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Die Fußball-WM 2018 in Russland ist nicht verantwortbar.

Hilflose Appelle der Politik Die Fußball-WM 2018 in Russland ist nicht verantwortbar.

Von Dieter Wonka

Hooligans, Terroristen, Kriminelle aufgepasst: die Polizei ist bester Absicht, aber ein wenig überfordert, um des Bürgers bester Freund und Helfer zu sein. Also sorgen ab sofort aufmerksame Nachbarn im Zuge der freiwilligen Amts- und Selbsthilfe für Recht, Ordnung und Wachsamkeit. Stellt sich Bundesinnenminister Thomas de Maizière ungefähr so die neue Sicherheitspartnerschaft vor?

 

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Sein Appell zur aktiven Aufmerksamkeit der Bürger ist gut gemeint, aber er wird im Ergebnis eher verunsichern. Denn tatsächlich hat sich das Bürgerrecht auf ein Leben in Freiheit und Sicherheit zu einer beliebig wirkenden politischen Handelsware entwickelt. Die Bevölkerung wird zugeschüttet mit entschlossen klingenden Ankündigungen.

Jahrelang wurden ohne großes Nachdenken Planstellen bei der Polizei gestrichen, wurden Alltagserfahrungen mit Wohnungseinbrüchen, Kfz-Aufbrüchen und faktischen rechtsfreien Zonen auf Straßen und Plätzen von Behörden und Politikern nicht ernst genug genommen. Stattdessen eskaliert mit penetranter Regelmäßigkeit der Streit um Symbolthemen wie Videoüberwachung, Bodycams oder ideologisch überfrachtete Kontrollgesetze.

Polizeibehörden arbeiten mit bis zu zehn verschiedenen Computersystemen. Sofern für Fahndungen ein Datenabgleich überhaupt möglich ist, müssen Fakten per Hand übertragen werden. Auf internationaler Ebene boykottieren manche Staaten notorisch Europol mit wichtigen Informationen im Anti-Terrorkampf. Bei der Fußball-EM geht sichtbar die Angst um, aber es funktioniert weder ein seit Jahren gefordertes personifiziertes Ticketsystem in der Abwehr bekannter Hooligans noch eine partnerschaftliche Polizei-Zusammenarbeit.

Der Alarmismus der Politik rüttelt regelmäßig dann auf, wenn die Sicherheitslücken unübersehbar geworden sind. Symbolisch steht die Klage des Bundes Deutscher Kriminalbeamter: Die Politik lasse die Bevölkerung, die für ihre Sicherheit viele Steuern zahle, im Stich. Das ist die Botschaft, die ankommt.

Der Bundesinnenminister, der nebenbei auch noch Sportminister ist, könnte zeigen, dass er mehr drauf hat, als Angst zu beschreiben. Derzeit ist es nicht verantwortbar, in zwei Jahren die DFB-Elf und deutsche Fans in russische Stadien zur Fußball-Weltmeisterschaft zu rufen. Bis in den Kreml reichen die Verbindungen der russischen Hooligan-Szene. „Gut gemacht, Jungs“, hieß es von denen nach den brutalen Attacken von Marseille. Ganz offensichtlich gibt es ein unkalkulierbares Sicherheitsrisiko. Auch aus diesen Gründen ist es unverantwortlich, am WM-Plan 2018 festzuhalten. Mit einem entsprechenden Vorstoß würde sich de Maizière um das Sicherheitsbedürfnis verdient machen. Es geht schließlich um Vorbeugung, nicht um nachsorgende Blaulicht-Aktionen.

OZ

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