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Der Staat kann seine Bürger nicht vor jeder Katastrophe schützen.

Die Gewalt der Natur Der Staat kann seine Bürger nicht vor jeder Katastrophe schützen.

Von Rüdiger Ditz

Die Opferzahlen steigen immer noch: Das Ausmaß der Erdbebenkatastrophe im italienischen Amatrice ist bislang nicht abzusehen. Und schon klagen Betroffene und Experten, der italienische Staat hätte mehr vorsorgen müssen. Nach den Erdstößen von 2009 rund um das nahe gelegene L’Aquila hätten alte Gebäude durch neue ersetzt werden müssen.

 

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Aber geht das so einfach, wenn sie im Privatbesitz sind? Und wer bezahlt den erdbebensicheren Neubau? Noch weiter gedacht: Hätte man von Staats wegen die ganze Region wegen der drohenden Gefahr entvölkern sollen? Natürlich nicht.

Naturgesetze lassen sich durch menschliche Verordnungen nicht aushebeln. Kein noch so guter staatlicher Katastrophenschutz, kein Warnsystem kann uns verlässlich vor derartigen Gewalten bewahren.

Richtig ist aber, dass Stürme, Hochwasser, Vulkanausbrüche, Dürren und Erdbeben vor allem dort besonders verheerend wirken, wo die Infrastruktur unzureichend ist. Baufällige Gebäude, kaputte Straßen, marode Strom- und Wasserversorgung sind anfällig und behindern im Katastrophenfall die Hilfe für die Notleidenden. Darauf weist der Weltrisikobericht der Universität der Vereinten Nationen zu Recht hin.

In einem der gefährlichsten Erdbebengebiete der Welt, im Bereich der San-Andreas-Spalte in Kalifornien, leben zig Millionen Menschen. Milliarden wurden und werden in ihren Schutz investiert. Gleiches gilt für Japan. In Chile und der Türkei werden marode Gebäude, die nicht erdbebensicher sind, abgerissen. Das sind extreme, teure Maßnahmen, aber für Gebiete auf unserem Planeten, die nun mal für Besiedlung weniger geeignet sind, auch notwendige. Der Staat muss sich kümmern, fordern und fördern. Er kann aber nicht alles richten. Jeder Einzelne in solchen Regionen muss sich der Gefahren bewusst sein. So wie bei Südstaaten-Amerikanern, die nach einem verheerenden Hurrikan ihre Holzhäuser wieder aufbauen – wohlwissend, dass sie dem nächsten Sturm wieder nicht standhalten könnten. Es gilt nun mal: Wer am Wasser lebt, muss mit Überschwemmungen rechnen, wer an Kontinentalspalten wohnt, muss auf Vulkanausbrüche und Erdbeben gefasst sein. Und wer Küsten bevölkert, muss sturmerprobt sein. Entsprechende private Vorsorge zu treffen schadet nicht. Wie lächerlich wirkt angesichts dessen, was für ein Drama sich gerade in Italien abspielt, denn auch die jüngste Debatte um den Zivilschutz in Deutschland. Als ob der Rat, dass jeder Haushalt ein paar Konserven, Batterien und Wasserflaschen bunkern sollte, das ganze Land in Panik versetzen könnte.

Panik hatten die Menschen Mittwochfrüh um 3.38 Uhr in Amatrice. Spätestens jetzt ist den Überlebenden bewusst, dass sie auf einem Pulverfass leben, vor dem sie auch der Staat nicht schützen kann.

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