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Ein Satiriker auf politischer Gipfelhöhe: Da gehört er nicht hin.

Die Staatsaffäre Böhmermann Ein Satiriker auf politischer Gipfelhöhe: Da gehört er nicht hin.

Von Hendrik Brandt

Er ist ein Narr. Einer von denen, an die man sich erinnern kann. Von denen es später heißen wird: „Ja, der, das ist ja noch einer gewesen... “. Satiriker Jan Böhmermann, über den jetzt mehr Menschen sprechen als je seine Sendungen gesehen haben, ist kein Flachwitz- Clown vom Privatfernsehen. Er arbeitet auch nicht in der alten deutschen Haltungsfabrik namens „Kabarett!“ Er zieht seine eigene Gedankenfurche durch die Wirklichkeit — krumm, interessant, krass. Der klassische gekränkte Idealist, der in der Satire ungefragt, aber virtuos dazwischenquatscht. Selbstbezogen, verletzend und verletzlich. Ein Künstler, kein Kasper.

Man muss Jan Böhmermann nicht mögen, man muss ihn nicht einmal kennen, um ihn jetzt zu verteidigen. Seit einigen Tagen steht er eher hilflos in einer Staatsaffäre herum. Zum einen, weil er sich verklettert hat. Weil er im ZDF zeigen wollte, dass er den türkischen Staatspräsidenten Erdogan noch besser provozieren kann als die Satiriker des NDR, die das schon zwei Mal versucht haben — einmal mit Erfolg. Und weil er dafür die Form der Matrjoschka-Satire (mit Spiel im Spiel) wählte, die das Publikum zumeist ratlos zurückließ. Das ZDF löschte seine Sendung — und vergaß, dass das Internet nichts vergisst. Jetzt übernehmen die für Humor unzuständigsten Menschen den Fall: die Juristen.

Denn die Türkei verlangt eine Bestrafung Böhmermanns. Das wäre unter normalen Umständen eine Sache der Diplomaten; ein höflicher, aber deutlicher Hinweis nach Ankara auf Artikel fünf des Grundgesetzes, der die Freiheit der Kunst garantiert, sollte eigentlich reichen. Weil aber Deutschland die Türken derzeit als Türsteher zur Flüchtlingskontrolle an den Grenzen der EU braucht, ist das nicht so einfach. Und auch deshalb ist der Herr Böhmermann mit seiner kleinen Sendung aus dem Nachtprogramm jetzt in politischen Gipfelhöhen angekommen.

Da gehört er nicht hin. Die Bundesregierung sollte den Vorstoß der Türken nicht über Gebühr „prüfen“, sondern klar sagen, dass bei uns jede Kunst geschützt ist. Sogar unverständliche oder schlechte.

Wie bizarr und politisch motiviert die Note aus Ankara ist, zeigt sich auch daran, dass es keine Blaupause für die Antwort gibt. Der Regierungssprecher verwies gestern darauf, dass man darin keine Übung habe. Die Erdogan-Türkei nimmt eben— anders als andere — derzeit jeden Anlass zum Konflikt wahr.

Hier steckt der ernste Kern hinter dem ganzen Theater auf allerlei Bühnen: Politisch wie kulturell trennen Deutschland und die Türkei derzeit Welten. Das muss nicht gegen Abkommen sprechen.

Deutschland, die Kanzlerin zumal, braucht die Hilfe der Türkei, solange es in Syrien kein würdiges Leben gibt. Und Europa braucht Erdogan wohl auch. Seine Regeln, sein Regime aber brauchen wir nicht.

Wenn die Satire das noch einmal deutlich gemacht hat, war sie vielleicht doch nicht so schlecht.

OZ

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