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Donald Trump ist auch in Ostdeutschland möglich

Donald Trump ist auch in Ostdeutschland möglich

Wirtschaftlicher Niedergang erzeugt Verlust gesellschaftlichen Zusammenhalts

Die Erde hat gebebt: Donald Trump wird der 45. Präsident der Vereinigten Staaten. Die Analyse hat begonnen. Amerika ist nur scheinbar weit weg. Äußerlich könnten Trump und die AfD-Vorsitzende Frauke Petry nicht unterschiedlicher sein. Die Gründe, sie zu wählen – aus Überzeugung, aus Protest – ähneln einander aber.

Der amerikanische „Bibel- und Rostgürtel“ im Mittleren Westen der USA, dem Trump seinen Sieg verdankt, hat einen ähnlichen Prozess des ökonomischen Niedergangs erlebt wie die (ost)deutschen Flächenstaaten: Verlust und Prekarisierung von Arbeit durch Rationalisierung, Digitalisierung und die Abwanderung industrieller Produktion sowie eine rasante Industrialisierung der Landwirtschaft.

Ein Verlust gesellschaftlichen Zusammenhalts ist die Folge von erzwungener Arbeitsmigration und Überalterung der ländlichen Regionen. Er wird durch einen Rückgang von Bildung und kommunikativer Kompetenz verschärft.

Trump inszenierte sich als Sprachrohr einer männlichen weißen Schicht, die nach Anerkennung schreit und die kulturelle Vielfalt als Bedrohung und Konkurrenz begreift. Hierzulande kommt hinzu, dass die Aufbauleistung vieler DDR-Bürger für ein funktionierendes Gemeinwesen aus der Erinnerungskultur zugunsten eines Narrativs des Versagens getilgt wurde. Eine gesunde Identität basiert aber auf einem aktiv erarbeiteten und nicht lediglich ererbten Selbstbewusstsein, wie Amada Taub uns in der „New York Times“ erinnert. Rassismus, Sexismus, Xenophobie und der Wunsch nach autoritäter Herrschaft sind absolut inakzeptable Reaktionen auf eine identitäre Krise, die auch Resultat einer Enteignung von Lebensleistung ist – neben der territorialen Enteignung seit der Wende, über die ebenfalls kaum gesprochen wird.

Globalisierung, aus der keiner entkommen kann, wird nur dann ein menschliches Antlitz tragen, wenn sie kosmopolitisch beseelt ist. Nur wer ein gesundes, weil selbst erarbeitetes, Selbstbewusstsein besitzt, kann kosmopolitische Neugier entfalten. Das „große“ Amerika, das Trump auferstehen lassen will, war geprägt von brutaler sozialer Ungleichheit und rücksichtsloser Ausbeutung anderer Länder.

Mein Kollege John Carlos Rowe prophezeit, dass die nächsten Jahre „trumpistischer“ Alleinherrschaft – der Versuch einer Rückkehr zu einer scheinbar harmonischen, weil entglobalisierten Welt – vor allem denjenigen schaden werden, die rechtspopulistisch wählen.

Den von demokratischer Kontrolle entkoppelten politischen und wirtschaftlichen Eliten werden Brexit und Trumps Wahlsieg hoffentlich Anlass zur innerer Reform geben. Liberale Bürger sollten sich derweil der anderen Hälfte der Amerikaner und Amerikanerinnen verbunden fühlen: Sie sind immerhin die Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Dieses junge und weltoffene Amerika braucht jetzt unser Mitgefühl und unsere Solidarität.

Gesa Mackenthun*

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