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Christen feiern zu Ostern den Sieg des Lebens über den Tod.

Angst darf nicht das letzte Wort haben Christen feiern zu Ostern den Sieg des Lebens über den Tod.

Hans-Jürgen Abromeit*

Kürzlich habe ich auf meinem Smartphone eine App entdeckt, die ich nicht heruntergeladen hatte. Sie muss wohl vom Hersteller vorinstalliert gewesen sein. In dieser App geht es um meine Gesundheit:

 

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Sie zählt meine Schritte, welche Strecke ich täglich zurücklege. Dann erstellt sie mir eine Grafik, an der ich meine Werte ablesen kann. Es ist sicher gut, wenn man darauf achtet, sich ausreichend zu bewegen. Aber muss ich alles kontrollieren, jede Sekunde meines Lebens?

Das von allen Seiten propagierte Ideal eines gesunden ‚fitten‘ Körpers bedeutet umgekehrt: Krankheit und Leiden haben keinen Platz und sind womöglich selbstverschuldet. Leiden und Tod entsprechen weder unserem Schönheitsideal noch unserer Vorstellung von gelingendem Leben. Beeinträchtigtes Leben wird am besten vermieden. Wie im beeindruckenden Berlinale-Film „24 Wochen“ zu sehen, sind werdende Eltern in unserer Gesellschaft einem großen Druck ausgesetzt, Kinder mit Behinderungen wie dem Down-Syndrom abzutreiben. „Hauptsache Gesundheit!“ wünschen wir uns gegenseitig. Das ist gut zu verstehen, aber eine Illusion. Leiden und letztlich auch der Tod sind unvermeidbar und gehören zum Leben dazu. Genau dies spiegelt sich in der Geschichte Jesu Christi, der wir zu Karfreitag und Ostern erinnern. Als seine Zeitgenossen die alle Schranken übersteigende Liebesbotschaft Christi nicht mehr hören wollten, haben sie ihn gefoltert und getötet. Jesus hat Leiden und Tod in seiner Tiefe erdulden müssen. Aber Gott hat den getöteten Christus wieder auferweckt. Ostern erinnern wir uns an die Auferstehung Jesu Christi, und Christen hoffen seitdem darauf, dass Angst, Leiden und Tod nicht das letzte Wort haben.

Der auf Befehl Adolf Hitlers getötete Pastor Dietrich Bonhoeffer hat einmal gesagt: „Nicht von Unsterblichkeit ist Ostern die Rede, sondern von Auferstehung, Auferstehung vom Tode, der wirklich ein Tod ist mit allen Schrecken und Furchtbarkeiten, ein Tod des Körpers und der Seele, des ganzen Menschen, kraft Gottes Machttat.“

Tod und Leiden sind nicht der Störfall in einer ansonsten kontrollierbaren Welt, etwas, das um jeden Preis zu vermeiden ist, sondern wir müssen das Leiden als Teil des Lebens annehmen. Wir können das Leid anderer manchmal leichter machen, manchmal aber auch nur mit aushalten. Der christliche Glaube ist da ganz nüchtern und realistisch, weil er das menschliche Leid nicht kleinredet, die Schrecken des Todes nicht überspielt und kein ungetrübtes Glück auf Erden vorgaukelt. Wenn ich die aktuellen Nachrichten zur Kenntnis nehme, dann denke ich häufig: Wie sollen diese Menschen das aushalten? Wenn die geliebte Person an meiner Seite stirbt, dann frage ich: War es das? Doch wenn ich im Ostergottesdienst den uralten Osterruf vernehme: „Christus ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!“, dann weiß ich wieder: Es gibt Leben durch den Tod hindurch. Diese Perspektive macht mir jeden Tag wertvoll.

* Dr. Hans-Jürgen Abromeit ist Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Evangelisch-Lutherischen Nordkirche

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