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Der Sport muss siegen

Noch 100 Tage bis zum Start der Fußball-EM in Frankreich Der Sport muss siegen

Heute in 100 Tagen beginnt im Pariser Stade de France die Fußball-Europameisterschaft, und es ist noch nicht mal klar, wer das Turnier überhaupt eröffnen darf.

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Von Marco Fenske

Heute in 100 Tagen beginnt im Pariser Stade de France die Fußball-Europameisterschaft, und es ist noch nicht mal klar, wer das Turnier überhaupt eröffnen darf. Diese Zeremonie ist seit jeher dem Uefa-Präsidenten vorbehalten; doch den gibt es aktuell nicht — Michel Platini steckt tief im Korruptionssumpf und ist für sechs Jahre gesperrt.

Schon bei der WM 2014 in Brasilien war das so eine Sache mit der Eröffnung: Joseph Blatter, Ex-Chef des unter Dauerkorruptionsverdacht stehenden Weltfußballverbandes Fifa, hielt von sich aus erst gar keine Rede. Er hätte sein eigenes Wort nicht verstanden vor lauter Pfiffen — jeder zweite Brasilianer wollte die WM nicht. Es gab Proteste, Streiks, Organisations-Chaos, soziale Unruhen, Gewalt.

Heute stellt sich die grundsätzliche Frage: Können sich 100 Tage vor dem ersten Anstoß alle uneingeschränkt auf die EM freuen? Die traurige Antwort lautet: nein. Die Korruptionsvorwürfe gegen den Deutschen Fußball-Bund, die ebenso feigen wie brutalen jüngsten Terroranschläge, die Sportveranstaltungen missbrauchen, um Angst und Schrecken zu verbreiten — der Fußball steckt in einer schlimmen Vertrauens- und Sorgen-Krise.

Am Freitag wird beim DFB das vorläufig letzte (schwarze) Kapitel der Affäre rund um die Vergabe der WM 2006 aufgeschlagen. Dann werden die Ermittler der Wirtschaftskanzlei Freshfields die Ergebnisse ihrer Untersuchungen offenlegen; Insider tuscheln vom nächsten Beben, das den Fußball erschüttern wird.

Und im Gastgeberland Frankreich? Ab heute tagt in Paris eine Delegation der 24 teilnehmenden Teams. Das große Thema nach den Terroranschlägen vom 13. November 2015 mit 130 Toten ist nicht etwa die Frage, wie man die Fußball-EM zelebrieren und zu einer großen europäischen Party machen kann. Das Hauptthema ist die Frage nach Sicherheit, und klar ist schon jetzt, dass Scharfschützen während des Turniers Quartiere und Spielorte beschützen werden. Was ist bloß aus der einst schönsten Nebensache der Welt geworden? Deutsche Nationalspieler konsultieren nach den schrecklichen Erlebnissen auch heute noch ihren Mannschaftspsychologen Hans-Dieter Hermann. Fans aller Nationen fragen sich, ob sie wirklich zur EM nach Frankreich reisen sollen. Es herrschen Unsicherheit und Angst.

100 Tage vor der EM erlangt deswegen eine Frage nie da gewesene Bedeutung: Dürfen wir zulassen, dass wir uns durch Angst vor Terror und aus Ekel vor Korruption den Spaß an diesem wundervollen Spiel nehmen lassen, das so sehr für Freiheit und Lebensfreude steht und das durch die gemeinsame Liebe zum Sport Völker verbinden kann? Auch hier lautet die eindeutige Antwort: nein! Korrupte Funktionäre müssen weiter verbannt und feige Terroristen bekämpft werden. Der Fußball kann ein wichtiges Zeichen setzen, und er wird es hoffentlich tun: mit einer EM, bei der nicht die Angst siegt. Sondern die Freude. Sport

 



OZ

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