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Der Brexit-Wahlkampf schuf das Klima für den Mord an Jo Cox.

Verwundete Gesellschaft Der Brexit-Wahlkampf schuf das Klima für den Mord an Jo Cox.

Von Katrin Pribyl

Das Getöse um das EU-Referendum ist abgeebbt, die persönlichen Angriffe, die in den vergangenen Monaten täglich an Garstigkeit zunahmen, sind erst einmal verstummt. Dafür herrscht Trauer und Fassungslosigkeit nach dem schrecklichen Mord an der britischen Parlamentarierin Jo Cox.

Der Angriff lässt nicht nur zwei Kinder zurück, die ohne Mutter aufwachsen werden. Er hinterlässt auch eine verwundete Gesellschaft. Denn die Attacke galt der Demokratie. Die Labour-Abgeordnete Cox war gewählt, um ihrem Wahlkreis und ihrem Land zu dienen. Das tat sie mit außergewöhnlichem Engagement, mit viel Idealismus, mit dem ehrenwerten Ziel, die Welt ein Stück besser zu machen. Die Politikerin verteidigte die multikulturelle Gesellschaft, warb für die EU-Mitgliedschaft, kämpfte für Flüchtlinge und gegen Armut in Afrika. Sie setzte sich gegen Hass und für Nächstenliebe ein.

Nun ist Jo Cox tot. Musste sie tatsächlich wegen ihrer Ideale sterben? Ihr Mörder, ein 52-jähriger Mann, hat offenbar Verbindungen zur Neonazi-Szene. Der rassistische Hintergrund der Tat, sollte er sich bewahrheiten, ist schockierend. Ob der Anschlag mit dem EU-Referendum in direktem Zusammenhang steht, ist noch ungeklärt. Und der Täter allein trägt die Schuld an Cox’ Tod.

Trotzdem müssen sich einige Politiker und Aktivisten Fragen gefallen lassen. Zwar haben viele in der Leave-Kampagne mit fairen Mitteln sowie nachvollziehbaren Argumenten für den Austritt geworben und das Referendum zu Recht als Ausübung von Demokratie betrachtet. Es gehören aber auch Polemiker zum Brexit-Lager, die seit Jahren mit garstigem Ton die Stimmung gefährlich anheizen und darauf zielen, die Gesellschaft zu spalten.

Der Chef der rechtspopulistischen Partei Ukip, Nigel Farage, hat nur wenige Stunden vor der Attacke auf Cox ein Plakat enthüllt, das eine Warteschlange von Einwanderern und Flüchtlingen zeigt, überschrieben mit „Breaking Point“. „Wir wollen euch nicht“, wollte er damit wohl ausdrücken – obwohl Großbritannien derzeit vergleichsweise wenigen Flüchtenden Zuflucht bietet.

Das Poster erinnert an Nazi-Propaganda. Es ist widerlich – und hat nichts in einem Wahlkampf zu suchen, der sich mit der komplexen und folgenschweren Frage um die Mitgliedschaft in der EU auseinandersetzt. Gleichwohl passt es in diese Zeit, in der es normal geworden zu sein scheint, gegen Migranten zu wettern und auf die politische Klasse und Volksvertreter wie Jo Cox zu schimpfen.

All jene, die sich einer aufrührerischen Sprache bedienen, schaffen den Nährboden für Hass und Verachtung. Kann man erwarten, dass die giftige Propaganda gegen alles und jeden ohne Folgen bleibt?

Leider schlägt sie manchmal in Gewalt um. Zu hoffen ist, dass sich alle wieder ihrer Aufgabe besinnen und mit Argumenten zu überzeugen versuchen statt mit wütenden Emotionen. Es wäre ganz im Sinne von Jo Cox.

OZ

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