Bundesbürgern in ihrer großen Mehrheit das Gefühl von Sicherheit, von der Würde des Amtes und von mutiger Verlässlichkeit zu vermitteln. Während rundherum scheinbar feste Größen ramponiert erscheinen – Europa als Wertegemeinschaft, Menschlichkeit im Umgang mit Flüchtlingen, Respekt gegenüber Mitmenschen, auch dann, wenn es sich um Politiker handelt – hat sich Gauck als politischster Bundespräsident der Republik gezeigt. Er verzichtete dabei, im Gegensatz zu manchem Vorgänger, weitgehend auf auffällige Eingriffe in gesetzgeberisches Handeln. Parlament und auch Bundesverfassungsgericht sind mehr als der Schlossherr von Bellevue in der Verantwortung.

Mit seiner Beschreibung von Dunkeldeutschland sorgte Gauck für den schmerzhaften, notwendigen Denkanstoß, als im Umfeld von Brandstiftern und Krakeelern eine laute Minderheit begann, sich als „das Volk“ zu präsentieren. Diese Positionierung war ebensowenig bequem wie das Schielen nach weltpolitischer Verantwortung oder wie die Warnung vor einer Überdehnung des Zumutbaren, als immer mehr Flüchtlinge nach Deutschland drängten. Es sind dies aber Beispiele dafür, dass ein Präsident der Politik Anstöße geben kann, die jeder für sich umstritten aber eben nie besserwisserisch oder anmaßend waren. Mit einem Abschied in Würde bliebe sich Gauck auch heute treu.

OZ

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