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Ein mutiges Zeichen

Die Spiele in Rio sollten ohne Russland stattfinden. Ein mutiges Zeichen

Deutschlands stärkster Mann hat kürzlich einen ebenso traurigen wie realistischen Satz gesagt.

Deutschlands stärkster Mann hat kürzlich einen ebenso traurigen wie realistischen Satz gesagt. Er sei schon oft Fünfter oder Dritter geworden, erklärte Gewichtheber Almir Velagic – hätten andere nicht gedopt, wäre es vielleicht öfter mal Platz eins gewesen. Velagic ist nicht der einzige Athlet, der für seine Leistungen erst Monate nach dem Wettkampf mit einer Medaille geehrt wurde – per Post, ohne Hymne, Treppchen und Applaus, weil ein zuvor Stärkerer des Dopings überführt worden war.

Jetzt haben die Ermittler der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) offengelegt, dass in Russland Doping staatlich und systematisch gefördert wurde. Moskaus Sportministerium habe die Manipulationen „geleitet, kontrolliert und überwacht“, der Inlandsgeheimdienst sei involviert gewesen, heißt es. Allein bei den Winterspielen in Sotschi sollen 15 russische Medaillengewinner gedopt gewesen sein.

Tausende Dokumente haben die Wada-Ermittler gefunden, sie haben aus Vermutungen Fakten geschaffen, die nun beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) auf dem Tisch liegen. Vermutlich heute, knapp drei Wochen vor den Olympischen Spielen, wird das Komitee entscheiden, ob eine ganze Nation von den Spielen ausgeschlossen und damit kollektiv bestraft wird.

Schneller, höher, stärker lautet das olympische Motto, das Pierre de Coubertin 1894 ausgab. Leider gilt das seit Langem auch in vielen Dopinglaboren, die Athleten mit unerlaubten Mitteln derart stark machen, dass sie die Konkurrenz ausstechen. Ein übliches Vorgehen nicht nur in Russland, sondern auch in Kenia, Bulgarien, Aserbaidschan, der früheren DDR – je nach Sportart lassen sich viele Beispiele finden. Im Wettkampf mit den Betrügern waren Ermittler der Wada oft hinterher. Auch weil dem IOC der feste Wille fehlte, gegen den Dopingsumpf konsequent vorzugehen.

Jetzt ist dieser Wille endlich da. Die „härtesten Sanktionen gegen jede beteiligte Person oder Organisation“ kündigte IOC-Präsident Thomas Bach gestern an. Ungewohnt markige Worte von dem Mann, der noch kürzlich meinte, man könne einen Badmintonspieler nicht für Manipulationen eines Laborleiters bestrafen.

Natürlich ist es nicht fair, dass saubere Athleten zu Hause bleiben müssen, dass andere Nationen sehr wohl wieder gedopte Sportler nach Rio schicken werden. Aber wenn ein Land nachweislich systematisch manipuliert und betrogen hat, darf es nicht mit einem Team – und sei es noch so klein – an den Start gehen.

Ein Ausschluss Russlands wäre daher ein mutiges Zeichen – ohne solch ein Signal ist die Glaubwürdigkeit des Sports nicht wiederherzustellen. Um Dopingsünder abzuschrecken, sind offenbar so harte Konsequenzen nötig. Nur so lässt sich verhindern, dass am Ende Betrüger auf dem Treppchen stehen – und Medaillen später per Post verschickt werden. Sport

OZ

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