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Das Hochwasser in Bayern sollte zum Umdenken führen

Mehr Respekt vor dem Wetter Das Hochwasser in Bayern sollte zum Umdenken führen

Von Jörg Kallmeyer

Die Welt ist in dieser Woche nicht untergegangen. Es hat lokale Unwetter in Süddeutschland gegeben. Wenige Kilometer von Orten entfernt, die von Schlammlawinen überrollt wurden, schien den ganzen Tag die Sonne. Und doch endet diese Woche mit einem verstörenden Eindruck: In Baden-Württemberg starben vier Menschen im Hochwasser, in Bayern gibt es bislang sieben Todesopfer. Orte wie Simbach oder Triftern stehen für individuelle Schicksale – und für eine Katastrophe, die niemand kommen sah. Und vor der niemand wirklich geschützt werden konnte.

 

OZ-Bild

Wie kann das in einem hochtechnisierten Land sein? Deutschland exportiert Tsunami-Warnsysteme in alle Welt, kann seine eigene Bürger aber nicht vor Gewittern schützen? In den vermeintlich sozialen Netzwerken tobt eine Debatte über Schuld. Sie führt nicht weit: Die Gewitter waren sehr regional begrenzt. Wo die Sturzfluten genau niedergehen würden, war für die Meteorologen nicht vorhersehbar.

Und so kann diese turbulente Woche am Ende vielleicht dabei helfen, etwas zurückzugewinnen, das in den vergangenen Jahrzehnten verschüttet gegangen ist: der Respekt vor dem Wetter.

Generationen vor uns hatten diesen Respekt. Sie wussten, dass ihnen ein schlimmer Winter bevorstand, wenn im August die Weizenernte verhagelt wurde. Oder dass das Vieh im Stall verhungert, wenn die Heuernte ins Wasser fiel. Aber wer muss heute schon Sorge vor dem Wetter haben?

Der Wetterbericht wird für die Frage studiert, ob die geplante Gartenparty vielleicht ins Wasser fällt. Und die Unwetter-App, die man auf dem Smartphone platziert, dient vielen eher als hübsches Spiel. Unwetter – das waren bislang die Bilder im Fernsehen aus Bolivien, Bombay oder anderen Orten auf der Welt, wo sich fremde Wetterphänomene austoben.

Simbach und Triftern haben die Bedrohung nah an uns heranrücken lassen. Ja, auch in Deutschland können Naturgewalten zerstörerische Kräfte entfalten, die jede Phantasie übertreffen. Dabei ist die Frage, ob die Gewitter Zeichen des Klimawandels sind, letztlich ohne Bedeutung. Gewitter mit Starkregen sind typisch für den Start in den Sommer, ganz gleich, ob nun weltweit die Temperaturen steigen oder nicht. In der Klimadebatte wird jedes Ereignis – Trockenheit oder Starkregen, Hitze oder Kälte – als Beweis für eine Theorie genutzt. Es geht aber auch darum, ganz praktisch mit Wetter-Herausforderungen umzugehen.

Es kann helfen, die Warnsysteme zu verbessern. Das aber entbindet den Einzelnen nicht vor der eigenen Verantwortung. Im bayerischen Hochwasser haben sich Menschen in Lebensgefahr gebracht, weil sie Handy-Aufnahmen von den Fluten machen wollten. Helfer mussten Neugierige daran hindern, mit dem Mountainbike in die überfluteten Dörfer zu radeln. Den nötigen Respekt vor dem Wetter und der Natur, so scheint es, müssen manche ganz neu erlernen.

OZ

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