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Das traurige, starke Europa

Die Antwort auf den Terror liegt im engeren Zusammenrücken Das traurige, starke Europa

Manchmal, wenn nach Terrorakten viele Leute viele Worte machen, ist es besser, mal gar nichts zu sagen. Einfach Trauer zuzulassen und Tränen.

Manchmal, wenn nach Terrorakten viele Leute viele Worte machen, ist es besser, mal gar nichts zu sagen. Einfach Trauer zuzulassen und Tränen.

 

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Von Matthias Koch

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Wie so etwas aussehen kann, zeigt Federica Mogherini, Jahrgang 1973, die aus Italien stammende, vielen Menschen in Europa zumindest vom Gesicht her bekannte blonde Außenbeauftragte der EU. Als Mogherini die Nachrichten aus Brüssel bekam, war sie gerade in Jordanien, es ging um Flüchtlingshilfe. An der Seite des Außenministers sagte sie vor laufenden Kameras auf der Bühne ein paar Sätze zum Terror, kämpfte mit den Tränen, umarmte den Jordanier und brach die Pressekonferenz ab: „Today is a difficult day“ — heute ist ein schwieriger Tag.

Ist diese Szene ein Zeichen der Schwäche? Im Gegenteil. Die Italienerin hat aller Welt gezeigt, was Europa ist: mehr als ein Binnenmarkt, mehr als eine Bürokratie. Europa ist eine Gemeinschaft von Menschen: Das hat die Außenbeauftragte eindrucksvoll unterstrichen — ohne ein einziges Wort zu sagen. Die Menschen, die dieses Europa bilden, haben im Laufe der Jahrzehnte etwas im weltweiten Maßstab sehr Wichtiges und keinesfalls Selbstverständliches gelernt. Sie gehen aufeinander zu — über nationale, ethnische, sprachliche, religiöse und kulturelle Grenzen hinweg. In der Gleichzeitigkeit von Vielfalt und Vereinigung liegt die Stärke Europas, seine Schönheit, seine globale Anziehungskraft.

Schon deshalb gerät dieses Europa ins Visier des Terrors: Es verkörpert das Gegenteil dessen, was muslimische Hassprediger jungen Leuten ins Ohr blasen. Europa lässt vieles gelten, es pflegt höflich die Balance des Relativen. Der Islamismus dagegen setzt auf den gewaltsamen Sieg des Absoluten.

Viel wird jetzt wieder über Fehler diskutiert, die Europa angeblich macht. Im linken Lager heißt es, Europa solle sich aus der Bekämpfung des IS in Syrien heraushalten. Im rechten Lager meinen viele, Europa müsse strenger seine fundamentalistisch beeinflussten Großstadtviertel durchleuchten. Beides lässt sich hören, beides bietet aber keine Erklärung für den Terror. Zum Terrorziel wird Europa nicht durch die eine oder andere eigene Entscheidung. Europa wird von den Islamisten gehasst, weil es so ist, wie es ist.

Das Kräftemessen geht weiter. Arbeitet die Zeit etwa für den Islamismus? Das wäre ein schlechter Witz. Stattdessen kommt eine überfällige europäische Sicherheitsdebatte in Gang. Sie zeigt auch den EU-Skeptikern: Eine Renationalisierung löst, das ist wie in der Ökonomie und in der Ökologie, keines der heutigen Probleme. Jetzt liegt die Antwort wie zu allen Zeiten im engeren Zusammenrücken. Wenn das gelingt, folgen auf Mogherinis „schwierigen Tag“ neue, bessere Tage. Das heute sehr traurige Europa kann, wenn es will, schon morgen zu neuer Stärke finden. Seiten 2 und 3

OZ

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