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Die USA wollen den IS besiegen – doch was kommt dann?

Zu schwach für den Frieden Die USA wollen den IS besiegen – doch was kommt dann?

Von Stefan Koch

Unmittelbar vor dem Ende seiner Amtszeit startet Barack Obama eine letzte große Militäroperation. 5000 US-Soldaten stehen parat, um gemeinsam mit einer großen Koalition die Milizen des „Islamischen Staates“ aus ihrer letzten irakischen Hochburg zu vertreiben – Mossul. Der Schlag soll die endgültige militärische Niederlage der Dschihadisten im Zweistromland markieren.

Die Ankündigungen der Militärs muten archaisch an: Der Sturm auf die Millionenstadt soll in Kürze beginnen, um die etwa 4000 feindlichen Kämpfer zu vernichten. Zu erwarten steht ein blutiger Kampf von Haus zu Haus – und die Zerstörung der historisch bedeutsamen Altstadt dieses einstigen multireligiösen Zentrums. Hilfswerke schlagen seit Tagen Alarm, da mit einer humanitären Katastrophe zu rechnen sei. Es mangelt an Auffanglagern für Flüchtlinge, die sich vor den Kämpfen in Sicherheit bringen wollen. Kurz vor Einbruch der kalten Jahreszeit fehle es am Nötigsten. Ohnehin vermag niemand zu sagen, wie lange sich der Konflikt hinzieht: Weder in Washington noch in Bagdad gibt es klare Antworten auf die Frage nach einer Nachkriegsordnung für die umkämpfte Region. Es gehört zu den bitteren Wahrheiten, dass Einheiten gegen die IS-Milizen antreten, die untereinander zum Teil in althergebrachter Feindschaft verbunden sind. Sunnitische Verbände wollen schiitische Kämpfer aus Mossul heraushalten, Peschmerga haben die Vergrößerung ihrer autonomen kurdischen Region im Auge – und die Türkei ist mit Soldaten und Panzern vor Ort, um den Turkmenen eine Rückkehr nach Mossul zu ermöglichen und nebenbei der schiitischen Regierung in Bagdad Paroli zu bieten. Einmal mehr zeigt sich: Die islamistischen Extremisten hätten sich in Mossul kaum zwei Jahre halten können, wären ihre Gegner nicht so zerstritten. Mehr noch: Ob dem Irak eine funktionierende staatliche Ordnung nach der Rückeroberung der Metropole gelingt, erscheint zurzeit überaus fraglich.

Ähnliches ist in Syrien zu beobachten: Amerikanische und russische Diplomaten nehmen zwar ihre Gespräche über Aleppo wieder auf, um dem Grauen ein Ende zu setzen. Aber auch dort sind die Kämpfer vor Ort stark genug, um den Krieg fortzusetzen – und zu schwach für einen stabilen Frieden. Die Regionalmächte Iran, Saudi-Arabien und Türkei sind zu tief in den Konflikt involviert, als dass schnelle Lösungen möglich wären.

Offenbar setzt Obama auf eine letzte Initiative, um zum Schluss seiner Ära sagen zu können, er habe den IS zumindest militärisch niedergerungen. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Operation nicht endet, wie die Aktion von George W. Bush, der 2003 auf dem Flugzeugträger „USS Abraham Lincoln“ mit Blick auf den Irak-Krieg theatralisch verkündete: Mission erfüllt.

OZ

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