Volltextsuche über das Angebot:

13 ° / 3 ° heiter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Dunkle Wolken über der Insel

Der Brexit-Beschluss irritiert Investoren und bremst den Konsum. Dunkle Wolken über der Insel

Man sieht jetzt viele Bilder aus trostlosen Ecken Großbritanniens im Fernsehen. Das Land, so scheint es, liege schon am Boden und werde auch nicht mehr hochkommen.

Man sieht jetzt viele Bilder aus trostlosen Ecken Großbritanniens im Fernsehen. Das Land, so scheint es, liege schon am Boden und werde auch nicht mehr hochkommen. Doch ganz so ist es nicht. Die Briten haben gute Jahre hinter sich, in denen ihre Wirtschaft doppelt so stark wuchs wie die deutsche. Sie hatten einen Lauf – und legen sich mit dem Brexit selbst die Stolperfalle.

 

OZ-Bild

Von Stefan Winter

Quelle:

Der größte Schaden tritt schon ein, bevor auch nur Verhandlungen über den EU-Austritt begonnen haben. Die Unsicherheit dürfte den Konsum drücken. Ausländische Investoren stellen Projekte zurück – in einem Land, wo Deutsche, Inder und Amerikaner die Autoindustrie beherrschen und mehrere Stahlwerke Käufer suchen. Die Finanzbranche, auf der Insel doppelt so wichtig wie hier, trifft der Brexit besonders hart. Und die Briten werden sich neue Billigarbeiter suchen oder ungeliebte Jobs selbst machen müssen – ohne die Freizügigkeit des EU-Binnenmarkts wird das mit den Polen schwierig. Und wer soll britischen Bauern die Hilfen zahlen, die jetzt aus Brüssel kommen?

Kein Wunder, dass die meisten Experten eine Rezession voraussagen. Da richten sich die Blicke reflexhaft auf die Regierung und die Notenbank, doch auch deren Handlungsspielraum ist begrenzt.

Angesichts des schwachen Pfundes wird die Bank of England mit Zinssenkungen vorsichtig sein. Und die Regierung hat schon mit üppigen Staatsausgaben den jüngsten Aufschwung befeuert – in der vergeblichen Hoffnung, die Bevölkerung bei Laune zu halten.

Jetzt, wo das Land viel eher Konjunkturprogramme bräuchte, hat der Schatzkanzler sein Pulver verschossen und spricht im Gegenteil von Sparkurs und Steuererhöhungen. Er ahnt wohl, dass die Verschuldung für den britischen Staat nicht so billig bleiben wird. Die Kreditwürdigkeit ist bereits heruntergestuft und das mit gutem Grund. So muss man seit Freitag trübe Szenarien zeichnen, wo bis Donnerstag Chancen waren. Die ließen sich nur retten, wenn die EU weiter Vorteile gewähren würde – mehr als eine „privilegierte Partnerschaft“ à la Türkei. Doch das Kalkül der Brexit-Promoter, das Beste vom EU-Büfett mitzunehmen und zähe Stücke liegen zu lassen, wird nicht aufgehen, denn Rest-Europa hätte nichts davon.

Kann man den Briten aus wirtschaftlicher Sicht also leichten Herzens Goodbye sagen? Nein, denn es geht eben um die zuletzt wachstumsstärkste große Volkswirtschaft der EU und den drittgrößten Nettozahler. Und nebenbei geht es um einen wichtigen Verbündeten der Deutschen in wirtschaftspolitischen Grundsatzfragen. Ohne die Briten verschiebt sich der Schwerpunkt der EU ein Stück nach Süden – nicht nur geografisch, sondern auch wirtschaftspolitisch. Die Kanzlerin weiß ganz gut, warum sie den Ball in Sachen Brexit flacher hält als die Kollegen aus Paris und Rom.

OZ

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Brüssel

Die Briten haben für den Brexit gestimmt. Zum ersten Mal in der Geschichte der Europäischen Union verabschiedet sich ein Mitglied aus dem Club - und dann noch ein so wichtiges. Ist das eine neue „Stunde null“? Wie steht Europa künftig da in der Welt?

mehr
Mehr aus Kommentar
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Umfrage, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Umfragen" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Umfragen“ 2015-09-23 de MEINUNG Aktuelle Umfrage Ihre Meinung zählt: Geben Sie ein Votum ab zu aktuellen Themen aus Politik, Wirt- schaft und anderen Gebieten. Alle Umfragen auf einen Blick finden Sie hier.