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Dr. Snowden? Fall genügte hohen Ansprüchen nicht

Dr. Snowden? Fall genügte hohen Ansprüchen nicht

„Die Promotionsordnung kann die Verleihung des Doktorgrades ehrenhalber aufgrund besonderer wissenschaftlicher Leistungen vorsehen.“ So steht es in § 43 Abs.

„Die Promotionsordnung kann die Verleihung des Doktorgrades ehrenhalber aufgrund besonderer wissenschaftlicher Leistungen vorsehen.“ So steht es in § 43 Abs. 3 unseres Landeshochschulgesetzes, und das ist auch gut so.

Denn mit Ehrenpromotionen sollen Wissenschaftler gewürdigt werden, die sich in besonderer Weise um den wissenschaftlichen Fortschritt in ihrem Fach hervorgetan haben. Genau deshalb ist die Universität Rostock auch nach 100 Jahren stolz darauf, diese Ehrendoktorwürde an Albert Einstein und Max Planck verliehen zu haben.

Wie ist die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Schwerin vor diesem Hintergrund einzuordnen? Unstrittig ist, dass Edward Snowden ein gerütteltes Maß an Zivilcourage aufbrachte, als er die Geheimdienstdaten der NSA veröffentlicht hat. Ob er damit bereits dem Anspruch genügt, „in besonderer Weise den wissenschaftlichen Fortschritt in seinem Fach“ vorangetrieben zu haben, mag ich nicht abschließend beurteilen.

Einem kritischen Begleiter des Ehrenpromotionsverfahrens für Edward Snowden kommen aber zumindest Zweifel. So hat Snowden sein Informatikstudium abgebrochen und so keinen akademischen Grad erworben.

Zweifel an seiner Fähigkeit, wissenschaftlich zu arbeiten, sind deshalb nicht unberechtigt. Und wie Snowden die Daten, die er veröffentlicht hat, im Vorfeld der Veröffentlichung wissenschaftlich bearbeitet haben soll, kann sich mir auch nicht erschließen. Denn analysiert, ausgewertet und interpretiert hat er sie nicht.

All jene, die nun unsere Landesregierung dafür rügen, eine besonders restriktive Regelung zur Verleihung der Ehrendoktorwürde im Landeshochschulgesetz kodifiziert zu haben, verkennen die Zielsetzung von Ehrenpromotionen. Denn Ehrenpromotionen sollen – ob im Gesetz niedergeschrieben oder nicht – hervorragende wissenschaftliche Leistungen, häufig sogar das gesamte wissenschaftliche Lebenswerk eines Forschers würdigen. Allein das ist Sinn und Zweck von Ehrenpromotionen. Und vor allem geht es nicht darum, Personen ehrenhalber zu promovieren, die sich um die Wissenschaft verdient gemacht haben, ohne selbst wissenschaftlich zu arbeiten, sei es als Wissenschafts- und Bildungspolitiker, sei es als Mäzen und Sponsor von Wissenschaftsinstitutionen, sei es – wie bei Edward Snowden zu vermuten –, indem der Wissenschaft fundiertes Datenmaterial zur Auswertung und Interpretation zugänglich gemacht wird.

Spätestens wenn die Universität Rostock auf die Idee käme, einen Politiker oder Mäzen mit der Ehrendoktorwürde auszuzeichnen, würde mit Recht der Vorwurf erhoben, der Titel sei erkauft oder durch wohlfeiles Verhalten erlangt.

OZ

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