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Der Metro-Konzern soll zerschlagen werden — die Börse jubelt.

Was bringt der Handelskrieg? Der Metro-Konzern soll zerschlagen werden — die Börse jubelt.

Von Stefan Winter

Kaum etwas zählt mehr im Handel als Größe. Nur als mächtiger Großeinkäufer kann man die Preise der Lieferanten dorthin drücken, wo die Kunden sie haben wollen. Nur wer selbst die attraktiven Plätze besetzt, verhindert dort den Laden der Konkurrenz. Für Edeka ist dieses Prinzip so wichtig, dass man sich die Übernahme von Kaiser‘s-Tengelmann vom Wirtschaftsminister persönlich genehmigen lässt — gegen Widerstand von Kartellamt, Konkurrenten, Lieferanten. Und nun will Metro, wo man es in Sachen Größe weit gebracht hat, kleiner werden. Und die Börse jubelt.

 

OZ-Bild

Metro ist ein heimlicher Riese. Der Name prangt nur auf den Großmärkten, aber zum Konzern gehören die Supermarktkette Real, die Elektrohändler Saturn und Media Markt und ihr Online-Pendant Redcoon.

Und bis vor ein paar Monaten war Metro vor allem der Eigentümer der Kaufhof-Häuser. Händler sind sie alle, aber damit erschöpfen sich die Gemeinsamkeiten. Deshalb wird neu sortiert: Kaufhof wurde an eine kanadische Kette verkauft, die Elektrohändler werden jetzt abgespalten, die Trennung von Real ist wohl nur eine Frage der Zeit. Im Mittelpunkt steht bald wieder das Kerngeschäft: Großhandel für Gewerbetreibende. Das klingt nicht nach einer jener Wachstumsstorys, die man an der Börse gern hört, und ergibt doch Sinn. Denn die Handelswelt ändert sich, und die Gelegenheit für einen Umbau ist günstig.

Umgebaut wird derzeit überall in der Weltwirtschaft. Da wird gekauft und ausgegliedert, fusioniert und anschließend wieder aufgespalten. Angetrieben wird diese Welle — nicht zum ersten Mal — durch die aktuelle Kombination aus müder Konjunktur, niedrigen Zinsen und stabilen Kapitalmärkten. Neue Wachstumsperspektiven werden gesucht, man erhofft sie sich von einem neuen, schlagkräftigeren Zuschnitt des Unternehmens und findet dafür relativ problemlos Unterstützung am Kapitalmarkt. Nach diesem Muster sortiert sich gerade die Chemiebranche neu, die deutschen Energiekonzerne versuchen es gezwungenermaßen auch. Metro kann so noch ein paar interne Spannungen lösen, das wichtigste Motiv ist aber das gleiche: Anforderungen haben sich verschoben, Kraft und Kapital müssen neu verteilt werden.

So muss der Metro-Großhandel in die Internationalisierung investieren, Saturn und Media Markt brauchen Geld für den Ausbau des Online-Geschäfts und die Real-Supermärkte brauchen erst ihre Sanierung und dann einen Käufer. All das fällt in der neuen Struktur leichter und wird den Kunden nicht schaden. Sollte die Real-Kette im neuen, übersichtlicheren Umfeld wieder auf die Höhe gebracht werden, hätte die Aufspaltung sogar etwas für den Wettbewerb im Lebensmittelhandel gebracht — im Sinne von Verbrauchern und Erzeugern. Denen kommt mit Kaiser‘s-Tengelmann schließlich gerade eine Alternative abhanden.

OZ

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